Jugendwerkstatt sucht nach Umzug nach Bergkamen weiter neue Räume in Lünen

dzSozialarbeit

Die Jugendwerkstatt ist Anfang Februar nach Bergkamen gezogen. Neue Räume in Lünen werden weiterhin gesucht. Auch, weil das Angebot von Bildung und Lernen sehr gefragt ist.

Lünen, Bergkamen

, 03.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Jugendwerkstatt in Lünen hat seit Anfang Februar ein neues Zuhause. Nachdem die jugendlichen Teilnehmer zusammen mit Fachanleitern und Sozialpädagogen aus dem Haus der AWO an der Bebelstraße in Lünen Süd ausziehen musste, wird jetzt in den Räumen der ehemaligen Albert-Schweizer-Schule am Westfalenweg gewerkelt, gekocht und kreativ gearbeitet.

Untergekommen sind die Jugendlichen dabei nicht in den alten Schulräumen, sondern im Verwaltungstrakt der Schule. Aus gutem Grund. „Unser Angebot soll so niederschwellig wie nötig sein“, sagt Thorsten Schmitz, Geschäftsführer der AWO Bildung und Lernen GmbH.

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Sprich, es soll möglichst wenig Klassenzimmerflair haben. „Heimelig, gemütlich und warm soll es wirken, also Hauscharakter haben“, so Peter Weidling, der als Sozialarbeiter die kreative Lernwerkstatt betreut.

Suche nach neuen Räumen in Lünen

So ganz ohne Schulcharme kommt das Verwaltungsgebäude der alten Schule zwar nicht aus, aber im Eingangsbereich begrüßen Kicker, Billardtisch und eine Sitzgruppe die Teilnehmer.

Gleichwohl läuft die Suche nach Räumen in Lünen weiter. Seit der Entscheidung 2015, dass die AWO, die Muttergesellschaft der eigenständigen Bildung und Lernen, die Villa an der Bebelstraße aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben wird, habe man für die Jugendwerkstatt nach neuen Räumen in Lünen gesucht. Gespräche, auch mit der Stadt, laufen.

Ohne Erfolg. „Es muss halt passen“, sagt Schmitz und bittet Vermieter, die potenziell passende Räume in Lünen anbieten könnten, sich zu melden. Kurz- bis mittelfristig wolle die Jugendwerkstatt auch wieder direkt auf Lüner Stadtgebiet vertreten sein.

Gemeinsam probieren die Teilnehmer im Bereich Hauswirtschaft und Gastronomie die selbstgemachten Waffeln mit heißen Kirschen und Schlagsahne.

Gemeinsam probieren die Teilnehmer im Bereich Hauswirtschaft und Gastronomie die selbst gemachten Waffeln mit heißen Kirschen und Schlagsahne. © Stachelhaus

Handicaps und fehlende Strukturen

Die Räume in Bergkamen könnten wohl zusätzlich erhalten bleiben. Denn auch in der Nachbarstadt ist das Angebot für Jugendliche mit Schwierigkeiten in Schule und beim Berufseinstieg gefragt. Für die Teilnehmer gibt es Wartelisten.

Primär besteht das Ziel für die Sozipädagogen und Fachanleiter der Jugendwerkstatt darin, zusammen mit den Jugendlichen eine neue Lebens- und Berufsperspektive zu erarbeiten. Das fange nicht erst bei der Bewerbung oder regelmäßigem Schulbesuch an, sondern schon beim Aufbau der Tagesstruktur.

Ein Beispiel, das aber nicht pauschalisiert werden sollte: „Wir haben hier Teilnehmer, die die ganze Nacht an der Playstation spielen und tagsüber dann schlafen“, sagt Marc Stommer, Fachbereichsleiter Arbeitsmarktdienstleistung (AMDL) und Projekte Reha bei der Bildung und Lernen.

Andere bräuchten einfach den Raum oder hätten mit Lernbehinderungen zu kämpfen. „Hier lernen sie ihre Handicaps zu akzeptieren und sich entsprechend zu orientieren“, sagt Andreas Ritter, der als Fachanleiter für Maler, Holz- und Metallarbeiten mit den Teilnehmer arbeitet.

Auch der Garten- und Landschaftsbau ist ein Bereich in der Jugendwerkstatt. Marc Stommer (l.) und Thorsten Schmitz (2.v.l) packen vor der neuen Einrichtung in Bergkamen mit an. Sonst leitet Grischa Wilmes (m.) die Tielnehmer der Jugendwerkstatt an.

Auch der Garten- und Landschaftsbau ist ein Bereich in der Jugendwerkstatt. Marc Stommer (l.) und Thorsten Schmitz (2.v.l) packen vor der neuen Einrichtung in Bergkamen mit an. Sonst leitet Grischa Wilmes (m.) die Teilnehmer der Jugendwerkstatt an. © Stachelhaus

Teilnehmer aus dem Bett klingeln

Ein geregelter Arbeits- oder Schulalltag ist so nicht denkbar. Deswegen geht es für die jungen Menschen zwischen 14 und 27 Jahren in der Jugendwerkstatt viel auch darum, Rituale dafür aufzubauen. Vom morgendlichen gemeinsamen Treffen um 8 Uhr, über die Arbeit in ihren jeweiligen Gruppen, weiter zum gemeinsamen Mittagessen, das es täglich pünktlich um 12 Uhr gibt.

Manche Teilnehmer müssen in der Anfangszeit morgens abgeholt, teilweise aus dem Bett geklingelt werden. Und das, obwohl sie die Jugendwerkstatt freiwillig besuchen. „Die wollen das unbedingt“, sagt Weidling. Dafür sprechen die Wartelisten.

Start in geregeltes Berufsleben

Auf der Bildungsseite stehen den Jugendlichen unter anderem der Bereich Garten- und Landschaftsbau, die kreative Lernwerkstatt mit Medien- und Kunstprojekten oder auch der Bereich Hauswirtschaft und Gastronomie zur Auswahl, genau wie Einblicke in weitere handwerkliche Berufe.

Eine Perspektive sind Praktika, Schulabschlüsse und der Einstieg in ein geregeltes Berufsleben.

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