Fünfeinhalb Jahre für „Cyber-Dschihadisten“ gefordert

Ein Deutsch-Tunesier soll Terrorgruppen mit Material unterstützt und für den IS geworben haben. Auf seinem Laptop fanden sich abscheuliche IS-Videos. Der Generalstaatsanwalt fordert über fünf Jahre Haft.

05.06.2020, 13:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Für die Unterstützung der islamistischen Terrorgruppen Ahrar al-Scham und Islamischer Staat soll ein 39-jähriger Kölner für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Das hat ein Vertreter der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft am Freitag am Düsseldorfer Oberlandesgericht gefordert. Der Deutsch-Tunesier habe die Terrorgruppe Ahrar al-Scham in Syrien mit Nachtsichtgeräten, Waffen-Reinigungssets und Krankentransportern unterstützt. Den IS habe er propagandistisch unterstützt.

Der 39-Jährige hatte sich laut Anklage auf Social-Media-Plattformen selbst als „Cyber-Dschihadist“ bezeichnet und dazu aufgerufen, sich der Terrormiliz Islamischer Staat anzuschließen oder diese zu unterstützen.

Der Angeklagte habe sich auch an der inzwischen verbotenen Koran-Verteilaktion „Lies!“ beteiligt. Er habe eine aggressiv-radikale Grundhaltung. Fotos zeigten ihn in Syrien mit Sturmgewehr vor Fahnen des IS und der islamistischen Al-Nusra-Front.

Auf seinem Laptop war ein IS-Schulungsvideo zum Töten von Menschen entdeckt worden, das sich an Muslime in Frankreich richtet. Um zu zeigen, wie man Menschen die Kehle durch- und den Bauch aufschneidet, oder sie in die Luft sprengt, war dies an lebenden Menschen demonstriert worden, die vor laufender Kamera getötet wurden. Einer war als „Agent“ bezeichnet worden, ein anderer als junger Kurde.

Einer der Verteidiger hatte behauptet, die grausamen Bilder müssten vor dem Hintergrund gewertet werden, dass ihr Mandant „teilweise journalistisch unterwegs“ gewesen sei. Er könne das Bildmaterial auch gesammelt haben, um „wissenschaftlichen Mitarbeitern“ Auskunft zu geben.

Der Staatsanwalt sagte am Freitag in seinem Plädoyer, diese Behauptungen seien widerlegt. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte. Das Urteil soll am kommenden Freitag verkündet werden.

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