Insolvenz-Antrag bei Hundhausen: Sorge um Werksrenten und Sterbekasse

dzAufregung nach Brief

Es ist ein Lohn für jahrelange harte Arbeit. Per Werksrente wird ehemaligen Hundhausen-Mitarbeitern die normale Rente aufgebessert. Jetzt erhielten sie einen Brief, der für Aufregung sorgt.

Schwerte

, 26.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In Aufregung sind jetzt auch die Werksrentner von Hundhausen, nachdem für die Gießerei im Mai ein Insolvenzantrag gestellt worden war. Während die knapp 500 Beschäftigten der Gießerei schon seit Monaten um ihre Arbeitsplätze bangen, sorgt ein aktuelles Schreiben für Sorgenfalten bei ihren ehemaligen Kollegen, die oft jahrzehntelang für den Betrieb geschuftet hatten. Es geht um die Werksrente, die sie - wie früher in vielen Unternehmen der Metallbranche üblich - zur Aufbesserung der gesetzlichen Rente erhalten.

„Viele haben den Hunderter verplant“

Meist ist damit kein Reichtum zu machen, aber es hilft auch manchen, über die Runden zu kommen. „Ich weiß von vielen, die den Hunderter verplant haben“, sagt die ehemalige Vorstands-Sekretärin Ursula Lider (81). Deshalb kann sie gut verstehen, warum sie derzeit von ihren Ex-Kollegen „von allen Seiten bombardiert“ wird.

Sie verstehen den Brief nicht, den sie selbst auch am Dienstag bekommen hat. Darin werde mitgeteilt, dass wegen des Hundhausen-Insolvenzantrages ab August die Werksrente nicht mehr wie bisher von ThyssenKrupp gezahlt werden könne. Zu diesem Konzern hatte Hundhausen gehört, bevor die Gießerei zum 1. April 2000 an die Georgsmarienhütte Holding verkauft worden war.

Für die Firma Hundhausen hinter dem Schwerter Bahnhof ist im Mai ein Insolvenzverfahren beantragt worden.

Für die Firma Hundhausen hinter dem Schwerter Bahnhof ist im Mai ein Insolvenzverfahren beantragt worden. © Reinhard Schmitz


Die regelmäßige Einzahlung in die Werksrentenkasse habe sogar schon früher geendet, erinnert sich Ursula Lider: „Eingezahlt wurde nur bis zur Übernahme von Hoesch.“ In dessen Besitz war die Walter Hundhausen GmbH & Co. KG zum 1. Januar 1989 übergegangen. Wer danach in den Betrieb eintrat, habe keinen Anspruch auf eine Werksrente mehr erworben.

Betriebsrat: Pensionssicherungsverein springt ein

„Ich gehe davon aus, dass die Werksrente nicht weg ist“, hofft Ursula Lider auch im Sinne ihrer ehemaligen Kollegen, deren schwere Arbeit sie bei Terminen in der stickigen Luft der damaligen Fabrikhallen zu bewundern gelernt hatte: „Das ist ein hartes Brot.“ Und dafür soll es auch weiterhin Werksrente geben, wie Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk beruhigen kann.

Die Leistungen für die Anspruchsberechtigten würden vom Pensionssicherungsverein (PSV) in Köln abgedeckt. Als Selbsthilfeeinrichtung der deutschen Wirtschaft dient dieser zum Schutz der betrieblichen Altersversorgung, wenn ein Arbeitgeber in Insolvenz gerät. Der PSV war auch schon bei den Werksrenten bei Hoesch Schwerter Profile eingesprungen.

Was ist mit der Sterbeversicherung?

Bei Hundhausen gibt es noch eine weitere finanzielle Besonderheit, deren Zukunft den Mitarbeitern ebenfalls ein großes Fragezeichen ins Gesicht schreibt. „Was ist mit der Sterbeversicherung?“, möchte Ursula Lider auch gern wissen. Die Beiträge seien doch immer von der Rente abgezogen worden.

Zuletzt keine Abbuchung wegen Insolvenzgeldes

„Die Sterbekasse ist eine eigenständige finanzielle Einheit, die vom Betriebsrat verwaltet wird“, kann Betriebsrats-Vorsitzender Reinhard Pilk erneut beruhigen. Sie sei von der Insolvenz nicht betroffen. Dass der monatliche Beitrag von drei Euro zuletzt nicht wie üblich vom Entgelt der Kollegen einbehalten wurde, habe einen besonderen Grund, wie er erläutert.

Die vergangenen drei Monate hatte die Arbeitsagentur die Löhne und Gehälter der Hundhausen-Belegschaft über das Insolvenzgeld bezahlt. Um davon die Sterbekassen-Rate abzuziehen, hätte für jeden einzelnen Mitarbeiter eine neue Einzugsermächtigung eingeholt werden müssen: „Das wäre ein zu hoher Verwaltungsaufwand gewesen.“

Jetzt lesen

Ab August, wenn die Phase des Insolvenzgeldes abgelaufen ist, gehe alles wieder normal weiter wie zuvor, erklärt Reinhard Pilk: „Man muss sich überhaupt keine Sorgen machen.“ Die 770 Euro Unterstützung bei einem Sterbefall könnten dann wieder wie gewohnt ausgezahlt werden. Außerdem gebe es weitere Leisterungen wie Krankenhaustagegeld und Rehaleistungen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Covid-19-Infektionen
Corona im Marienkrankenhaus Schwerte: Was heißt das für OPs und Besucher?