Kapuziner zum Lockdown: „Vielen fällt es schwer, die Stille auszuhalten“

dzFreizeit-Tipps in Werne

Tristesse wegen des Lockdowns? Etwa, wenn man dadurch auf sich selbst zurückgeworfen ist? Das kann man als Chance begreifen, zu sich selbst zu finden. Meinen drei Männer aus Werne, die es wissen müssen.

Werne

, 19.11.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Sport, kein Kino, keine Kultur, kein Restaurant-Besuch. Und das in der ungemütlichen Jahreszeit, da die Außentemperaturen unangenehm sind und die die Sonne früh untergeht. Lockdown-Tristesse? Verzweiflung, weil man auf einmal auf sich zurückgeworfen ist?

„Das kann man auch als Chance begreifen“, sagt einer der drei Männer, die Erfahrung im Umgang mit der Zeit und mit den Gedanken über sich selbst haben. In unserer kleinen Serie zu Freizeit-Tipps im Lockdown bin ich zu Gast im Kapuzinerkloster in Werne. An einem großen Tisch mit reichlich Abstand zueinander sitze ich mit Guardian Pater Romuald (61), Pater Gisbert (81) und Pater Tobias (79).

Letzterer meint, dass es gar nicht so leicht sei, mit sich selbst klarzukommen: „Wenige beherrschen die Kunst, bei sich selbst zu sein. Die Stille auszuhalten.“ Sich selbst auszuhalten, mit sich im Frieden zu sein, sei eine Kunst.

Man sollte sich durch die vielen negativen Nachrichten nicht verunsichern, aus dem Gleichgewicht bringen lassen, meint Pater Gisbert: „Gelassenheit üben, Dinge hinnehmen. Ein Stück Gelassenheit erreichen, ein Stück reicht schon.“ Pater Romuald rät den Wernern, die Blickrichtung nach vorne einzunehmen. Die neue Situation sei „wie ein neues Treppengeländer, an dem man sich vorsichtig nach vorne hangelt.“ Dabei solle man das Alte loslassen, um Neues zu entdecken, nach vorne zu schauen.

Mal wieder ein Buch zur Hand nehmen

Und was bedeutet das praktisch? Pater Romuald meint: „Mal ein Buch zur Hand nehmen, das ich vielleicht immer schon mal lesen wollte. Oder auch einmal einen Abend in Stille verbringen.“ Es hat auch etwas mit der Haltung in der Krise zu tun, meint Pater Tobias. „Ich kann immer dagegen sein: gegen das Virus, gegen die Einschränkungen. Ich kann aber auch dafür sein. Für Gesundheit, für die Zukunft.“

In diesem positivem Sinne meint denn auch Pater Romuald: „Man kann diesen Lockdown-Light auch als geschenkte Zeit ansehen, die man nutzbringend verwendet“. Zum Beispiel für intensivere Gespräche in der Familie, Musik zu hören, zu lesen, ja, auch zu beten. „Ich fahre zum Beispiel mehr Fahrrad als sonst“, sagt Pater Gisbert. Da mache ihm das November-Wetter keinen Strich durch die Rechnung.

Geschichten erzählen - oder einen Witz

Wenn man nicht ganz alleine ist, könne man sich abends Geschichten erzählen. Von früher, oder aber auch aus dem praktischen, aktuellen Leben. „Oder“, sagt Pater Gisbert, „man kann auch mal einen Witz erzählen.“ Genau das tut dann Pater Tobias. Und alle vier, inklusive Reporter, brechen in Gelächter aus. So, als gäbe es gar keinen Lockdown light.

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