IG BAU warnt vor Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt

Coronavirus

Der Baubranche geht es im Vergleich zu anderen noch relativ gut. Während der Corona-Krise sind die Ausbildungszahlen dennoch zurückgegangen. Vor allem bestimmte Fachleute fehlen.

Berlin

29.10.2020, 07:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Zahl der Ausbildungen in der Baubranche ist seit Beginn der Corona-Krise zurückgegangen.

Die Zahl der Ausbildungen in der Baubranche ist seit Beginn der Corona-Krise zurückgegangen. © picture alliance/dpa

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt warnt vor einem Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt durch die Corona-Krise – selbst in der vergleichsweise gut dastehenden Bauwirtschaft. „Immer mehr Firmen fahren die Ausbildung wegen unsicherer wirtschaftlicher Perspektiven drastisch zurück“, sagte IG BAU-Chef Robert Feiger dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die Pandemie dürfte deshalb den ohnehin eklatanten Fachkräftemangel insbesondere auch im Handwerk weiter verschärfen“, setzte er hinzu.

Feidler verwies auch auf konkrete Rückgänge bei den Ausbildungszahlen. Nach vorläufigen Angaben der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU) ist die Zahl der Jugendlichen, die bis zum 30. September eine Ausbildung begonnen haben, um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen, wie die IG BAU berichtet. Im Hochbau lag das Minus demnach sogar bei knapp elf Prozent.

Diese Fachleute fehlen

„Schon vor Corona haben viele Betriebe die Berufsausbildung schleifen lassen. Seit Jahren sinkt die Ausbildungsquote. In der jetzigen Krisensituation rächt sich das“, kritisierte Feiger. Die Bauwirtschaft stehe im Branchenvergleich noch „relativ solide“ da, sagte er. Allerdings herrsche schon seit langem ein großer Mangel an Fachkräften. Getrieben durch den Bau-Boom würden zum Beispiel Maurer und Zimmerleute vielerorts händeringend gesucht, dasselbe gelte für Gleisbauer.

„Eine Nachwuchs-Krise kann sich unsere Volkswirtschaft nicht leisten“, sagte der Vorsitzende der IG BAU. „Auch wenn viele Firmen jetzt große Einbußen zu verkraften haben, wäre ein Sparen an den Azubis ein Sparen am falschen Ende. Wir können uns keinen Corona-Verlierer-Jahrgang erlauben“.

Bund, Länder und Kommunen könnten mit öffentlichen Investitionen einen Beitrag dazu leisten, dass die Ausbildungstätigkeit keinen zu großen Schaden nehme. „Wichtige Zukunftsinvestitionen etwa ins Schienennetz, in Kitas, Krankenhäuser und Radwege dürfen Corona nicht zum Opfer fallen. Der Verschleiß der öffentlichen Infrastruktur kommt die nächste Generation teuer zu stehen“, argumentierte Feiger zudem.

Der IG BAU-Vorsitzende verwies auf zusätzliche Probleme für diejenigen, die ganz am Anfang ihres Berufslebens stehen. Firmen böten in der Pandemie nicht nur weniger Ausbildungsplätze an – „auch Praktika für Schüler sind aktuell kaum zu bekommen“. Darüber hinaus beklagte Feiger, dass an den Schulen die Berufsorientierung faktisch derzeit kaum noch stattfinde. Das sei zum Nachteil der gesamten dualen Ausbildung, die ohnehin vom Trend zum Studium negativ betroffen sei.

RND

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