Mordverdacht in Kita: Ministerium will Bericht von Jugendamt

Wie kann eine Frau, die bereits in ihren ersten Wochen im Kita-Job für nicht geeignet befunden wird und in deren Umfeld es immer wieder zu seltsamen Vorfällen kommt, drei Jahre als Erzieherin arbeiten? Der Fall Viersen wirft Fragen auf.

28.05.2020, 12:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

Nach dem Mordverdacht gegen eine Erzieherin und einer möglichen Serie weiterer Gewalttaten in Kitas stehen nun mehrere Institutionen im Fokus. „Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden“, teilte das NRW-Familienministerium am Donnerstagabend auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. 

Die Vorfälle müssten gründlich und umfassend aufgeklärt werden. Das zuständige Landesjugendamt sei um einen Bericht gebeten worden. „Der Verdacht gegen die 25-Jährige wiegt schwer und ist unerträglich“, teilte das Ministerium mit. „Unser Mitgefühl gilt den Eltern und Angehörigen.“

Die dreijährige Greta war aus einer Kita, in der die Verdächtige im niederrheinischen Viersen als Erzieherin gearbeitet hatte, im April mit Atemstillstand in eine Klinik eingeliefert worden und später gestorben. Rechtsmediziner fanden Spuren, die auf Gewalteinwirkung hindeuteten.

Wie Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Mönchengladbach berichteten, sind die Behörden auf weitere Vorfälle in drei früheren Kindergärten gestoßen, in denen die als „wenig geeignet“ eingestufte Erzieherin tätig war.

Die Stadt Kempen hat nach einem früheren Dementi eingeräumt, dass es vier Vorfälle in der Kita gab, in der die Erzieherin gearbeitet hat. Vier Mal sei der Notarzt gerufen worden, weil ein Kind über Atemnot geklagt habe, berichtete ein Stadtsprecher am Donnerstag. Es seien wie vorgeschrieben Unfallanzeigen über das Jugendamt an die Unfallkasse geleitet worden. Diese seien auch nicht zu beanstanden. „Es lagen keine Anzeichen vor, in eine andere Richtung zu denken“, hieß es.

Die Stadt Krefeld teilte mit, bei ihr habe die Beschuldigte ein Berufspraktikum absolviert. Alles, was dazu mitzuteilen sei, hätten die Ermittler bereits mitgeteilt. Der Kreis Viersen, in dem Tönisvorst liegt, wo die Erzieherin ebenfalls gearbeitet hat, verwies auf Anfrage an das Landesjugendamt. Der Landschaftverband Rheinland teilte als Landesjugendamt mit, wegen der laufenden Ermittlungen äußere man sich nicht zu dem Fall.

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