Mit „Chaos auf der Feuerwache“ ging es am Samstag (30. 5.) los - ganz ohne Chaos Dank eines Hygieneplans. Die Cineworld hat als eines der ersten Kinos der Region wieder geöffnet, trotz Corona.

Lünen

, 01.06.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist gerade 10.50 Uhr, als am Samstag vor Pfingsten Eltern mit ihrem Kind im Hagen vor der Tür des Kinos in Lünen stehen: einer geöffneten Tür - erstmals nach mehr als zwei Monaten Zwangspause durch Corona. Die Drei wollen sich einen Familienfilm ansehen: „Chaos auf der Feuerwache“. Der Titel sei aber eigentlich gar nicht entscheidend, sagen sie dem Kino-Mitarbeiter, als sie die vergünstigten Tickets in der Hand halten. „Endlich können wir wieder etwas hier unternehmen.“

Kostenlast von 4000 Euro täglich

Kinoleiter Max Biela lächelt, als er das am Samstagnachmittag erzählt: oben in einer der weit auseinander stehenden Sitzgruppen vor den Kinosälen. Auf allen sechs Leinwänden läuft gerade ein Film. Es duftet nach Popcorn. Biela freut sich. Das fühle sich wieder etwas nach Normalität an, sagt er. Ist es aber nicht.

Jetzt lesen

Die Sorgen der zurückliegenden 75 Tage bleiben, in denen das Kino geschlossen bleiben musste. Die Einnahmen fielen aus, Ausgaben von 4000 Euro täglich liefen weiter, wie die Betreiber Anfang Mai im Interview mit dieser Redaktion sagten. Jetzt, wo die Landesregierung die Möglichkeit gab, wieder zu öffnen, hätten sie sofort dabei sein wollen, sagt Biela - trotz der strengen Auflagen.

Wieder eintauchen in Traum-Welten

Es sei wichtig den Menschen zu zeigen, dass es das Kino noch gibt und mit ihm die Möglichkeit, in Traumwelten einzutauchen: ein Genuss, der in Krisen-Zeiten umso wichtiger sei.

Biela trägt während des Gesprächs Mund- und Nasenmaske, der Kollege, der unten hinter der gläsernen Eingangstür jeden Gast begrüßt und über das Filmangebot und die Hygieneregeln informiert, ebenfalls, die Mitarbeiterinnen, die oben Snacks zubereiten - Popcorn, Nachos und Co. - sowieso. Zwar hätten sie alle schon lange die Wiedereröffnung vorbereitet. Aber da waren die Rahmenbedingungen noch nicht bekannt. Die kamen erst drei Tage vorher.

Jetzt lesen

„Aufführungen in Theatern, Opernhäusern oder Kinos sind unter bestimmten Voraussetzungen mit einer Zuschaueranzahl von bis zu 100 Personen möglich“, entschied die Landesregierung NRW. „Und da haben wir alles an die Erfordernisse angepasst in Absprache mit dem Kreis Unna.“ Die Gesundheitsbehörde habe schnell und unbürokratisch Tipps gegeben. „Das war richtig gut“, so Biela.

Das Kino in Lünen, die Cineworld, hat seit dem 30. Mai wieder geöffnet.

Das Kino in Lünen, die Cineworld, hat seit dem 30. Mai wieder geöffnet. © Sylvia vom Hofe

Das Ergebnis: der neue zentrale Empfang für die Gäste, getrennte Laufwege im Kino, die Möglichkeit zur Händedesinfektion im ganzen Kino und ein ausgeklügelter Sitz- und Reinigungsplan. Die Filme würden zeitversetzt gezeigt. „Dadurch haben wir 40 Minuten Zeit, jeden Saal gründlich zu reinigen“ - zumal ja ohnehin deutlich weniger Gaste erlaubt seien als vor der Pandemie.

Jede zweite Reihe ist komplett gesperrt

„Wir haben jede zweite Reihe komplett gesperrt:“ Der Mindestabstand von 1,50 Metern sei kein Problem. „Wir haben hier mindestens 2,40 Meter“ - tatsächlich noch viel mehr. Denn in Scharen kommen die Gäste am ersten Kino-Tag noch nicht.

Kein Wunder, meint der 32-jährige Kinoleiter. Zum einen habe es sich noch nicht herumgesprochen, dass die Cineworld wieder geöffnet sei. Zum anderen ist schönes Sommerwetter noch nie ideal gewesen, um ein Kino zu füllen, sagt Biela und blinzelt dabei in die Nachmittagssonne. Immerhin: Rund 200 Gäste werden es über den ersten Tag verteilt doch werden. An einem guten Tag im Winter waren es zehn Mal so viele.

Filmpremieren gibt es trotzdem: La Palma

Corona hat viele Filmpremieren verschoben, wie die vom 25. James Bond. „Keine Zeit zu sterben“ wird statt im April erst am 12. November anlaufen. „Das heißt aber nicht, dass es gar keine Neustarts gibt“, sagt Biela. Aktuelles Beispiel: die Beziehungskomödie „La Palma“. Aber auch Filme, die vor dem Lockdown gerade erst angelaufen seien, würden viele noch nicht kennen. „Ich selbst habe zum Beispiel ,Knives out. Mord ist Familiensache‘ noch nicht gesehen“: ein Krimi mit Daniel Craig.

Andere Kinos sind noch zurückhaltender

Andere Kinos haben nicht so schnell reagiert wie die Cineworld in Lünen. Das Capitol Cinema Center in Werne hat noch geschlossen, das Roxy Kino in der Münsterstraße in Dortmund und das Union Filmtheater in Bochum ebenfalls. Die Schauburg auf der Brückstraße in Dortmund gehörte zu denen, die es neben der Cineworld Lünen bereits am ersten möglichen Tag gewagt hat.

Privatvorstellungen für 4,50 Euro

Die junge Familie in Lünen, die am Samstag als erstes vor der Tür stand, hat eine Privatvorstellung erlebt. Die Drei hatten den Saal und die große Leinwand mit dem „Chaos auf der Feuerwache“ für sich alleine. Dafür brauchten sie keinen Cent extra zu zahlen. Im Gegenteil.

Um den Kinobesuch nach den Wochen der Abstinenz wieder attraktiv zu machen, kostet zurzeit jede Eintrittskarte 4,50 Euro - egal welcher Platz und welcher Film. Die private Cineworld unten neben dem Eingang, die jeder für exklusive Vorstellungen mieten kann, bleibt indes noch geschlossen.

Egal, ob für „Lassie“, „Das geheime Leben der Bäume“ oder einen der 21 anderen Filme im aktuellen Programm: „Wir empfehlen, die Karten am besten online zu bestellen“, sagt der Kinoleiter. Dadurch entstünden keine Extra-Kosten. „Wir vermeiden nur, dass sich Leute anstellen müssen.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt