Kaum Handynetz, langsames Internet im Grenzgebiet zwischen Selm und Lünen

dzBiohof Schulze Altcappenberg

Ein Bild oder größere Dokumente zu verschicken, kann ein paar Stunden dauern. Ob auf dem Hofgelände der Handyempfang für ein Gespräch reicht, ist Glückssache. Besserung ist nicht in Sicht.

Selm, Lünen

, 15.06.2020, 08:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass sich für Heinrich Schulze Altcappenberg einiges ändern würde, als er vor einigen Jahren aus Berlin zurück in die Heimat nach Selm gezogen ist, war ihm wahrscheinlich klar. Aber im Telekommunikationsbereich ist aus diesem Rückzug eine wahre Reise in die Vergangenheit geworden.

„Ob ich hier Handy-Empfang habe, hängt davon ab, wo ich gerade bin“, sagt er. Manchmal helfe es, sich auf dem Hofgelände an der Lünener Straße 300 an der gleichen Stelle umzudrehen. Wenn es gut läuft, hat der Bio-Landwirt zwei Balken, besser wird es nie. Ein Teil der Lösung: Immerhin im Haus kann er über das W-Lan telefonieren, also übers Internet.

Jetzt lesen

Das, sagt Schulze Altcappenberg, funktioniere auch. Für vieles andere sei das Internet allerdings zu langsam. Beim Hoch- und Herunterladen größerer Dateien können schon einmal Stunden vergehen. Das ist für ihn, der immerhin einen größeren landwirtschaftlichen Betrieb verwalten muss, privat und beruflich ein Ärgernis.

Das Problem ist bestens dokumentiert

Wie schlecht die Verbindung ist, hat er mit verschiedenen Apps festgehalten. Wie ist wo der Empfang, welche Download-Raten werden erreicht, wo steht der nächste Sendemast? Das Problem also ist bestens dokumentiert. Das ändert allerdings nichts.

Der Geschwindigkeits-Test: In allen Bereichen schlecht.

Der Geschwindigkeits-Test übers mobile Netz: In allen Bereichen schlecht. © Schulze Altcappenberg

Denn sein Anbieter, der Telekommunikations-Riese Vodafone, leugnet das Problem auch nicht. „Diese Schilderungen können wir nachvollziehen“, sagt Konzernsprecher Volker Petendorf bezogen auf den Handy-Empfang. Seine Erklärung: „Demnach liegt die nächstgelegene Mobilfunkstation hinter einem Wald und versorgt die Adresse deshalb auch nicht. Der Standort liegt offensichtlich sehr abgelegen von Wäldern umringt. Die Mobilfunkversorgung mit Sprache (GSM) und mobilem Internet (LTE) erfolgt über weiter entfernt stehende Standorte in Lünen.“ Außerdem schwanke die Netzabdeckung je nach Witterung und Jahreszeit - im Winter sollte sie besser sein als im Sommer, da die Vegetation die Funkwellen dämpfe.

Die Position der Funk-Masten in der Umgebung. Der Hof liegt beim W-Lan-Symbol rechts unterhalb der Nummer 11.

Die Position der Funk-Masten in der Umgebung. Der Hof liegt beim W-Lan-Symbol rechts unterhalb der Nummer 11. © Schulze Altcappenberg

Dass sich die Netzabdeckung in dem Gebiet verbessere, sei nicht absehbar. Vodafone müsste für den Bau eines neuen Sendemasten „eine Summe im deutlich sechsstelligen Bereich“ investieren. „In abseits gelegen Regionen sind wir schnell bei einer halben Millionen Euro und mehr (allein die Stromanbindung kostet in ländlichen Regionen rund 100.000 Euro pro Kilometer Stromtrasse, die neu gelegt werden muss). “

Vielleicht hilft eine Außenantenne am Haus?

Angesichts dieser und weiterer Kosten müsse ein Anbieter wie Vodafone genau prüfen „ob und unter welchen Voraussetzungen sich ein solcher Bau wirtschaftlich trägt“. Das Telefonieren übers W-Lan empfiehlt auch Petendorf. Ansonsten könnte der Einbau einer Außenantenne am Haus den Handyempfang zumindest innerhalb des Gebäudes verbessern.

Für Schulze Altcappenberg bleibt das also ein Ärgernis, auch, weil die moderne Landwirtschaft immer mehr auf stabile Mobilfunk-Verbindungen angewiesen ist. „Die sind absolut notwendig, um die bis auf 50 Zentimeter präzisen GPS-Signale zum Spurhalten von Traktoren über spezielle Programme auf maximal zwei Zentimeter Abweichung zu bringen“, sagt er.

Jetzt lesen

Falle die Verbindung nur kurz aus, mache die Maschine einen Versatzsprung, der Fahrer müsse schnell eingreifen. So komme es immer wieder zu ungewollten Kurven auf den Äckern, die sonst wirken, als seien die Reihen mit der Schnur gezogen.

Der Kunsthistoriker und Spät-Landwirt Schulze Altcappenberg wird wohl erstmal mit diesen Kurven leben müssen. Abhilfe bei der Internet-Leitung im Haus ist auch nicht in Sicht. Die Leitung liege seit vielen Jahrzehnten, verlaufe oberirdisch und quer über die Felder. Entsprechende Anfragen, ob die nicht besser unterirdisch verlegt werden sollten, blieben bisher unbeantwortet.

Lesen Sie jetzt