Grippe versus Covid-19: Was ist gefährlicher?

Coronavirus

Covid-19 und die Grippe haben Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Mit weltweit steigenden Infektionszahlen zeigt sich die Stärke des Corona-Virus - diese Unterschiede sind aber entscheidend.

von Saskia Bücker

, 05.07.2020, 13:46 Uhr / Lesedauer: 3 min
Husten und Fieber: Das können Symptome von Grippe und Covid-19 sein.

Husten und Fieber: Das können Symptome von Grippe und Covid-19 sein. © picture alliance/dpa

Was ist gefährlicher, Influenzaviren oder das neuartige Coronavirus? Bei der Diskussion um Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie wird oft die Grippe zum Vergleich herangezogen. Mit weltweit rapide steigenden Infektionszahlen zeigt sich die Stärke des neuen Corona-Erregers: Seine Geschwindigkeit, mit der er sich vorwiegend über Tröpfchen und Aerosole von Mensch zu Mensch überträgt.

Es ist eben kein “normales” Grippevirus – saisonal, regional, behandelbar. Unter dem Schlagwort “Lockdown” haben deshalb Politiker überall auf der Welt auf die Bremse gedrückt.

Influenzaviren und Coronavirus unterscheiden sich

Wieso Politiker und Gesundheitsbehörden weltweit beim Coronavirus drastische Maßnahmen wie Quarantäne anordnen, wird bei einem genaueren Vergleich zwischen den beiden Erkrankungen deutlicher. In den letzten Monaten haben Forscher und Gesundheitsbehörden immer mehr zu Sars-CoV-2 herausgefunden. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat seit Mitte März wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Grippe und Covid-19 auf seiner Homepage verdeutlicht.

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Covid-19 und Grippe

  • Ausprägung der Infektionskrankheiten: Bei Covid-19 und bei der Grippe handelt es sich um eine von einem Virus verursachte Erkrankung, bei dem die Atemwege betroffen sind. Der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein – symptomlos, mild bis hin zu sehr schwer, mitunter gar tödlich. Inzwischen gehen Mediziner allerdings davon aus, dass es sich bei Covid-19 um mehr als eine reine Lungenkrankheit handelt. “Covid-19 kann sich in vielfältiger Weise und nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organsystemen manifestieren”, sagt das Robert Koch-Institut.
  • Erholung: Der Genesungsprozess bei einem schweren Covid-19-Verlauf dauert länger als bei einer Grippe. Patienten werden oft wochenlang auf der Intensivstation beatmet. Langsam zeichnet sich auch ein Bild möglicher Langzeitfolgen ab. Einige Patienten, die eigentlich bereits als genesen gelten, klagen auch lange danach über Kopfschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit, Atemnot, neurologische Folgen.
  • Symptome: Fieber, trockener Husten und Müdigkeit zählen bei Covid-19 als mögliche Signale für eine Infektion. Dazu kann auch der Verlust des Geschmacks- und Geruchssin kommen, im späteren Verlauf Atemnot und Schmerzen im Brustbereich. Bei einer Influenza beginnt die Erkrankung oft plötzlich auf - mit sehr hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Halsschmerzen und Husten.
  • Übertragung: Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen etwa beim Sprechen oder Husten oder auch bei direktem Kontakt weitergegeben. Es mehren sich Hinweise, dass das Coronavirus auch über Aerosole übertragen wird, also unsichtbare Teilchen, die als Wolke für längere Zeit in der Luft stehen - insbesondere in geschlossenen Räumen.
  • Prävention: Bei Grippe und Covid-19 greifen die gleichen Vorsichtsmaßnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden, einen Mindestabstand halten.

Covid-19 und Grippe im Vergleich

  • Ausbreitungsgeschwindigkeit: Eine Influenza hat laut WHO eine kürzere Inkubationszeit zwischen Ansteckung und der Ausbildung erster Symptome. Ansteckungen in den Infektionsketten folgen rascher aufeinander. Bei Covid-19 liegt dieses Intervall bei etwa fünf bis sechs Tagen, bei einer Influenza bei drei Tagen. Das bedeutet, dass sich eine Influenza rascher verbreiten kann als Covid-19.
  • Übertragung: Bei einer Influenza stecken sich oft schon vor der Ausprägung von Symptomen weitere Menschen an. Bei Covid-19 sind laut Erkenntnissen von Wissenschaftlern Übertragungen von 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt. Sie seien aber nach derzeitigem Kenntnisstand anders als bei der Grippe seltener und spielten für die Weiterverbreitung eine geringe Rolle, erklärt die WHO.
  • Ansteckungsrate: Sars-CoV-2 wird nach WHO-Daten von einem Infizierten im Mittel an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weitergegeben – und damit an mehr als bei einer Influenza. Wegen der unsicheren Datenlage und verschiedenen den Wert beeinflussenden Effekten sei ein Vergleich bei diesem Aspekt aber nur eingeschränkt möglich, heißt es seitens der WHO.
  • Kinder: Sie sind bedeutsame Treiber für die Übertragung von Influenzaviren in der Gemeinschaft, so die WHO. Für den Covid-19-Erreger zeigten erste Auswertungen, dass Kinder weniger oft Symptome zeigen als Erwachsene, aber sich auch infizieren können. Noch ist aufgrund mangelnder Datenlage unklar, inwieweit Kinder infektiös sind und als Treiber bei der Pandemie-Ausbreitung gelten.
  • Krankheitsverlauf: Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. Bei 5 Prozent der Infizierten ist eine künstliche Beatmung auf der Intensivstation nötig. Auch die Todesrate liegt höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle – exakte Angaben lassen sich dazu aber derzeit kaum machen.
  • Risikogruppen: Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 sei eine generelle Festlegung zur Einstufung in eine Risikogruppe nach derzeitigen Erkenntnissen nicht möglich, sagt das Robert Koch-Institut. Die Liste der Risikofaktoren für einen schweren Krankheitsverlauf wird im Lauf der Pandemie immer länger: beispielsweise hohes Alter, Bluthochdruck, Krebs, Diabetes, geschwächtes Immunsystem, Rauchen, Adipositas, Kombinationen daraus.
  • Behandlung: Bei Influenza gibt es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. Beim Coronavirus gibt es derzeit weder einen Impfstoff noch ein großflächig verfügbares Medikament gegen die Erkrankung Covid-19. Laut der WHO gibt es, Stand Anfang Juli, 17 aussichtsreiche Impfstoffkandidaten. Derzeitige Pläne gehen davon aus, dass ausreichende Mengen von Impfdosen frühestens im Laufe des Jahres 2021 vorhanden sein könnten - wenn die Studien gut laufen. Einzig zugelassener Wirkstoff ist bislang Remdesivir, der ursprünglich zum Kampf gegen Ebolaviren entwickelt wurde. Bislang hat er aber nur in den USA, Japan und neuerdings auch in der EU eine Zulassung, die Dosen sind begrenzt. Das Medikament soll die Behandlungsdauer im Krankenhaus um einige Tage verkürzen.

RND