Hantel geworfen? Jugendgericht stellt Verfahren gegen Auflagen ein

dzAmtsgericht Lünen

Der Anlass war nichtig, der Zorn einer jungen Lünerin indes übermächtig – und das bekam eine Bekannte auf schmerzhafte Weise zu spüren. Die 21-Jährige prügelte auf ihr Opfer ein und trat zu.

von Sylvia Mönnig

Lünen

, 20.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lange Zeit war die Lünerin obdachlos. Einige ihrer Habseligkeiten hatte sie bei einer Freundin „bunkern“ können. Am Abend des 26. Januar 2019 benötigte sie die Sachen, rief die Freundin an und erhielt die Antwort, dass die zwar nicht zuhause sei, dafür jedoch eine Bekannte.

Also rief sie diese Bekannte an – und stieß unerwartet auf Widerstand. Das schürte ihre Wut, und eine leichte Alkoholisierung tat ihr Übriges. Sie machte sich auf den Weg, klingelte - und kaum hatte die junge Frau die Tür geöffnet, da hagelte es die ersten Fausthiebe gegen Kopf und Brust. Hinzu kam ein Tritt gegen das Bein. Folgen waren ein Hämatom im Bereich der Wange und Schmerzen. Auch sollte die Angreiferin eine Hantel in Richtung der Anderen geworfen, ihr Ziel jedoch verfehlt haben.

„Habe keine Hantel geworfen“

Einfache Körperverletzung und versuchte gefährliche Körperverletzung wurden ihr nun in einem Prozess vor dem Jugendschöffengericht zur Last gelegt und die 21-Jährige erklärte sofort: „Ich räume alles ein – bis auf die Hantel. Ich weiß, dass ich keine Hantel geworfen habe.“

Damals habe sie ihre Sachen dringend gebraucht und die Bekannte habe quergeschossen. „Da habe ich mir halt Zutritt verschafft – mit Gewalt.“ Warum sie angegriffen habe, wisse sie nicht. „Das war ein Aussetzer“, betonte sie und gab mit Blick auf ihre einschlägige Vergangenheit zu, dass sie diese Aussetzer halt manchmal habe. Auch erklärte sie, dass sie sich gerne bei der Betroffenen entschuldigen wolle.

22-Jährige ist unsicher

Das Gericht hörte die Geschädigte, für die eine Abbitte der Angeklagten nicht in Frage kam. Die 22-Jährige aus Höxter blieb dabei, dass die Lünerin die Hantel sehr wohl geworfen habe. Jedoch war sie sich nun nicht mehr sicher, ob das Wurfgeschoss traf oder eben nicht.

Ihr Freund, Zeuge des Zwischenfalls, bestätigte den Wurf ebenfalls – wobei er ihn nicht als zielgerichtet sah. Unter den Umständen wurde das Verfahren auf den Vorwurf der einfachen Körperverletzung beschränkt.

Hilfe beim Betreuten Wohnen

Ein Platz im Betreuten Wohnen, das Geständnis, der Zeitablauf, die eher leichten Verletzungsfolgen und die Bemühungen der Lünerin, ihr Leben in den Griff zu kriegen, sprachen für sie. Ihr Verfahren wurde nach einer jugendrichterlichen Ermahnung eingestellt.

Auflage: Die junge Frau soll, für sechs weitere Monate beim Ambulant Betreuten Wohnen mitwirken. „Ich hoffe, dass Sie weiter auf dem eingeschlagenen ordentlichen Weg bleiben“, so der Richter.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Offene Ganztagsschulen
2,2 Millionen Euro für Lüner Ganztagsschulen - und 2025 ist schon in Sicht