Ute Groth über DFB-Bewerbung: Lehrreich, doch sinnlos

Mit ihrer Bewerbung als Präsidentin wollte Ute Groth den DFB und die Amateure vor einem Jahr wachrütteln. Das hat im Nachhinein nicht geklappt, sagt sie. Dennoch bereut sie nichts und erwägt sogar eine erneute Kandidatur.

28.04.2020, 06:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verbittert ist Ute Groth nicht. Obwohl sich die Bilanz ihrer Bewerbung als DFB-Präsidentin auf den ersten Blick doch ganz schön frustrierend liest. Sie fühlt sich ignoriert, konstatiert ein Problem mit der Gleichberechtigung im deutschen Fußball, vermisst Unterstützung der Amateur-Kollegen und sieht keine nachhaltigen Veränderungen im deutschen Fußball. Dennoch zieht sie ein versöhnliches Fazit.

„Es war sehr anstrengend, aber auch sehr produktiv und lehrreich“, sagt Groth im Interview der Deutschen Presse-Agentur: „Von daher ist alles gut.“ Sogar eine erneute Kandidatur schließt sie nicht aus. Im Moment plane sie das noch nicht“, sagt Groth: „Aber ausschließen würde ich es auch nicht.“

Am Samstag jährt sich die überraschende Kandidatur der Düsseldorferin. Sie war von Anfang an chancenlos, doch sie wollte etwas bewirken. Bereuen tut sie ihre Bewerbung nicht, dennoch beurteilt sie den Schritt rückwirkend als „zwiespältig. Auf der einen Seite war es schon eine wichtige Aktion, weil zum ersten Mal öffentlich diskutiert wurde, was ein DFB-Präsident überhaupt machen oder können sollte“, sagt sie: „Aber am Ende ist es ja doch vorher ausgekungelt worden. Und im Nachhinein hat sich auch eigentlich nichts geändert. Von daher war es irgendwie doch sinnlos.“

Dass sie der DFB „komplett ignoriert“ habe, habe vor allem daran gelegen, dass sie nicht dem inneren Zirkel angehört habe und nicht am Geschlecht, glaubt Groth. „Dass ich eine Frau bin, kam noch dazu“, sagt sie aber. Es sei mit der Gleichberechtigung im Fußball „noch nicht weit her“. Denn als Frau, da ist sich die 61-Jährige sicher, käme man in diesen inneren Zirkel auch gar nicht rein.

Sie erinnere sich an eine launige Rede des heutigen Präsidenten Fritz Keller im Vorfeld der Wahl. „Er hat erzählt, dass sie in einer „dritten Halbzeit“ bei ein paar Glas Wein zusammengesessen und einige Dinge besprochen hätten“, sagt sie: „Da habe ich mir richtig vorgestellt, wie die Herren beim Wein oder Cognac und mit einer Zigarre irgendwo im Hinterzimmer sitzen. Da würde tatsächlich keine Frau reinpassen.“

Kellers Arbeit sieht sie kritisch, vor allem jetzt während der Corona-Krise. „Gerade in der aktuellen Phase, in der alle wissen wollen, wie es weitergeht, hält er sich sehr bedeckt. Da hätte man viel deutlicher Stellung beziehen müssen“, sagt die 1. Vorsitzende des TuSA 06 Düsseldorf: „Das Einzige, was ich von ihm gehört habe, war, dass der Fußball wieder rollen muss. Das ist mir zu wenig. Seit Wochen warten alle, alle sind nervös, aber es passiert nichts. Da muss man auch mal klare Kante zeigen.“

Mit Keller habe es in der Pause nach seiner Wahl beim DFB-Bundestag ein kurzes Gespräch gegeben, „weil er mich kennenlernen wollte“, sagt Groth: „Danach ist von keinem mehr etwas gekommen.“ Sie habe Keller auch eine Weihnachtskarte geschrieben, „aber darauf kam keine Antwort. Das habe ich ehrlich gesagt auch nicht erwartet“, sagt sie: „Für die ist das Thema erledigt.“

Etwas mehr erwartet hat sie von denen, die sie eigentlich ermutigt haben: Den Amateuren. „Wir waren öffentlich, wir hätten die ganze Power nutzen und auf der Welle noch etwas schwimmen können“, sagt sie: „Das ist aber leider unheimlich zäh. Viele sind zu träge. Oder als Ehrenamtler zu belastet, um weiter initiativ zu werden.“

Sollte sie irgendwann wieder antreten, „müsste auch von anderen mehr kommen“, sagt sie deshalb: „Ich glaube aber, da sind nicht mehr viele.“ Und das hat sie dann wohl doch nicht so erwartet.

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