Sturmböen und Dauerregen: Karnevalsumzüge am Sonntag abgesagt - so geht es Rosenmontag weiter

Karneval in NRW

Schwarzer Sonntag für die Karnevalisten in NRW: Wegen schwerer Sturmböen fanden viele Karnevalszüge nicht statt, so auch in Köln und Düsseldorf. So geht es Rosenmontag weiter.

NRW

23.02.2020, 17:09 Uhr / Lesedauer: 3 min
Mützen und Kappen mussten die Karnevalisten auch im vergangenen Jahr gut festhalten. Sturm und Dauerregen ist 2020 vor allem am Sonntag eine Bedrohung für die Züge.

Mützen und Kappen mussten die Karnevalisten auch im vergangenen Jahr gut festhalten. Sturm und Dauerregen ist 2020 vor allem am Sonntag eine Bedrohung für die Züge. © picture alliance/dpa

Das Wetter meinte es am Sonntag (23.2.) nicht gut mit den Narren und Karnevalisten in Nordrhein-Westfalen. Nachdem am Samstag bereits erste Umzüge abgesagt wurden, zogen am Sonntag auch die Veranstalter in den Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf aufgrund von schweren Sturmböen und Dauerregen Konsequenzen.

Die gute Nachricht: Wenn am Rosenmontag die ganz großen Umzüge in den Karnevalshochburgen stattfinden, soll der Wind deutlich abflauen. „Von unserer Seite ist für morgen alles in Ordnung, alles im grünen Bereich, so dass wir - Stand jetzt - gar keine Änderungen vornehmen müssen“, sagte Holger Kirsch, Zugleiter des Kölner Rosenmontagszuges.

Auch in Düsseldorf rechneren die Veranstalter nicht mit Einschränkungen bei der Durchführung des Rosenmontagszuges.

Kölner Dom weint um die Opfer von Hanau

Im Kölner Karneval weint der Dom nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag von Hanau: Mit hängenden Turmspitzen und Tränen im Auge schicken die Kölner Jecken ihren Dom als Motivwagen in den Rosenmontagszug. Auf einem großen roten Herz, das der Dom in der Hand hält, steht: „uns Hätz schleiht för Hanau“ - unser Herz schlägt für Hanau. Der Wagen werde weit vorne im Zug fahren, sagte eine Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval am Montagmorgen.

Düsseldorfer zeigen Rassismus als Waffe

Der Düsseldorfer Rosenmontagszug stellt nach dem mutmaßlich rechtsextremistischen Anschlag von Hanau den Rassismus als Waffe dar. Der WDR fotografierte den bislang eigentlich geheim gehaltenen Wagen am frühen Montagmorgen an der Wagenhalle. Zu sehen darauf: Eine Pistole mit der Aufschrift „Rassismus“, die aus dem Mund eines Mannes mit hochrotem Kopf ragt. Auf seiner Wange steht: „Aus Worten werden Taten!“

An der Seite stellen die Jecken um Wagenbauer Jacques Tilly den Kontext zu rechtsextremen Taten her: „NSU, W. Lübcke, Halle, Hanau“. Die Düsseldorfer Jecken wollten ihre Mottowagen in diesem Jahr eigentlich bis zum letzten Moment geheim halten.

So wird das Wetter an Rosenmontag

Heute Vormittag sowie im weiteren Tagesverlauf ist es laut Deutschem Wetterdienst meist stark bewölkt, zeitweise regnet es. Längere trockene Abschnitte gibt es zunächst im Norden des Landes, ab dem Mittag auch im Süden. Dann aber sind auch wieder starke Windböen zu erwarten, die aber nur im Bergland und in der Eifel zu Sturmböen werden sollen. Die Temperaturen steigen auf bis zu 13 Grad.

Absagen trübten die Stimmung am Sonntag

Wegen des starken Windes sind am Sonntag die beliebten Schull- un Veedelszöch in Köln kurzfristig abgesagt worden. „Um alle Teilnehmenden und alle Jecken am Zugweg zu schützen, können die Zöch nicht stattfinden“, teilte die Stadt mit.

