Hochzeiten in Selm, Olfen und Nordkirchen am 29. Februar: Aberglaube zum Schalttag

dzSchaltjahr 2020

Der 29. Februar ist eigentlich kein beliebter Tag zum Heiraten. Woher stammt der schlechte Ruf des Tages? Und: Traut sich trotzdem jemand in Selm, Olfen und Nordkirchen?

Selm, Olfen, Nordkirchen

, 28.02.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Idee könnte auf einige verlockend wirken - auf andere wiederum so gar nicht: Wer am Schalttag heiratet, hat nur alle vier Jahre Hochzeitstag. Alle die, die sich am 29. Februar trauen lassen, haben also im Laufe ihrer Ehe weniger Anlässe, den tatsächlichen Jahrestag ihrer Eheschließung zu feiern. Allerdings sinkt so auch die Gefahr, den wichtigen Tag zu vergessen.

Eine Abwägungssache.

Zumindest ein Paar aus Selm hat der 29. Februar als Hochzeitstermin überzeugt: Sie geben sich 2020 am Schalttag das Ja-Wort. In Olfen heiratet ebenfalls ein Pärchen, in Nordkirchen tun das sogar drei. „Im Januar und Februar haben wir nie mehr als zwei bis drei Trauungen, deswegen ist das am 29. Februar recht viel“, sagt die Nordkirchener Standesbeamtin Rita Schlingmeier auf Anfrage der Redaktion.

Aberglauben zum Schalttag

Dabei gilt der Schalttag, der dieses Jahr auf einen Samstag fällt, gemeinhin eigentlich nicht als beliebtes Hochzeitsdatum. Das hat mit einem alten Aberglauben zu tun: Schaltjahre seien Unglücksjahre. Kinder, die an diesem Tag zur Welt kommen, würden von Geistern heimgesucht, hieß es im Volksglauben. Eine Bauernregel besagt, dass Schaltjahre „Kaltjahre“ seien, in denen nichts wachse. Man sollte, so der Aberglaube, am Schalttag kein Haus kaufen oder andere große Unternehmungen angehen. So wie heiraten zum Beispiel.

Warum haftet so ein schlechter Ruf am 29. Februar?

Der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Horst Junginger von der Uni Leipzig sagt, das liege an einem historischen Zufall. „Das Abweichen vom Normalen“ sei der Grund, warum sich im Volksglauben der schlechte Ruf des 29. Februar verbreitet habe.

Es heißt, dass sich der schlechte Ruf des Schalttages schon zur Zeit der Alten Römer ergeben hat - als der julianische Kalender, der das Schaltjahr alle vier Jahre vorsieht, gerade eingeführt war. Weil die Erde 365 und das Viertel eines Tages für den Lauf um die Sonne braucht, ist der Schalttag nötig, damit sich die Jahreszeiten im Laufe der Jahrhunderte nicht verschieben. Nach 350 Jahren ohne Schaltjahre wäre so zum Beispiel im Dezember Frühlingsanfang.

Marotten und Regeln des Volksglaubens

Den Begriff Aberglaube an sich, so Horst Junginger, müsse man allerdings auch ein bisschen problematisieren. Die gebildeten katholischen Priester betitelten früher das als Aberglaube, was ihrer Ansicht nach falscher Glaube war. Und belächelten Marotten und Regeln des Volksglaubes so als dümmliche Frömmigkeit. Aus wissenschaftlicher Sicht, so sagt er weiter, gebe es natürlich keinen Maßstab dafür, was nun richtiger und was falscher Glauben sei.

Geschichten wie zum Freitag dem 13. beispielsweise oder zum Schalttag hätten dabei keine reale Bedeutung. „Aber eine psychologische“, so Horst Junginger. Und die kann Wirkung zeigen. Wenn viele Menschen eine Sache glauben und davon überzeugt sind, dann könne das auch große Konsequenzen haben, sagt er und nennt den Glauben an Hexen und die Hexenprozesse als Beispiel.

Aberglaube hat immer weniger Bedeutung

Im Laufe der Jahrhunderte, so erklärt der Religionswissenschaftler, hat die Wirkungskraft von Aberglauben wie dem zum Schalttag an Stärke eingebüßt. „Wenn die Bedeutung der Religion nachlässt, dann verliert auch der Aberglaube an Bedeutung“, sagt Horst Junginger. „Das ist ein Effekt der Säkularisierung.“

Wenn nicht immer wieder Berichte über den Aberglauben zum Schalttag veröffentlicht würden, so sagt es Horst Junginger, würden vielleicht auch viel weniger Menschen heute überhaupt noch davon wissen.

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