Haftstrafe als „echte Chance“: Callcenter-Agent verkaufte Drogen

dzGericht

Ein Drogendealer ist in Bochum zwar zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden – kann aber trotzdem zufrieden sein. Meint jedenfalls der Richter

Bochum

, 13.11.2020, 08:41 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ein ehemaliger Callcenter-Agent aus Recklinghausen ist am Donnerstag zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der 25-Jährige war im Frühjahr mit Amphetaminen und einem Schlagring in seinem Rucksack erwischt worden. Auf den ersten Blick wirkt die Strafe empfindlich. Auf den zweiten beinhaltet sie aber sogar reichlich Milde – und bietet in den Augen der Richter sogar eine Perspektive.

„Urteil als echte Chance“

Die Richter der 9. Strafkammer am Bochumer Landgericht haben nämlich gleichzeitig angeordnet, dass der geständige Drogendealer einen Teil der Haftstrafe in einer geschlossenen Entziehungsanstalt verbüßen darf. „Sehen Sie das Urteil also bitte vielmehr als echte Chance“, appellierte Richter Volker Talarowski an den 25-Jährigen. „Wenn alles klappt“, hieß es weiter, könnte der 25-Jährige bestenfalls nach drei Jahren (Halbstrafe) bereits vorzeitig und therapiert in Freiheit kommen. Durch sein umfängliches Geständnis und die einzig passende Verteidigungsstrategie durch seine Anwältin Berrit Lobeck, habe der 25-Jährige jedenfalls am Ende „das Optimale rausgeholt“.

Schlagring im Rucksack gefunden

Der Callcenter-Agent hatte zugegeben, von 2019 bis 2020 aus einer als eine Art „Drogenlabor“ genutzten Wohnung heraus mit mehr als zehn Kilogramm Amphetaminen gehandelt zu haben. Zuvor eingekaufte Amphetaminpaste wurde dort mit Koffeinpulver gestreckt und straßenverkaufsfertig verpackt. Am 18. März war der Angeklagte von der Polizei mit Amphetaminen und einem Schlagring erwischt worden. Dass der Schlagring dabei zwar nicht unmittelbar griffbereit in seinem Rucksack lag, spielte für die rechtliche Einordnung als bewaffneter Drogenhandel (üblicherweise Minimum fünf Jahre Haft) keine Rolle.

Als Motiv für seine Dealertätigkeit hatte der 25-Jährige im Prozess auf seine Drogenabhängigkeit und eine unstillbare Automatenspielsucht verwiesen. „Diese Neigungen haben ihnen buchstäblich das Genick gebrochen“, hieß es. Das Urteil lautet auf bewaffneten und unerlaubten Drogenhandel in 27 Fällen.

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