In NRW-Gesundheitsämtern fehlen Ärzte: „Sind handlungsfähig“

In den Gesundheitsämtern der Städte und Kreise in Nordrhein-Westfalen fehlen Ärzte - nicht erst seit sich der neuartige Coronavirus ausbreitet. „Der Personalmangel in den Gesundheitsämtern ist ein bundesweites Problem“, sagte am Montag die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert.

02.03.2020, 15:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wie viele Stellen für Ärzte in den NRW-Gesundheitsämtern unbesetzt sind, ist unklar. Dazu würden keine Daten erhoben, sagte Teichert. Nach einer Umfrage des WDR-Magazins Westpol fehlen in zwei Drittel der NRW-Gesundheitsämter Ärzte. Beispielsweise in Wuppertal: Dort gibt es derzeit 12,5 Ärztestellen, wie ein Sprecher der Stadt berichtete. Zweieinhalb weitere Stellen seien ausgeschrieben. Es sei aber bisher niemand dafür gefunden worden.

„Auch wenn es derzeit freie Arztstellen gibt, sind die Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen handlungsfähig“, betonte der Geschäftsführer des Städtetages Nordrhein-Westfalen, Helmut Dedy. Die Städte wollten aber mehr angehende Mediziner für die vielfältigen Aufgaben im öffentlichen Gesundheitsdienst gewinnen. Deshalb sei es gut, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekündigt habe, den öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken. „Ein wichtiger Schritt wäre, dass angehende Ärzte ihr Praktisches Jahr auch in Gesundheitsämtern absolvieren können“, sagte Dedy.

Auch der NRW-Landkreistag berichtet über Personalmangel in den Gesundheitsämtern. Es gebe „in der Tat unbesetzte Stellen in den Kreisgesundheitsämtern“, bestätigte eine Sprecherin. „Der generelle Fachkräftemangel betrifft auch den öffentlichen Gesundheitsdienst.“ Die Gesundheitsämter sind Aufsichtsbehörden und können unter anderem Quarantänemaßnahmen anordnen.

„Für Ärzte ist die Arbeit in einem Gesundheitsamt wenig attraktiv“, nannte die Verbandsvorsitzende Teichert den aus ihrer Sicht entscheidenden Grund für den Ärztemangel im öffentlichen Gesundheitsdienst. Dort verdiene ein Mediziner „bis zu 1500 Euro im Monat weniger als ein Arzt im Krankenhaus“. Auch deshalb habe sich dort der Ärztemangel verschärft. Der Verband schätzt, dass in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern um ein Drittel zurückgegangen ist.

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