Geburtshilfe am Marien-Hospital in Lünen verzichtet auf umstrittenes Medikament Cytotec

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Medienberichte haben aufgedeckt, dass das wehenfördernde Medikament Cytotec häufig eingesetzt wird, aber für Mutter und Kind gefährlich sein kann. In Lünen wird es nicht benutzt.

Lünen

, 18.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Eigentlich ist das Medikament Cytotec ein Magenschutzmittel. Als solches ist es auch zugelassen. Weil der Wirkstoff aber auch ein sogenanntes Prostaglandin ist und somit Wehen auslöst, wird es auch zur Geburtseinleitung verwendet - obwohl es dafür nicht zugelassen ist.

Recherchen von Süddeutscher Zeitung und Bayerischem Rundfunk hatten ergeben, dass jede zweite Klinik das Medikament zur Einleitung verwendet, obwohl es nicht dafür zugelassen ist. „Off-Label-Use“ nennt sich diese Praktik. Patientinnen müssen darüber aufgeklärt werden. Gerade bei Schwangeren und Kindern komme „Off-Label-Use“ häufig vor, weil Tests für eine Zulassung des Medikamentes ethisch problematisch wären.

Medikament kann zu Komplikationen führen

Die Recherchen von Süddeutscher Zeitung und BR haben jetzt ergeben, dass Cytotec zu schweren Komplikationen führen kann. Es gibt Berichte über Sauerstoffmangel beim Baby, über Gebärmutter-Risse, Wehensturm und Hirnschäden. Die Gesundheitsbehörden aus den USA und Frankreich hätten schon lange vor den Risiken gewarnt.

In Lünen sei das Medikament seit etwa sieben Jahren nicht mehr in der Geburtshilfe im Einsatz, berichtet Dr. Donat Romann, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Marien-Hospital in Lünen. Schon damals habe es eine Diskussion um die fehlende Zulassung und um die Risiken gegeben.

Statt Cytotec werden laut Romann im Klinikum Lünen andere Prostaglandine vaginal verabreicht. Solche Medikamente gibt es als Gel, Zäpfchen oder Tablette. Cytotec sei dazu lediglich eine Ergänzung gewesen, ohne die das Marien-Hospital auch gut zurecht komme.

Das St.-Marien-Hospital lädt ein zu einer Patientenfortbildung rund ums Thema Geburt. Am 3. März ab 18 Uhr lautet das Thema: „Sie fragen, wir antworten: Alles rund um die Geburt, nicht nur für Eltern.“ Der Eintritt ist frei.
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