Ursprünglich hatten die Veranstalter in Köln gehofft, dem Wind zu entgehen. Die Schul- und Viertelsumzügen, wie sie auf Hochdeutsch heißen, waren daher um etwa eine halbe Stunde vorverlegt worden. Zudem sollte der Zugweg stark verkürzt werden. Rund 8000 Teilnehmer wollten sich auf die Strecke machen.

In Düsseldorf hatten die Veranstalter bereits das bei den Jecken beliebte Kö-Treiben am Sonntag in der Karnevalshochburg Düsseldorf abgesagt. Der Rosenmontagszug sei aber nicht gefährdet. Die Altstadt soll ab Sonntagnachmittag wieder geöffnet werden, berichtet die Rheinische Post. Die Stände auf der Königsallee blieben aber den kompletten Tag geschlossen.

Diese Züge wurden außerdem abgesagt

In Bochum-Wattenscheid haben die Veranstalter, der Festauschuss Wattenscheider Karneval (FWK), nach Beratung mit Rettungskräften und der Stadt am Sonntagvormittag entschieden, den Zug nicht stattfinden zu lassen. Er hätte um 14 Uhr starten sollen.

Auch der Zug in Gronau fällt aus. Das bestätigte der Vorsitzende des Bürgerausschusses, Ralf-Udo Blöding, am Sonntagmorgen den Westfälischen Nachrichten. In Stadtlohn fiel der Kinderkarnevalszug ins Wasser. Das gleiche glt für den Kinderkarnevalszug in Dorsten-Holsterhausen. Das geplante Programm findet in einer Gaststätte statt.

Abgesagt wurde der Tulpensonntagszug in Emmerich am Niederrhein, zu dem die Veranstalter 18.000 Menschen erwartet hatten. „Der Jeck in mir trauert. Aber bei derartigen Windböen ist es schlicht und einfach zu gefährlich, sich draußen aufzuhalten“, sagte Bürgermeister Peter Hinze.


Im Rheinland sind laut Rheinische Post auch die Veddelszüge in Gerresheim, Eller, Hassels/Reisholz, Niederkassel, Mörsenbroich und Unterbach von Absagen betroffen.

Absagen gab es laut WAZ (WAZ+) auch für Duisburg, Oberhausen, Alpen, Essen-Werden, Gladeck, Velbert, Sundern, Arnsberg, Xanten. In Gladbeck und Velbert finden die Partys danach aber totzdem statt.

Bereits am Freitag waren die Züge in Essen-Kettwig und in Salzkotten im Kreis Paderborn abgesagt worden. Die Wetterbedingungen seien zu schlecht, teilte der Kettwiger Karnevals-Club auf seiner Facebook-Seite mit. „Gefeiert wird aber trotzdem“, sagte der erste Vorsitzende Markus Bredenfeld. „Wir haben unsere After-Zug-Party auf 13.11 Uhr vorverlegt und auch schon entsprechend Getränke nachbestellt.“ Der Karnevalsverein Blau-Weiß in Salzkotten teilte auf seiner Internetseite mit, den Umzug möglicherweise im Frühjahr nachholen zu wollen.


Diese Züge fanden am Sonntag statt

  • In Voerde ist der Zug bereits am Sonntagvormittag gestartet. Dort startete der Zug laut WAZ etwas eher und lief kürzer. Die Jecken am Rand hatten trotz des Regens trotzdem Spaß.
  • Auch die Sauerländer in Olpe lassen sich vom schlechten Wetter am Tulpensonntag nicht schrecken. Der Zug startete um 11.11 Uhr wie geplant.
  • Die Narren in Menden stehen ihren Nachbarn in Olpe nicht nach. Dort hat die Karnevalsgesellschaft entschieden, dass der Zug wie geplant um 14 Uhr starten soll.
  • Auch in Aachen fand der Kinderumzug statt - allerdings verlief er kürzer.

mit dpa

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