Maßnahmen zur Eindämmung von Corona in Schulen und OP-Sälen

Es sind noch keine Ferien, auch wenn die Schulen bereits Wochen vor Ostern seit Montag geschlossen sind. Die Schüler sollen sich mit dem Unterrichtsstoff beschäftigen. Unterdessen sind die Zahlen der Infizierten und Toten durch das Coronavirus weiter gestiegen.

16.03.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat an die Schüler appelliert, in den Wochen bis zu den Osterferien zuhause zu lernen - auch wenn der Lernstoff nicht prüfungsrelevant sei. Die Infektionsketten müssten unterbrochen werden, sagte sie am Montag zu den seit Wochenbeginn geltenden Schulschließungen. Die 2,5 Millionen Schüler sollten aber den roten Faden nicht verlieren und ihr Material freiwillig bearbeiten. Es sei eine Liste in Vorbereitung, wie man Unterrichtsmaterial auch etwa via App herunterladen könne.

Schulen sollten ihre Schüler digital mit Aufgaben versorgen, sofern sie über die technischen Möglichkeiten verfügten. Im Fall der Abiturienten sagte Gebauer, die meisten Vorabitur-Klausuren seien geschrieben, notfalls werde auf die Tage nach den Osterferien verlegt. „In dieser Woche werden keine Prüfungen mehr stattfinden.“ Einige Schüler nutzten am Montag noch die Gelegenheit, ihre Bücher und Hefte aus der Schule für das Lernen aus der Distanz zu holen.

Laut Bildungsverband VBE geht es darum, „den Lernalltag begrenzt aufrecht zu erhalten“. Es gebe sehr unterschiedliche Wege der Schulen, mit ihren Schülern zu kommunizieren und Unterrichtsstoff zu vermitteln, sagte VBE-Landeschef Stefan Behlau. Viele Schulen in NRW hätten die Kinder und Jugendlichen schon vorsorglich mit Aufgaben versorgt, noch bevor die Landesregierung die Schließung von Kitas und Schulen ankündigt hat. Zu „einer breiten Palette“ gehöre Material via E-Mail zu verschicken oder zum Herunterladen auf die Schul-Homepage zu stellen. Auch der Elternbrief werde genutzt. Wochenpläne würden versendet und Arbeitsblätter. Einige Schulen sind laut Behlau digital sehr weit. So sei auch denkbar, via Skype Gelerntes zu vertiefen.

Nur in Ausnahmefällen dürften Eltern ab Mittwoch ihre Kinder in eine Schul-Notbetreuung bringen, bekräftigte Gebauer. Das gelte für Schüler, deren Eltern in kritischen Infrastrukturen arbeiteten - also in Sektoren wie Gesundheit, Verkehr, Energie oder in der staatlichen Verwaltung. In allen Schulen würden Notfallplätze für diese Kinder bereitgestellt. Eltern müssten dafür nachweisen, dass sie in diesen Bereichen „unabkömmlich“ seien und sie keine Betreuungsmöglichkeit haben. Die Kitas würden bereits seit dem Montag nur für Kinder von Eltern, die für die kritische Infrastruktur des Landes gebraucht würden, erklärte Familienminister Joachim Stamp (FDP).

Bund und Länder wollen mit weiteren drastischen Einschränkungen die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland bremsen. Eine Vielzahl von Geschäften soll geschlossen, Gottesdienste sowie Treffen in Vereinen verboten und Spielplätze gesperrt werden, wie aus einem Beschluss der Bundesregierung und der Regierungschefs der Länder vom Montag hervorgeht. Ziel sei es, soziale Kontakte im öffentlichen Bereich weiter einzuschränken. Die Maßnahmen sollen ab sofort gelten. Supermärkte und andere Läden, die zur Versorgung der Menschen dienen, sollen allerdings offen bleiben.

Die Beschlüsse müssen von den Ländern noch umgesetzt werden. Dies werde per Erlass geschehen, bestätigte die Düsseldorfer Staatskanzlei. Das NRW-Kabinett wird am Dienstag darüber beraten.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) appellierte eindringlich an die Bürger, die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ernst zu nehmen. „Bleiben Sie soweit es geht zuhause und vermeiden Sie soziale Kontakte, die nicht notwendig sind“, mahnte Laschet in einer Videobotschaft. „So sehr diese Situation für viele Menschen Opfer und Einschränkungen bedeutet, so wichtig sind diese Schritte für unsere Gemeinschaft.“ Er sprach von einer „noch nie da gewesenen Ausnahmesituation“.

