Kindeswohlgefährdung: Zahl potenzieller Fälle bleibt in Werne „konstant erhöht“

dzCorona-Krise

Im Zuge der Pandemie verzeichnet die Stadt Werne weiterhin eine erhöhte Zahl der gemeldeten Fälle von möglicher Kindeswohlgefährdung. Bizarrerweise könnte das aber sogar ein positives Signal sein.

Werne

, 16.11.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Auswirkungen der Corona-Krise machen auch vor dem Familienleben nicht halt. Erst recht nicht im Zuge einer Quarantäne - wenn die psychische Belastung noch einmal steigt, der Umgangston sich schon mal verschärft und es im schlimmsten Fall sogar zu körperlicher Gewalt kommt. Die Stadt Werne verzeichnet laut Jugendamtsleiter Maik Rolefs weiterhin eine erhöhte Zahl der Meldungen von potenzieller Kindeswohlgefährdung. Allerdings - und das ist wichtig - ließe sich daraus nicht ableiten, dass die Zahl der realen Fälle auch tatsächlich gestiegen ist.

„Es bedeutet zunächst einmal, dass sich seit Beginn der Pandemie mehr Menschen bei uns melden, um uns eine mögliche Kindeswohlgefährdung mitzuteilen. Das heißt, dass es eine hohe Sensibilisierung für dieses Thema gibt. Und das ist natürlich gut so“, erklärt Rolefs auf Anfrage unserer Redaktion.

Sensibilität für das Thema ist durch ersten Lockdown gestiegen

Seine Vermutung: Im Zuge der Corona-Krise - und insbesondere durch die drastischen Einschränkungen während des ersten Lockdowns - sei ein Ruck durch die Gesellschaft gegangen. Vielen Menschen sei womöglich noch ein bisschen deutlicher geworden, wie wichtig es ist, das Wohlergehen der Kleinsten im Blick zu haben. Und zwar nicht nur das der eigenen Kinder.

Denn in Zeiten, in denen Schulen, Kitas und Co. geschlossen waren, brach damit auch eine wichtige Kontrollinstanz weg. Der regelmäßige direkte Kontakt zwischen Kindern und pädagogischem Fachpersonal, das Auffälligkeiten im Verhalten des Nachwuchses hätte feststellen und diese dann gegebenenfalls dem Jugendamt hätte melden können, war so nicht mehr gegeben.

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Diese Aufgabe kam nun anderen zuteil. Menschen aus dem privaten Umfeld - zum Beispiel Nachbarn. „Und wenn wir eine Meldung bekommen, dann prüfen wir natürlich sofort, ob tatsächlich eine Gefährdung vorliegt“, so Rolefs. Bei den gemeldeten Fällen gebe es inhaltlich allerdings „keinen roten Faden“. Heißt: Die in den Meldungen aufgeführten Sachverhalte unterscheiden sich stark voneinander und reichten tendenziell von Gewalt bis Vernachlässigung.

Dass es seit Beginn der Pandemie einen realen Anstieg bei der häuslichen Gewalt in Familien und in diesem Zusammenhang auch der Kindeswohlgefährdung gegeben habe, könne man nicht sagen. Was sich hingegen durchaus klar sagen lässt: Nicht bei jedem Familienstreit liege direkt eine Kindeswohlgefährdung vor. Aber eine Meldung zu viel ist in diesem Falle sicher besser als eine zu wenig.

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