Verbände warnen von Atomlager Würgassen: „toxische Stoffe“

In Würgassen im östlichen NRW soll ein Lager für atomare Abfälle aus ganz Deutschland entstehen. Initiativen warnten am Freitag vor dem hohen Gesundheitsrisiko.

13.03.2020, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrere Initiativen haben vor dem geplanten Lager für radioaktive Abfälle in Würgassen als massives Gesundheitsrisiko gewarnt. „Darunter werden sich stark kontaminierte Bauteile sowie toxische Stoffe wie Arsen und Quecksilber befinden“, sagte Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ bei einer Pressekonferenz mit weiteren Verbänden am Freitag im Dreiländereck von NRW, Niedersachsen und Hessen. Der Müll werde mutmaßlich nicht so sicher verpackt werden wie stark strahlender Abfall. Dadurch sei am Ende eine ebenso hohe Strahlung zu erwarten.

Die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) will auf dem Gelände des früheren AKW Würgassen ein „Logistikzentrum“ errichten. Dort sollen schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus ganz Deutschland gesammelt und so zusammengestellt werden, dass man sie laut BGZ schnellstmöglich ins Endlager Konrad nach Salzgitter bringen kann. Dort entsteht gerade Deutschlands erstes atomrechtlich genehmigtes Endlager.

Auch die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und die „Bürgerinitiative gegen atomaren Dreck in dem Dreiländereck“ kritisierten ein intransparentes Verfahren bei der Standortwahl. Das Gelände sei völlig ungeeignet, weil es zu nahe an Wohnhäusern liege und zudem Hochwassergefahr bestehe. Die BGZ plane nur deshalb kein Zwischenlager direkt am Schacht Konrad, weil das zu einer neuerlichen Prüfung der bestehenden Genehmigung des Lagers führen werde. Dieses Betriebsgenehmigung sei 23 Jahre alt, es drohe nach aktuellen Richtlinien das Aus für Schacht Konrad.

Stay sagte, komme das Lager in Würgassen, bedeute das eine Verdopplung der Atommüll-Transporte durch den An- und Abtransport der Abfälle. „Es ist der verzweifelte Versuch Schacht Konrad zu retten. Und der Preis dafür ist die doppelte Menge Atommüll.“

Die BZG hatte vor einer Woche mitgeteilt, man strebe ein 325 Meter langes, 125 Meter breites und 16 Meter hohes Gebäude aus Stahlbeton als Logistikzentrum an. Die Errichtung solle mit der Inbetriebnahme des Endlagers Konrad im Jahr 2027 abgeschlossen sein. Die erforderlichen Genehmigungsverfahren habe man noch nicht eingeleitet. Die radioaktiven Abfälle stammen nach Angaben der Gesellschaft aus Betrieb, Stilllegung und Rückbau von Atomkraftwerken sowie aus den Bereichen Medizin, Forschung und Gewerbe. Hochradioaktive Abfälle wie abgebrannte Brennelemente sollten dort nicht gelagert werden.

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