Alleinerziehende sind wegen wegbrechender Betreuungsmöglichkeiten in der Corona-Krise besonders von Ängsten und Belastungen betroffen, wie der Landesverband allein erziehender Mütter und Väter erklärte. „Bei vielen Alleinerziehenden, deren Kinder nicht betreut werden dürfen, entsteht sofort eine große Existenzangst, wenn sie nicht arbeiten können“, sagte Vorstand Antje Beierling. Urlaubstage seien sowieso sehr knapp bemessen. „Unbezahlter Urlaub bedeutet sofort das Wegbrechen des gesamten Einkommens.“ Es sei für viele sowieso schon schwer, die kleine Familie über Wasser zu halten. Wenn jetzt ein großer Teil des sozialen Netzes oder Großeltern als Hilfestellung ausfallen sollten, sei das für Alleinerziehende eine riesige Belastung, die sie alleine stemmen müssten, verdeutlichte sie.

In einem Erlass hat NRW alle öffentlichen Veranstaltungen verboten. „Das schließt grundsätzlich auch Verbote für Versammlungen unter freiem Himmel wie Demonstrationen ein“, heißt es. Diese könnten nur bei einer individuellen Prüfung auf ihre Notwendigkeit genehmigt werden. „Ausgenommen sind Veranstaltungen, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder der Daseinsfür- und -vorsorge zu dienen bestimmt sind oder der Versorgung der Bevölkerung dienen“, heißt es. Als Beispiel wurden dabei Wochenmärkte genannt.

Unterdessen ist die Zahl der Coronavirus-Todesfälle in NRW auf acht gestiegen. Nach den sechs bis Sonntagabend bekannten Fällen starben in der Nacht zum Montag im Kreis Heinsberg zwei weitere Menschen, wie die Kreisverwaltung mitteilte. Die Zahl der nachweislich Infizierten ist laut Gesundheitsministeriums auf mehr als 2700 Fälle geklettert.

Das Verkehrsministerium appellierte an die Bevölkerung, auf nicht notwendige Fahrten in Bus und Bahn zu verzichten. Wenn möglich sollte das Reisen auf die Zeit nach neun Uhr verlegt werden, um die Stoßzeiten für jene zu reservieren, die - wie medizinisches Personal, Polizei oder Mitarbeiter im Lebensmitteleinzelhandel - im Bereich der kritischen Infrastruktur tätig seien. Flächendeckende Einschränkungen im Betrieb von S-Bahnen und Regionalbahnen soll des demnach derzeit nicht geben.

Die Verschiebung von planbaren Operationen wegen der Epidemie könnte in NRW mehr als jeden zweiten Eingriff betreffen. Das sagte der Präsident der Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW), Jochen Brink, am Montag im WDR. Für die Krankenhäuser bedeute das eine „gewaltige Herausforderung“. Aktuell seien die Krankenhausleitungen überall im Land beschäftigt, ihre Betriebsabläufe umzuorganisieren. Welche Eingriffe um einige Monate verschoben werden könnten, entscheide der behandelnde Arzt. Die Patienten reagierten nach seinem ersten Eindruck „sehr verständnisvoll“, sagte Brink.

Mit der Verschiebung, die bundesweit empfohlen worden war, sollen Intensiv-Betten und Beatmungsgeräte für die Behandlung schwer kranker Coronavirus-Patienten frei gehalten werden. Der Beschluss sei nachvollziehbar und werde zügig umgesetzt, versicherte Brink.

Zu dem am Freitag von der Landesregierung verabschiedeten Maßnahmenpaket gehört auch eine Einschränkung der Besuche in den Krankenhäusern „auf das Notwendigste“. Diese Vorgabe wird nach Angaben eines Sprechers der KGNW von den Häusern unterschiedlich gehandhabt. „Manche sagen, überhaupt kein Besuch, andere sagen, eine Stunde für eine Person“, sagte Verbandssprecher Lothar Kratz.

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