Björn Höcke: Lünens mittlerweile wohl berühmtester Sohn der Stadt

Eine Glosse

In Thüringen hat er gerade seinen letzten Coup gelandet. AfD-Politiker Björn Höcke. Viel wird berichtet über ihn, seit Jahren. Nur selten im Fokus: Seine Wurzeln in Lünen.

Lünen

, 07.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thüringens AfD-Fraktionsvorsitzender Björn Höcke mit einer Handbewegung, die wahrscheinlich nur zufällig Erinnerungen an vergangene Zeiten weckt.

Thüringens AfD-Fraktionsvorsitzender Björn Höcke mit einer Handbewegung, die wahrscheinlich nur zufällig Erinnerungen an vergangene Zeiten weckt. © picture alliance/dpa

Da sind sie, die berühmten Söhne und Töchter der Stadt, der Stolz Lünens. Max Raabe, berühmter Sänger, Timo Konietzka, BVB-Legende, Heinrich Bußmann, Widerstandskämpfer gegen die Nazis, Björn Höcke, Widerstandskämpfer gegen die Demokr... – halt! Björn Höcke?

Jawoll! Björn Höcke, beurlaubter Gymnasiallehrer, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, berüchtigte Speerspitze des rechtsextremen „Flügels“ der Partei - und, gerichtlich bestätigt, Faschist.

Endlich sagt es mal einer!

Mit einer Deutschlandfahne auf Jauchs Talkshow-Stuhl machte er sich einst der Nation bekannt. Seine Reden von „1000 Jahren Deutschland“, dem Berliner „Denkmal der Schande“, von Volksverderbern, Heimatlosigkeit, mannhafter Wehrhaftigkeit, wehrhafter Mannhaftigkeit, Endsieg, Bevölkerungsaustausch und Umerziehung treiben den Nazis im Lande vor Erregung den Speichel auf die Lippen. Endlich sagt es mal einer!

Mit der Wahl des Thüringer FDP-Ministerpräsidenten Kemmerich ist Höcke, so lautet die allgemeine Deutung, mal wieder ein großer Coup gelungen. Alle verlieren, die AfD gewinnt.

Höckes behütete Kindheit in Lünen

Immer wieder ist Höcke Gegenstand von Berichterstattung, nur selten ist dabei seine frühe Kindheit ein Thema. Dabei ist die, vor allem für Lüner, interessant. Denn Höcke ist immerhin hier geboren, 1972 war das. Viel bekannt ist darüber nicht.

Warum? Danach haben wir ihn schon 2016 selbst gefragt, als Höcke Nazi-technisch gerade erst so richtig in Fahrt kam. Wieso gerade in Lünen, wo überhaupt, wie lang, gibt’s noch Erinnerungen? All das stand in der Mail an die Pressestelle der AfD im Thüringer Landtag. Und die hat geantwortet – Lügenpresse hin oder her.

Nach dem Krieg, lässt Höcke durch eine Sprecherin ausrichten, hätten seine Großeltern – „vertrieben aus Ostpreußen“ – sich in Lünen eine neue Existenz aufgebaut. Hach, die Vertreibung. Immer wieder betont er das. In seinem Klassenraum in Hessen, wo er später unterrichtete, soll eine Karte gehangen haben, die weit nach Osteuropa reichte – die geliebten Wurzeln.

In den Ferien zu Gast beim Gärtner in Horstmar

Zurück in den Westen: Höckes Vater Wolfgang habe in Dortmund und Osnabrück studiert, sagt Björn, von vielen mittlerweile Bernd genannt, 1975 dann eine Stelle in Neuwied am Rhein angetreten. Das besiegelte den Weggang aus Lünen, da war Höcke gerade drei Jahre alt. Immerhin erinnert er sich noch an die Lippestadt: „Meine Großeltern lebten in Lünen-Horstmar, wo sie eine Gärtnerei hatten. In den Ferien war ich dort als Kind regelmäßig zu Besuch.“

Einem regionalen Fernsehsender hat er mal gesagt, dass er selbst einst Gärtner werden wollte. Nun denn, die Besuche auf den Höckeschen Höfen endeten Mitte der 80er-Jahre, als auch die Großeltern die Stadt verließen. Der Rest ist bekannt. Populismus statt Petunie, Propaganda statt Primeln, Braunzeug statt Grünzeug. Heinrich Bußmann würde sich im Grabe umdrehen.

Dieser Text ist in abgewandelter Form 2016 schon einmal in der Printausgabe der Ruhr Nachrichten erschienen.

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