Kinderschutzbund kritisiert Unterfinanzierung von Missbrauch-Beratungsstellen

Kriminalität

In den vergangenen Wochen und Monaten häufen sich die Fälle von Kindesmissbrauch in Nordrhein-Westfalen. Und trotzdem werden Beratungsangebote aufgegeben. Dafür hagelt es Kritik.

Düsseldorf

10.06.2020, 21:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Kinderschutzbund bemängelt die zu geringe Finanzierung von Beratungsstellen.

Der Kinderschutzbund bemängelt die zu geringe Finanzierung von Beratungsstellen. © picture alliance/dpa

Der NRW-Verband des Kinderschutzbundes beklagt die wirtschaftlichen Nöte von Anlaufstellen für missbrauchte und misshandelte Kinder. Landesweit seien viele spezialisierte Beratungsstellen unterfinanziert, teilte Landesgeschäftsführerin Krista Körbes am Mittwoch mit. Anlass der Kritik ist die Schließung des Beratungsangebots des Kinderschutzbundes in Mülheim an der Ruhr gegen Vernachlässigung, Misshandlung und sexuellen Missbrauch. Der Verein konnte die Kosten, von denen Bund und Kommune rund die Hälfte übernehmen, nicht mehr aufbringen und stellt das Angebot zum Ende des Monats ein.

Seit den 1990er Jahren habe es keine Anpassung der Fördergelder für Beratungsstellen in NRW gegeben, kritisierte der Kinderschutzbund. Gerade im Hinblick auf die Präventionsbemühungen des Landes im Bereich sexualisierter Gewalt müsse bei der Finanzierung der Fachberatungsstellen dringend nachjustiert werden. Viele Beratungsstellen müssten hohe Eigenanteile stemmen, die zu beschaffen wiederum einen Teil der Personalressourcen binde, der besser in Beratung und Konzeptentwicklung fließen sollte.

Alternative zum Jugendamt

„Missbrauchsfälle wie in Lügde oder aktuell in Münster erschüttern NRW. Und in Mülheim wird sehenden Auges hingenommen, dass die primäre Anlaufstelle für Kinder unter 14 Jahren wegbricht“, kritisierte Mauno Gerritzen, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Mülheim, laut Mitteilung. Beratungsstellen seien für Kinder, aber auch Nachbarn, Angehörige und Lehrpersonal und Erzieherinnen in Verdachtsfällen von Gewalt, Vernachlässigung oder Missbrauch niedrigschwelligere Anlaufstellen als das Jugendamt.

Die Landesregierung zeigte sich überrascht von der Ankündigung, die Beratungsstelle in Mülheim zu schließen. „Die Begründung des Kinderschutzbundes für diesen Schritt entspricht aus Landessicht nicht den Tatsachen“, erklärte das Kinder- und Familienministerium am Mittwochabend.

Der Kinderschutzbund Mülheim habe für die Jahre 2020 und 2021 für genau diese Beratungsstelle die Bewilligung zusätzlicher Landesmittel in Höhe von 167 700 Euro erhalten. „In den vergangenen anderthalb Jahren hat es zahlreiche Gespräche gegeben, um die Beratungsstelle finanziell abzusichern und Perspektiven für die Folgejahre zu entwickeln“, hieß es. Die Landesregierung bedaure den Schritt.

dpa

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