Schweinepest: Schwerter Landwirt spricht von gravierenden Folgen

dzImmense Verluste

Die Afrikanische-Schweinepest hat Deutschland erreicht. Nach einem Einzelfall wurden nun fünf weitere Fälle bei Wildschweinen bestätigt. Schwerter Landwirt spricht von „gravierenden Folgen.“

Schwerte

, 19.09.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem in der vergangenen Woche, am Dienstag, 8. September, der erste Fall eines Wildschweins bekannt wurde, das sich mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) angesteckt hat, bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut am Mittwochnachmittag, 16. September, fünf weitere Fälle, ebenfalls in Brandenburg.

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Das hat für Schweinebauern in ganz Deutschland „gravierende Folgen“. Werner Dettmer-Prause ist Schweinebauer in Schwerte und sagt: „Erst kam Corona und jetzt die Afrikanische Schweinepest.“ Die Situation sei für Landwirte, die Schweine halten derzeit so, dass sie nicht kostendeckend arbeiten können. Die Schweine sind im Stall, auch wenn sie jetzt viel weniger wert sind, sie brauchen Futter und das kostet Geld.

Schweinebauer wird die ASP lange spüren

Für den Schweinebauern kommt viel zusammen, erst die Schlachthof-Schließungen bei Tönnies, wodurch der Preis sank und jetzt die ASP. „Die Notierung ist erst durch Corona von ungefähr 2 Euro pro Kilogramm Fleisch auf 1,47 Euro gesunken. Jetzt ist der Schweinepreis wegen der Afrikanischen-Schweinepest noch einmal schlagartig um 20 Cent gesunken, auf 1,27 Euro pro Kilogramm Fleisch“, so Dettmer-Prause. „Das sind ungefähr 20 Euro weniger pro Schwein.“

Im Grunde sei der Bestand an Schweinen im Stall plötzlich viel weniger wert. Und den Stall leer lassen, oder weniger Schweine einzukaufen, das gehe auch nicht, weil Werner Dettmer-Prause als Schweinemäster an den Ferkelerzeuger gebunden ist: „Der muss die Ferkel ja auch los werden.“

Die Folgen durch die ASP wird Werner Dettmer-Prause noch lange spüren. „Den Verlust, den ich jetzt mache, den ich muss ich in den nächsten Jahren versuchen wieder rein zubekommen“, sagt der Schweinebauer.

Gespräche über Einteilung in Export-Regionen

Dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied bereitet der Exportstopp nach China ebenfalls große Sorgen. Denn dort werden Teile des Schweins verzehrt, die in Deutschland kaum genutzt werden, wie Füße und Rüsselscheiben.

Auf der Homepage des Deutschen Bauernverbandes äußert er sich so: „Wir müssen jetzt alles tun, um die ASP bei Wildschweinen zu bekämpfen und eine Ausbreitung verhindern. Wir begrüßen sehr, dass die Bundesregierung intensive Gespräche mit China über eine Regionalisierung führt. Es muss wenigstens mittelfristig möglich sein, dass aus ASP-freien Gebieten weiter Schweinefleisch geliefert werden kann.“

Die Einteilung in Export-Regionen für die Sicherstellung des Exports deutscher Schweine war schon länger im Gespräch. Konkret sei laut Werner Dettmer-Prause die Einteilung des Schweinexports in Regionen aber noch nicht passiert.

Kreis-Veterinäramt Unna beobachtet die Lage

„Wir haben das auf dem Schirm und beobachten die Lage genau. Wir stehen in Austausch mit Tierhaltern, Jägern und Tierärzten“, sagt Pressesprecher Max Rolke vom Kreis Unna.

Zuletzt schrillten die Alarmglocken im Jahr 2018, als die ASP in Belgien ausbrach. „Das war von der Entfernung gesehen viel näher am Kreis Unna dran als die Fälle jetzt in Brandenburg“, so Rolke. Die ASP-Fälle in Belgien waren vom Kreis Unna nur 320 Kilometer entfernt. Seitdem habe das Umweltministerium die Kapazitäten erhöht.

Die Afrikanische-Schweinepest überträgt sich vom Wildschwein auf Hausschweine.

Die Afrikanische-Schweinepest überträgt sich vom Wildschwein auf Hausschweine. © picture alliance / Lino Mirgeler

Die Jäger in der Region wüssten genau was zu tun ist, wenn sie tote Tiere auffinden. Verdächtiges werde gemeldet, tote Wildschweine werden eingeschickt. Wichtig sei weiterhin, darauf hinzuweisen, dass Rückkehrer aus Ländern wie Polen und Tschechien ihre Wurstbrote nicht mit nach Deutschland bringen und sie auch auf keinen Fall in die Mülleimer an den Raststätten werfen.

Das Virus könne beispielsweise in der Salami vom Butterbrot sein. Wenn Wildschweine das fressen und über die Grenze kommen, bringen sie das Virus mit nach Deutschland.

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