Bei dieser Frage scheiden sich die Experten: Welche Art von Grill ist die Beste? Grillmeister Dirk Obermann macht für uns einen Vergleich - und räumt dabei mit einigen Grill-Mythen auf.

Dortmund

, 24.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie grillt man richtig? Und mit welchem Gerät gelingen die besten Ergebnisse? Mit diesen Fragen kennt sich Grillmeister Dirk Obermann (45) bestens aus. Der gelernte Koch leitet seit einem Jahr die Grill-Akademie von S&E in Dortmund und gibt mehrmals pro Woche verschiedene Grill-Kurse.

Sein persönlicher Favorit: der Holzkohle-Grill - „aber nur, wenn es die Zeit zulässt“, sagt er. Auch die anderen beiden Varianten, Elektro und Gas, haben ihre ganz eigenen Vorzüge. Wir geben einen Überblick, welcher Grill für wen am besten geeignet ist, zeigen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten auf und klären vorab wichtige Fragen rund ums Grillen. Zudem haben wir einen Geschmacks-Test gemacht.

? Für welches Grillgut ist welcher Grill am besten geeignet?

In dem Punkt gibt es keine eindeutige Antwort. „Für das Grillgut ist es völlig egal, welche Hitzequelle es bekommt“, sagt Dirk Obermann. Holzkohle-Romantiker widersprechen in diesem Punkt häufig, sagt er, „aber es kommt einfach nur auf die richtige Temperatur an.“

Und hier liegt der Knackpunkt. Während bei neueren Elektro-Grills die Temperatur ganz leicht manuell eingestellt werden kann, braucht man beim Gasgrill schon ein bisschen Erfahrung und Fingerspitzengefühl für die richtige Einstellung. Beim Kohlegrill lässt sich die Temperatur gut über die Sauerstoffzufuhr regeln. Aber auch hier ist Erfahrung nötig.

Beim Holzkohlegrill lässt sich die Temperatur gut über die Sauerstoffzufuhr regeln.

Beim Holzkohlegrill lässt sich die Temperatur gut über die Sauerstoffzufuhr regeln. © Marcel Schürmann

? Welche Ausrüstung ist wichtig?

Egal welche Grill-Variante man nutzt – wichtig ist in jedem Fall, dass der Grill über eine Abdeckung verfügt, um ein optimales Ergebnis zu erhalten. „Ohne Deckel wird das Fleisch schnell trocken. Wenn ich mit Deckel grille, behält das Fleisch seinen saftigen Effekt“, erklärt Obermann.

? Sollte ich das Grillrost so voll legen, wie es nur geht?

Nein. Das sollte unbedingt vermieden werden. Wenn das Fleisch gewendet wird, sollte es auf eine vorher nicht genutzte Fläche auf dem Grillrost gelegt werden.

„Denn die Hitze geht an der Stelle, wo das Fleisch liegt, verloren. Legt man das Fleisch auf eine unmittelbar vorher nicht benutzte Grillfläche, hat man das Problem nicht“, erklärt Obermann. Zudem erhält das Fleisch so „das gleiche Branding auf beiden Seiten“, da es auf beiden Seiten bei derselben Temperatur gart.

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An dieser Stelle gibt Obermann einen weiteren Tipp: Das Grillgut nur einmal wenden. „Sobald sich das Grillgut problemlos vom Rost nehmen lässt und nicht mehr festhaftet, ist es bereit, gedreht zu werden“, so Obermann.

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Welcher Grill eignet sich für wen am besten?

? Darf ich mein Grillgut mit Bier ablöschen?

Keine gute Idee. „Dadurch kühlt das Grillrost schnell ab und die Hitze geht verloren. Außerdem wird das Fleisch dadurch sehr trocken.“ Wer auf das Bier-Aroma nicht verzichten will, dem gibt Obermann den Tipp: „Das Fleisch auf dem Grill mit einem Pinsel mit Bier einstreichen.“

? Sollte ich die Würstchen einschneiden?

Das ist kein Muss. Aber das Auge ist bekanntlich mit. „Eine eingeschnittene Wurst macht schon was her. Und es besteht nicht mehr die Gefahr, dass die Würstchen aufplatzen“, sagt der Grillmeister. Zudem gibt er den Tipp, die Würstchen erst bei niedriger Temperatur „aufgehen“ zu lassen und erst später hoher Hitze auszusetzen und goldbraun werden zu lassen.

