Prozess um getöteten Dreijährigen: Urteil geplant

Entsetzen hatte die Tat im November 2019 ausgelöst. Verantworten für den Tod ihres Halbbruders muss sich eine 15-Jährige. Heute soll es am zweiten Verhandlungstag bereits ein Urteil geben. Und auch Hinweise auf das Motiv.

29.04.2020, 01:20 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Richterhammer liegt auf einem Tisch. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild

Ein Richterhammer liegt auf einem Tisch. Foto: Uli Deck/dpa/Symbolbild

Im Mordprozess gegen eine 15-Jährige, die ihren Halbbruder im Schlaf erstochen haben soll, will das Landgericht Detmold voraussichtlich heute ein Urteil sprechen. Am zweiten Verhandlungstag sollen noch weitere Zeugen und ein Gutachter gehört werden. Der Experte soll sich zur Schuldfähigkeit des Mädchens äußern und beurteilen, in welchem Entwicklungsstadium die 15-Jährige zum Tatzeitpunkt war. Der Prozess findet wegen ihres Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Sollte die Zeit heute nicht reichen, hat das Gericht mit dem 30. April (Donnerstag) noch einen Ausweichtermin. Laut Anklage hat das Mädchen im November 2019 mit 28 Stichen auf seinen schlafenden Halbbruder eingestochen und den Dreijährigen getötet. Die Eltern waren zu diesem Zeitpunkt nicht in der Wohnung. Die 15-Jährige selbst hatte sich nach ihrer Festnahme als Täterin bezeichnet, aber Erinnerungslücken angegeben.

Der Fall hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Angehörige hatten am Abend die Leiche des Jungen gefunden und die Polizei alarmiert. Noch offen ist das Motiv für die Tat. Auch zu dieser Frage soll der psychiatrische Gutachter Antworten liefern.

Die Jugendliche war am Folgetag im etwa neun Kilometer entfernten Lemgo festgenommen worden. Ein Zeuge hatte sie bei ihrer Flucht beobachtet und die Polizei gerufen. Als ein Beamter die 15-Jährige festnahm, leistete sie keinen Widerstand und war nach Angaben der Detmolder Staatsanwaltschaft in „ruhiger Verfassung“. Sie soll die Nacht zuvor im Freien verbracht und den Weg in die Nachbarstadt zu Fuß auf unbefestigten Wegen zurückgelegt haben.

Bislang gibt es zum Motiv nur Spekulationen. Sie soll eine tiefe Abneigung gegen den Halbbruder entwickelt haben, wie die Staatsanwaltschaft Detmold am Tag nach der Tat sagte. Vor dem Prozessauftakt hatte sich der Verteidiger der 15-Jährigen geäußert. „Mit dem psychiatrischen Gutachter hat sie kooperiert. Sie will ja selber wissen, was genau passiert ist“, sagte Anwalt Helmut Wöhler.

Das Jugendstrafrecht sieht eine Höchststrafe von zehn Jahren vor, sollte die 15-Jährige wegen Mordes verurteilt werden.

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