Damit Hummeln und Bienen weiter fröhlich summen - so kann jeder helfen

dzHummeln und Bienen

Aufgrund des Insekten-Sterbens beschließen immer mehr Menschen Hummel- und Bienenvölker anzusiedeln. Doch wann macht das wirklich Sinn, was muss beachtet werden? Oder gibt es effektivere Hilfe?

von Mona Wellershoff, Carina Strauß

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 01.04.2020, 15:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geschäftiges Summen und fleißige Umherfliegen, das sollen auch in diesem Jahr möglichst viele Hummeln und Bienen, denn die kleinen Insekten sorgen nicht nur für leckeren Honig, sondern leisten durch die Bestäubung der Pflanzen auch einen unersetzbaren Dienst für unser Ökosystem.

Trotz ihrer immensen Bedeutung sind allerdings viele Arten, insbesondere Wildbienen, zu denen auch Hummeln gehören, stark bedroht, verrät Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund: „Von circa 560 in Deutschland registrierten Arten, stehen bereits die Hälfte auf der Roten Liste der bedrohten Tiere.“

„Imker als Modeerscheinung“ - wie sinnvoll ist das?

Auch aus diesen Gründen steckt Erwin Grünebaum aus Capelle momentan wieder mitten in den Vorbereitungen für die neue Honig-Saison. „Das schöne Wetter jetzt kann man sehr gut nutzen um die Bienenstöcke zu säubern“, erzählt der Imker.

Ein Beispiel, dem in den letzten Jahren immer mehr Menschen folgen, wie Wulf-Ingo Lau, Berater für Imker beim Institut für Bienenkunde Celle weiß: „ Es ist eine regelrechte Modeerscheinung geworden, mit der Bienenhaltung anzufangen. Dabei unterschätzen das viele.

Bienenhaltung ist nichts, was man mal kurz nebenbei in einem Jahr lernt. Imker beispielsweise durchlaufen eine dreijährige Ausbildung.

Viele Neuanfänger haben ihr Wissen nur von diversen Videos im Internet. Das reicht aber bei Weitem nicht.

Wer ernsthaft mit der Bienenhaltung anfangen will, ist besser beraten, sich bei Schnupperkursen anzumelden und in Imker-Verbänden nach Hilfe zu fragen.“

Auch könne man beim bloßen Ansiedeln oder bei einer Zucht von Hummel- oder Bienenvölkern laut Lau nicht von Naturschutz per se reden: „Die Bienen werden in Fabriken aufgezogen und an Leute verschickt, die sie zu Bestäubungszwecken brauchen, zum Beispiel in großen Gewächshäusern. Diese Haltung im großen Stil ist fragwürdig.“

Viele Maßnahmen tragen zur Unterstützung der fleißigen Bestäuber bei

Was also tun, um tatsächlich zu helfen?

„Niemand muss Imker werden, um den Bienen zu helfen“, stellt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund klar, „Die Gefährdung entsteht insbesondere durch fehlende Nisthabitate, fehlende Nahrung und dem Einsatz von chemischem Pflanzenschutz.

Es ist daher wichtig, im Ansiedlungsbereich etwas für die wichtigen Bestäuber zu tun. Dazu gehört: Die Duldung und die gezielte Anpflanzung von heimischen Wildpflanzen und bienenfreundlichen, also besonders nektar- und pollenreichen Pflanzen und Saat-Mischungen.

Auch das Anlegen eine artenreiche Blumen- und Kräuterwiese und die Schaffung von Nistplatz-Angeboten, wie Insektenhotels, ist empfehlenswert.“

Die beiden Vorsitzenden Axel Ellertmann vom Hegering Olfen (links) und Claus Bunte vom Anglerverein Olfen (rechts) präsentieren stolz ihr Insektenhotel.

Die beiden Vorsitzenden Axel Ellertmann vom Hegering Olfen (links) und Claus Bunte vom Anglerverein Olfen (rechts) präsentieren stolz ihr Insektenhotel. © Hegering Olfen

Außerdem solle man laut Friedrich auf chemischen Pflanzenschutz gänzlich verzichten, blühende Hecken für Grundstücksbegrenzungen nutzen und auf ein durchgängiges Blütenangebot vom Frühling bis zum Herbst achten.

Auch Erwin Grünebaum rate vom Kauf von Hummelvölker aus dem Internet ab: „Das ist für die Privatperson nichts. Dort haben die Völker einfach zu wenig zu bestäuben.“

Wenn Privatleute dennoch gerne Hummeln in ihrem Garten haben möchten, dann sei jetzt die richtige Zeit um aktiv zu werden, sagt Erwin Grünebaum. „Derzeit fliegen die Hummelköniginnen aus, um sich Nester zu suchen“, so der Imker. Das könnten zum Beispiel Mauselöcher sein.

„Wer möchte, kann den Hummelköniginnen eine Art Vogelkasten zur Verfügung stellen und mit Holzwolle füllen. Das Loch darf natürlich nicht so groß sein, dass ein Vogel dadurch passt. Höchstens circa 10 Millimeter.“ Das sei aber natürlich keine Garantie dafür, dass sich auch Hummeln ansiedeln.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Betrugsprozess in Dortmund
Selmer Gastro-Großhändler kennt vor Gericht seinen Lebenslauf nicht mehr