Feuerwehrleuten fehlt in Corona-Zeiten vor allem die Kameradschaft

dzFeuerwehr Werne

Die Freiwillige Feuerwehr hat sich mittlerweile an die Corona-Bedingungen gewöhnt. „Am Anfang war es aber ziemlich schwierig“, sagt Feuerwehr-Chef Thomas Temmann.

Werne

, 07.06.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die rund 160 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Werne müssen den Corona-Bedingungen Tribut zollen. „Reguläre Dienst-Abende haben seit Anfang März nicht mehr stattgefunden“, sagt Thomas Temmann (53), Chef der gesamten Werner Feuerwehr. Bodo Bernsdorf (57), Leiter des Löschzuges Stadtmitte, ergänzt: „Viele Weiterbildungen, Unterweisungen, etc. blieben auch auf der Strecke.“

Thomas Temmann (l.) und Bodo Bernsdorf zeigen ein selbst gestaltetes Plakat mit Piktogrammen, das verdeutlicht, wie sich die Wehrleute in diversen Situationen zu verhalten haben.

Thomas Temmann (l.) und Bodo Bernsdorf zeigen ein selbst gestaltetes Plakat mit Piktogrammen, das verdeutlicht, wie sich die Wehrleute in diversen Situationen zu verhalten haben. © Jörg Heckenkamp

So müsstem die Wehrleute für den Atemschutz vier Ausbildungs-Themen pro Jahr nachweisen. „Das geht im Moment aber nicht“, sagt Bernsdorf. Die fehlenden Nachweise würden für die Wehrleute, etwa in Sachen Unfallschutz, aber nicht zum Nachteil auswachsen, weil es offizielle Ausnahme-Regelungen in der Corona-Krise gibt. Bernsdorf: „Im Moment ist alles eingestellt.“

Die Corona-Krise traf, wie viele, auch die Feuerwehr Werne, unvorbereitet und mit voller Wucht: „Am Anfang war es wirklich schwierig“, sagt Thomas Temmann. Beispielsweise die Ausstattung mit Masken sei in den ersten 14 Tagen ein Problem gewesen. Ebenso die Einhaltung von Abstandsregeln. „Bei einem großen Einsatz brauchen wir viele Leute. Da wird es schwierig, immer den Abstand zu halten.“

Feuerwehr musste aufwendige Corona-Personalpläne aufstellen

Sehr aufwendig sei es gewesen, Personal-Pläne aufzustellen, dass möglichst nicht zu viele Kameradinnen und Kameraden aufeinandertreffen. „Wir haben beispielsweise die Besatzungen der Fahrzeuge reduziert“, sagt Bodo Bernsdorf. Im Gruppenfahrzeug, in dem üblicherweise neun Wehrleute mitfahren, sitzen derzeit nur sechs. Bernsdorf: „Wir fahren dann lieber mit einem Fahrzeug mehr raus.“

Die Vorsichtsmaßnahmen der Wehrführung sorgten offenbar dafür, dass der bisher einzige Corona-Fall innerhalb der Wehr keine nachhaltigen Auswirkungen hatte. „Das war in der Familie eines Kameraden aus Stockum. Den haben wir sofort rausgezogen“, sagt Temmann.

Dank der Zwar-Gruppe verfügt die Wehr über ausreichend Atemmasken.

Dank der Zwar-Gruppe verfügt die Wehr über ausreichend Atemmasken. © Jörg Heckenkamp

Passend zu den Mehranforderungen war glücklicherweise das Einsatzaufkommen in den vergangenen Monaten vergleichsweise niedrig. Während der Löschzug 1, der die Haupt-Arbeit der Freiwilligen Wehr abdeckt, im März noch 31 Einsätze fuhr, waren es im April nur 21 und im Mai sogar nur 18. „Zahlen unter 20 sind für uns sehr niedrig“, ordnet Temmann die Zahlen ein. Definitiv zurückgegangen seien in den ersten Corona-Wochen die Einsätze auf der Autobahn. Temmann: „Weniger Autoverkehr bedeutete weniger Unfälle.“

Wenn sich auch die Mitglieder der Wehr generell an die Corona-Einschränkungen gut gewöhnt hätten, so fehle doch ein entscheidender Faktor. Temmann: „Die sozialen Kontakte und die Kameradschaft, die fehlen uns schon sehr.“

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