Firma aus Lünen hilft beim ersten Rückbau eines Schweizer Atomkraftwerks

dzKKW Mühleberg

Die Energiewende bedeutet nicht nur das Aus für Kohleverstromung, auch die Kernkraftwerke verschwinden. Wie das funktioniert, ist derzeit in der Schweiz zu beobachten - mit Lüner Beteiligung.

Lünen

, 03.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Kernkraftwerke gibt es in der Schweiz. Vier davon sind noch am Netz, während die Nummer fünf, das Kernkraftwerk Mühleberg nahe der Hauptstadt Bern, seit Ende 2019 stillgelegt ist. Unmittelbar danach begann der Rückbau der radioaktiven Anlage. Mit von der Partie sind Alexander Grass und die Grass AF GmbH aus Lünen.

Die Lüner Firma Grass holt sämtliche Metallteile aus dem KKW Mühleberg heraus. Hier ein Blick in die Maschinenhalle.

Die Lüner Firma Grass holt sämtliche Metallteile aus dem KKW Mühleberg heraus. Hier ein Blick in die Maschinenhalle. © picture alliance/dpa

Der 30-jährige Lüner hat seine Karriere zwar im Familienunternehmen begonnen, ist mittlerweile jedoch selbstständig - und arbeitet nun quasi als Projektleiter wieder mit der Firma an der Frydagstraße zusammen. Dass er den Zuschlag für den Ausbau sämtlicher Metallkonstruktionen aus Mühleberg bekam, hatte ihn zunächst überrascht: „Eigentlich vergeben die Schweizer so etwas ja gerne ,intern‘, also innerhalb des Landes.“

Rückbau bis ins Jahr 2034

Doch Grass konnte die Auftraggeber - das Kernkraftwerk gehört zur Berner BKW-Gruppe - überzeugen. Mitte 2019 nahm man die Verhandlungen auf, Ende des Jahres erhielt Grass den Auftrag, sämtliche Metallteile aus dem Kraftwerk „auszufahren“. Auch wenn es der erste Auftrag dieser Art für Alexander Grass ist, kann die Grass AF GmbH auf langjährige Erfahrungen im Bereich Metallverarbeitung und -recycling zurückblicken. In der Schweiz werden jetzt noch einige Jahre hinzukommen: „Das Projekt ist bis 2034 angelegt.“

Der Rückbau des Reaktors und aller verstrahlten Teile beginnt 2025.

Der Rückbau des Reaktors und aller verstrahlten Teile beginnt 2025. © picture alliance/dpa

Wobei der schwierige Part erst 2025 beginnt: Dann werden alle Anlagenteile, die mit Radioaktivität belastet sind, zurückgebaut. Damit hat Alexander Grass dann nichts zu tun: „Dafür sind wir nicht beauftragt. Alles, was wir jetzt und in den kommenden Jahren aus Mühleberg holen, ist nicht verstrahlt.“

Dazu zählt zum Beispiel der Rotor des Generators, ähnlich dem, der kürzlich per Schwertransport aus dem Trianel-Kraftwerk geholten worden war. „So einen Transport zu organisieren, ist natürlich aufwändig. Aus der Schweiz bis nach Lünen - da kommen schonmal 150.000 Euro zusammen.“ Der Rotor wurde dann in Lünen zerlegt und das Material weiterverkauft oder -verwertet.

Projektleiter kommt aus der Region

Je nachdem, wie viel Arbeit in Mühleberg gerade ansteht, sind mehr oder weniger Mitarbeiter aus Lünen vor Ort. Dass er überhaupt für den ersten Kernkraftwerk-Rückbau in der Schweiz in Frage kam, verdankt er einem Zufall: „Der Projektleiter, der für den Rückbau zuständig ist, kommt ebenfalls aus unserer Region. Darüber ist der Kontakt dann zustande gekommen.“

Insgesamt soll das Kernkraftwerk bis 2034 verschwunden sein.

Insgesamt soll das Kernkraftwerk bis 2034 verschwunden sein. © picture alliance/dpa

Und nun könnten Lüner Spezialisten eine Blaupause dafür erstellen, wie es in Deutschland in den kommenden Jahren läuft: Eine ganze Reihe stillgelegter Kernkraftwerke wartet hier auf den Rückbau. Eine Herausforderung, die sicher ebenfalls nicht im Handumdrehen gemeistert werden kann.

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