Wirtin vom Haus Pferdekämper hört immer wieder das Flehen: „Cica, geh noch nicht“

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Seit 40 Jahren ist Cica Mihelj die gute Seele bei Pferdekämper. Jetzt erschreckte ein Gerücht, sie wolle sich zur Ruhe setzen. Wir haben nachgefragt. Und erhielten eine eindeutige Antwort.

Schwerte

, 24.01.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Cica, geh noch nicht. Cica, geh noch nicht.“ Immer wieder hört Cica Mihelj dieses Flehen am Tresen ihres Restaurants Pferdekämper. Oder am Telefon. Oder es leuchtet getippt als SMS auf ihrem Handy auf.

„Jeder Zweite fragt mich“, sagt die Wirtin, die mit ihrer liebenswürdigen, menschlichen Art seit fast 40 Jahren die Atmosphäre in der Traditionsgaststätte an der Ostenstraße prägt.

Dabei hatte sie nur einmal in der Wut über eine lange, vergebliche Suche nach einem geeigneten Koch die Bemerkung fallen lassen: „Ich hab´ die Schnauze voll, wenn keiner mehr arbeiten will.“ Und scherzhaft hinzugefügt: „Wenn ich keine vernünftigen Leute krieg´, warum soll ich mich dann ärgern?“

„Solange die Gesundheit es zulässt, mache ich weiter“

Doch das allein muss schon gereicht haben, um die Gerüchteküche in Schwerte gehörig ans Brodeln zu bringen. Vermischt mit der Sorge, ein besonderes Lokal in der Stadt zu verlieren. Zumal darüber hinaus noch bekannt ist, dass Cica Mihelj in diesem Sommer ihr 40-jähriges Wirte-Jubiläum feiern kann.

Sie wolle sich zur Ruhe setzen, mutmaßten so die einen. Die nächsten wollten sogar schon ein konkretes Datum kennen. „Da kannst du sehen, was die Leute für Quasseltanten sind“, sagt die 72-Jährige: „Dass die mehr wissen als ich.“ Denn alles sei nur ein Gerücht: „Solange die Gesundheit es zulässt, mache ich weiter.“

Die Gäste sind ihre Familie

Als müsse es das noch unterstreichen, huschte ein Lächeln über das Gesicht von Cica Mihelj, als ihr Blick über die Menschen an den gemütlich-dunklen Holztischen schweift: „Das ist meine Familie. Das ist mein Leben.“

Sie habe immer gesagt, dass sie die besten Gäste der Welt habe. Sie kommen immer wieder. Auch wenn es vielleicht nur noch einmal im Monat sei und nicht mehr jeden Tag. Sie halten die Treue, auch viele Stammtische und Kegelclubs sind dabei. Das hat seinen Grund: „Ich sehe die Menschen als Menschen.“ Egal, welchen Beruf sie haben und wie dick ihr Portmonee ist. Alle sollen sich fühlen wie zu Hause.

Wirtin vom Haus Pferdekämper hört immer wieder das Flehen: „Cica, geh noch nicht“

Die Lichter in ihrer Traditionsgaststätte Haus Pferdekämper an der Ostenstraße will Wirtin Cica Mihelj nicht ausgehen lassen. © Reinhard Schmitz

Besonders stolz macht es die Wirtin, dass kein Mensch in Schwerte sagt, man gehe zu Pferdekämper: „Alle sagen: Wir gehen zu Cica.“ Schon deshalb könne sie nicht aufgeben.

Das Haus und die Gäste, sie sind ihr ans Herz gewachsen, so dass ihr eine Vorstellung weht tut: „Ich weiß genau, wenn ich mal rausgehe, macht Pferdekämper zu.“ Das darf nicht sein, so dass dieser Tag noch in weiter Ferne bleiben soll.

In der Gaststätte rasteten einst die Postillone

Seit über 100 Jahren fließt das Bier in dem prägnanten Haus an der Ostenstraße 11, das der Fuhrunternehmer Friedrich Pferdekämpfer im Jahr 1764 errichten ließ. Es gehört zu den geschichtsträchtigsten der Stadt. An seinem Tresen rasteten schon die Postillone,1853 war dort die erste Schwerter Sparkasse zu finden. Seit 1928 führen Pächter die Gaststätte.

Das 40-jährige Wirtejubiläum wird im Sommer groß gefeiert

Die vergangenen vier Jahrzehnte Restaurantgeschichte hat Cica Mihelj mitgeprägt. „Als ich nach Schwerte kam, lagen in der Hüsingstraße noch die Eisenschienen“, berichtet sie. Die letzten Reste der schon lange vorher eingestellten Straßenbahn.

Auch vom Modehaus Eisenmenger, dem Kaufhaus Küster und all den anderen vergangenen Geschäften kann die Wirtin lebhaft erzählen. Der Gesprächsstoff geht eigentlich nie aus. Genausowenig wie die Getränke und das leckere Essen, eine Mischung aus internationaler, jugoslawischer und westfälischer Küche.

Ein ganzer Ochse soll sich am Spieß drehen, wenn im August das 40-jährige Wirtejubiläum ansteht: „Das muss man feiern.“ Auf der gesperrten Jägerstraße und mit einer Musikkapelle – gerade so wie beim Fest zum 25-Jährigen, das bei den Gästen zu einer Legende geworden ist.

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