Geisterspiele kaum abzuwenden: Entscheidung zu Derby

Noch gibt es keine einheitliche Umsetzung der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Dies betrifft vor allem Fußball-Events. In NRW steht zumindest die Entscheidung zum Derby Mönchengladbach-Köln an.

10.03.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine leere Zuschauertribüne im Stadion in Düsseldorf. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild

Eine leere Zuschauertribüne im Stadion in Düsseldorf. Foto: picture alliance / dpa/Archivbild

Die Entscheidung über Absagen oder Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga wegen des Coronavirus wird zumindest im Fall Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln an diesem Dienstag erwartet. Im Borussia-Park steht für Mittwochabend (18.30 Uhr) das Nachholspiel an. Die Partie sollte ursprünglich am 9. Februar stattfinden, wurde aber wegen des Sturms „Sabine“ verschoben.

Nach der Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern wegen der Coronavirus-Krise vorerst abzusagen, will sich die Stadt Mönchengladbach als zuständige Gesundheitsbehörde am Dienstagmittag/-nachmittag dazu erklären. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) bezeichnete die Marke von 1000 Teilnehmern in der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe) als „ziemlich willkürlich“. „Dann müsste man auch den Betrieb von Großmärkten schließen, in denen sich über 1000 Kunden aufhalten“, kritisierte Geisel.

Für das Derby in Mönchengladbach gibt es dem Vernehmen nach neben einem Spiel mit oder ohne Fans auch die mögliche Option, den Termin erneut zu verschieben. „Auch das wäre eine Möglichkeit“, sagte Borussias Mediendirektor Markus Aretz am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

NRW stellt mit Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Schalke, Köln, Düsseldorf und Paderborn die mit Abstand meisten Bundesligisten. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) ist das Revier-Derby zwischen dem BVB und Schalke terminiert. Die Dortmunder kündigten eine Entscheidung über einen möglichen Zuschauer-Bann bis spätestens Dienstag an.

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte in der ARD-Sendung „Anne Will“ erklärt, NRW werde die Empfehlung des Bundesgesundheitsministers umsetzen. Es werde gerade „im Dialog mit allen Beteiligten“ geprüft, wie das in angemessener Weise und effektiv gelinge, erläuterte ein Sprecher Laumanns am Montag in Düsseldorf auf Anfrage. Einen Erlass gebe es derzeit noch nicht.

Am Montagabend sagte Laumann (CDU) im WDR: „Wir haben letzten Endes zusammen mit den örtlichen Gesundheitsbehörden natürlich die Mittel, solche Veranstaltungen letzten Endes auch abzusagen. Und wir werden morgen sicherlich dafür auch die notwendigen Erlasse an die unteren Gesundheitsämter in Nordrhein-Westfalen geben.“

Erstmals starben in Deutschland zwei Menschen nach Erkrankungen mit dem neuen Coronavirus. Beide Todesfälle wurden am Montag in Nordrhein-Westfalen bekanntgegeben. Nach Daten des NRW-Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der bestätigten Fälle am Montag (Stand 16.15 Uhr) auf 524, darunter 292 im Kreis Heinsberg.

Die Bundesligapartie gegen Borussia Dortmund hatte am Samstag stattgefunden, obwohl im nur wenige Kilometer entfernten Kreis Heinsberg die bislang höchste Anzahl von Coronavirus-Infektionen bekannt wurde. Das Champions-League-Spiel der Dortmunder am Mittwoch (21.00 Uhr) bei Paris Saint-Germain soll dann vor leeren Rängen absolviert werden, wie die Polizeipräfektur der französischen Hauptstadt mitteilte.

Sportchef Horst Heldt vom Bundesligaclub 1. FC Köln kritisierte in der Diskussion um Spielabsagen oder Geisterspiele einen uneinheitlichen Kurs. „Ich finde den Umgang mit dem Coronavirus konsequent inkonsequent“, sagte Heldt. „Manche Spiele finden statt, andere nicht. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt.“ Über die Austragung des Bundesligaspiels Köln gegen Mainz am Samstag wird wohl nicht vor Donnerstag befunden.

„Wir würden am liebsten schon am nächsten Spieltag mit Zuschauern spielen. Das ist aber leider nicht realistisch“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, bei „Bild live“. In einer Mitteilung stellte die DFL aber klar, dass der Spieltag auf jeden Fall stattfinden werde. „Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen“, betonte Seifert.

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