Ein Tipp: Würstchen einschneiden - auch ein kreuzförmiger Schnitt ist möglich. So platzen die Würstchen auf dem Grill nicht auf.

Ein Tipp: Würstchen einschneiden - auch ein kreuzförmiger Schnitt ist möglich. So platzen die Würstchen auf dem Grill nicht auf. © Marcel Schürmann

? Was mache ich bei einem Fettbrand - und wie beuge ich den vor?

Als erstes: Ruhe bewahren und das Grillgut vom Rost nehmen. „Bei einem Gasgrill, die Gaszufuhr abdrehen. Wichtig ist: Bei einem Fettbrand immer den Deckel schließen. Im besten Fall hat man für den Notfall einen Feuerlöscher neben dem Grill stehen. Denn ein Fettbrand kann sogar den ganzen Grill verziehen“, sagt Obermann.

Bei mariniertem Grillgut ist es sinnvoll, dieses in eine auf dem Grillrost platzierte Guss- oder Edelstahl-Schale zu legen, sodass kein Fett auf die Hitzequelle tropfen kann.

Für den Kohlegrill typisch: die Rauchentwicklung. Mariniertes Fleisch sollte in eine Guss- oder Aluschale gelegt werden, damit das Fett nicht verbrennt und keine Stichflamme entsteht.

Für den Kohlegrill typisch: die Rauchentwicklung. Mariniertes Fleisch sollte in eine Guss- oder Aluschale gelegt werden, damit das Fett nicht verbrennt und keine Stichflamme entsteht. © Marcel Schürmann

Holzkohle-Grill - der Klassiker:

Holzkohle-Grill

Vorteile

  • Grill-Romantik: Urinstinkte werden geweckt
  • Hält die Temperatur lange
  • verschiedene Hitze-Zonen möglich
  • Die günstigste Variante: preiswerte Modelle ab 100 Euro
Nachteile
  • Giftige Paraffine in Briketts enthalten
  • Flug-Asche und das Entsorgen der Asche
  • Zeit: Es dauert, bis die Kohle einsatzbereit ist
  • Hohe Kosten für Kohle, Grillanzünder
  • Man muss Kohle nachlegen
  • Ständige Kontrolle des Grillguts und der Luftzufuhr für die richtige Temperatur

Für viele Menschen ist und bleibt der Holzkohle-Grill die einzige Option. Gute, günstige Modelle gibt es schon ab 100 Euro. Der Kohlegrill ist damit die günstigste Variante im Vergleich. Der größte Nachteil des Kohlegrills: der Zeitfaktor. Es dauert extrem lange, bis die Kohle durchgezogen und einsatzbereit ist.

Dazu kommt, dass die Kohle häufig nachgelegt werden muss. Und: ein Sack Kohle kann schon ziemlich teuer sein, wenn es nicht die billigste Qualität sein soll. Trotzdem eignet sich der Kohlegrill hervorragend für diejenigen, die nur gelegentlich und mit mehreren Personen zusammen grillen.

Mit einem Anzündkamin erhält man das gewünschte Glutbett schneller.

Mit einem Anzündkamin erhält man das gewünschte Glutbett schneller. © Marcel Schürmann

Elektro-Grill - die klimafreundliche Variante:

Elektro-Grill

Vorteile
  • Platzsparend
  • Die meisten sind portabel
  • Schnelles, angenehmes Grillvergnügen
  • Brennmaterial geht nicht zur Neige
  • Auch Indoor-Grillen möglich
Nachteile
  • Meist kleinere Grill-Roste
  • Strom benötigt
  • Dauert lange, bis gewünschte Temperatur erreicht ist
  • Neuere Modelle sind teuer
  • Smoken auf E-Grill unvorteilhaft

Bei den Elektro-Grills hat sich technisch einiges getan. Neuere Modelle schaffen es inzwischen ohne Probleme, die Temperatur auch dauerhaft zu halten. Das ist bei älteren Modellen nicht möglich. „Die kühlen schnell ab, sobald sie die Maximal-Temperatur erreicht haben“, sagt Obermann.

Günstige Elektro-Grills gibt es schon ab 100 Euro. Diese haben jedoch einen entscheidenden Nachteil, sagt Obermann: „Denen fehlt oft eine Abdeckung, wo wir wieder bei dem Problem sind, dass sie die Temperatur nicht gut halten können.“ Wer keinen eigenen Garten oder Balkon hat, für den ist ein E-Grill die richtige Wahl. Denn E-Grills haben eine Indoor-Zulassung.

