Hausärzte verärgert: „Corona-Tests in der Praxis sind riesige Herausforderung“

dzHausärzte in Werne

Reiserückkehrer, Erzieherinnen und Lehrer - sie alle können sich nun bei Hausärzten auf das Coronavirus testen lassen. Das bedeutet für Werner Ärzte einen riesigen Aufwand und hohe Kosten.

Werne

, 14.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit dem 1. August dürfen sich Urlauber kostenlos bei Hausärzten auf das Coronavirus testen lassen. Bei denjenigen, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkommen, ist ein Test seit dem 8. August sogar Pflicht. Zudem wird Erzieherinnen und Lehrern empfohlen, sich alle zwei Wochen auf Covid 19 testen zu lassen. Das stellt die Hausärzte in Werne vor riesige Herausforderungen.

„Das ist mit sehr, sehr viel Aufwand verbunden. Man braucht etwa 15 Minuten pro Patient - mit der Datenerhebung, dem Ausfüllen der Dokumente zur Datenschutzerklärung und dem Abstrich an sich“, erklärt der Allgemeinmediziner Dr. Christian Ruhnau (56).

Mehr Corona-Tests in Werner Praxen zu erwarten

Die Dokumente müssten dabei händisch ausgefüllt werden, weil noch keine EDV-Formulare vorliegen würden. Bislang hätten sich zwar erst vereinzelt Bürger in der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis von Dr. Ruhnau und Dr. Hans Piepenbrock gemeldet, um einen Corona-Test durchführen zu lassen.

Mit dem Start des neuen Schul- und Kitajahres rechnet Ruhnau allerdings mit steigenden Testungen. „Da kommt möglicherweise sehr viel auf uns zu“, befürchtet der Mediziner.

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Denn auch Erzieherinnen und Lehrer sollten sich alle 14 Tage auf Covid 19 testen lassen, so die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums, die auch die Verantwortlichen in Werne begrüßen. Dass dies hingegen nicht nur für Personal aus Krankenhäusern und Altenheimen gilt, könne er nicht nachvollziehen, so Ruhnau weiter.

Finanzieller Zuschuss fällt zu gering aus

Reiserückkehrer habe er bislang noch nicht für Corona-Tests in der Praxis gehabt. Ihnen rät er auch ausdrücklich, sich gleich am Flughafen überprüfen zu lassen. Dass für die Urlauber, die aus Risikogebieten nach Deutschland einreisen, der Test ebenso kostenlos ist, kann der 56-Jährige nicht nachvollziehen.

Denn die 15 Euro, die die Ärzte pro Corona-Test von der Bundesregierung bekommen, würden bei Weitem nicht ausreichen, um den immensen Aufwand zu kompensieren.

Dr. Hans Piepenbrock, Sprecher der Ärzte in Werne, erzählt von den bisherigen Erfahrungen mit Corona-Tests in den Werner Arztpraxen.

Dr. Hans Piepenbrock, Sprecher der Ärzte in Werne, erzählt von den bisherigen Erfahrungen mit Corona-Tests in den Werner Arztpraxen. © Karolin Mersch (A)

„Rein betriebswirtschaftlich rechnet sich das überhaupt nicht. Der Abstrich dauert vielleicht zwei Sekunden. Doch dann geht es ja auch um das Ausfüllen und Wegschicken der Dokumente. Beraten sollen wir auch noch, weil die Patienten viele Fragen haben. Das alles kostet Zeit. Mit 15 Euro ist das bei Weitem nicht ausgeglichen“, sagt auch Dr. Hans Piepenbrock, der Sprecher der Ärzte in Werne ist.

Corona-Tests finden zusätzlich im Praxis-Alltag statt

Die Tests auf das Coronavirus müssen darüber hinaus neben der normalen Versorgung der Patienten erfolgen. Bislang habe man das in der Praxis mit den vier Mitarbeiterinnen bewerkstelligen können. Den Abstrich für den Test an sich übernehmen dabei die beiden Ärzte selbst.

Damit die Versorgung der Patienten darunter nicht leidet, schließt Ruhnau auch nicht aus, Anfragen für Corona-Tests abzulehnen. Wenn deutlich mehr Tests hinzukommen, müsse er Patienten, die von anderen Ärzten in die Gemeinschaftspraxis kommen, abweisen.

Dr. Christian Ruhnau befürchtet, dass die Tests auf Covid 19 in den Arztpraxen in Werne nun zunehmen werden.

Dr. Christian Ruhnau befürchtet, dass die Tests auf Covid 19 in den Arztpraxen in Werne nun zunehmen könnten. © Jörg Heckenkamp

„Von der Obrigkeit aufs Auge gedrückt“

Die Regelung der Regierung, „die man den Hausärzten einfach so übergestülpt hat“ (O-Ton Ruhnau), stellt die Hausärzte vor allem jetzt nach den Ferien und vor dem normalen Schul- und Kitabetrieb vor große Herausforderungen. Auch wenn die Anzahl der Tests in den Praxen bislang noch zu händeln war, sehen die Hausärzte die Regelung äußerst kritisch an, wie Sprecher Dr. Hans Piepenbrock sagt. „Das ist etwas, was uns von der Obrigkeit aufs Auge gedrückt worden ist. Doch wir können uns nicht davor drücken, weil wir den Patienten gegenüber in der Verantwortung stehen.“

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