Bei neueren Elektro-Grill-Modellen lässt sich die Temperatur ganz einfach einstellen.

Bei neueren Elektro-Grill-Modellen lässt sich die Temperatur ganz einfach einstellen. © Marcel Schürmann

Gasgrill - der Herausforderer:

Gas-Grill

Vorteile
  • Schnell einsatzbereit: nach ca. 10 Minuten heiß
  • Keine Rauch- und Geruchsbelästigung
  • Temperatur einfach regulierbar
  • Langlebige Gasflasche: mehr als 10 Stunden Grillen mit einer 8-Liter-Gasflasche
  • Günstiger als Holzkohle; Gasflasche kostet ca. 10 Euro
Nachteile
  • Romantik fehlt (kein offenes Feuer)
  • Teuer in der Anschaffung

„Seit einigen Jahren erleben Gasgrills einen Trend. Seit der Corona-Krise einen echten Hype“, sagt Obermann, der zuletzt eine sehr große Nachfrage erlebt. Der große Pluspunkt: Gasgrills sind in wenigen Minuten einsatzbereit. „Mit denen ist man einfach schneller am Ziel“, sagt Obermann.

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Wenn er nur für sich grillt, und es schnell gehen muss, greift er fast immer auf den Gasgrill zurück. Wem beim Gasgrill das rauchige Aroma fehlt, der kann dafür ein Stück Holz mit auf die Brennstäbe legen. „So erhält man auch beim Gasgrill ein schönes Rauch-Aroma“, sagt Obermann.

Wer mag kann beim Gasgrill einen Holzklotz auf die Brennstäbe legen. So erhält man ein rauchiges Aroma - wie man es auch vom Kohlegrill kennt.

Wer mag kann beim Gasgrill einen Holzklotz auf die Brennstäbe legen. So erhält man ein rauchiges Aroma - wie man es auch vom Kohlegrill kennt. © Marcel Schürmann

Der Gasgrill ist perfekt für diejenigen geeignet, die regelmäßig grillen. „Mit dem Gasgrill gibt es auch nicht so eine große Geruchs- und Rauchbelästigung“, sagt Obermann. Ein Minuspunkt: Man sollte stets eine Ersatz-Gasflasche da haben. Kostenpunkt: Gute Gasgrills gibt es ab 300 Euro zu kaufen. Nach oben gibt es fast keine Grenzen.

Geschmackstest: Jeder Grill ist ein Gewinner

Doch auf welchem Grill schmeckt welches Produkt denn nun am besten? Grillmeister Dirk Obermann und Reporter Marcel Schürmann haben den Geschmackstest gemacht und drei Grill-Klassiker auf den verschiedenen Grill-Arten zubereitet: Bauchfleisch, Bratwürstchen und Hähnchen-Spieße.

Beim Bauchfleisch ist der E-Grill der Sieger. Es wird nicht allzu dunkel und bleibt schön saftig, während das Fleisch auf den anderen beiden Varianten doch etwas trockener wird.

Das Ergebnis des Elektro-Grill lässt sich sehen. Geschmacklich konnte hier das Bauchfleisch punkten.

Das Ergebnis des Elektro-Grill lässt sich sehen. Geschmacklich konnte hier das Bauchfleisch punkten. © Marcel Schürmann

Bei den Bratwürsten und den Hähnchen-Spießen muss sich der E-Grill jedoch knapp seinen beiden Konkurrenten geschlagen geben. Der Kohlegrill ist der Sieger im Bratwurst-Check, und der Gasgrill ist die Nummer eins beim Hähnchen-Spieß.

Die Bratwürstchen sind auf dem Kohlegrill besonders gut gelungen.

Die Bratwürstchen sind auf dem Kohlegrill besonders gut gelungen. © Marcel Schürmann

Wobei man sagen muss, dass die geschmacklichen Unterschiede nur marginal sind. Am Ende sagt Dirk Obermann, wie es ist: „Ich finde, das Grill-Ergebnis ist bei allen drei Varianten gleich. Dem Fleisch selbst ist die Hitzequelle egal. Euch muss es schmecken.“

Schnell auf Betriebstemperatur, schnelles Ergebnis. Der Gasgrill punktet aber nicht nur in Sachen Zeitfaktor.

Schnell auf Betriebstemperatur, schnelles Ergebnis. Der Gasgrill punktet aber nicht nur in Sachen Zeitfaktor. © Marcel Schürmann

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