Fehlende Dividende schränkt Krupp-Stiftung ein

Die Krupp-Stiftung steht meist als Hauptaktionär des Thyssenkrupp-Konzerns im Blickpunkt - und zuletzt auch in der Kritik. Ihr Auftrag hat aber nichts mit den Geschäften des Konzerns zu tun.

15.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Essener Krupp-Stiftung sieht ihre Arbeit nicht durch die finanziellen Probleme des Thyssenkrupp-Konzerns gefährdet. „Unsere über mehrere Jahre laufenden Förderprojekte sind alle finanziert. Wir vergeben auch nicht weniger Stipendien“, sagte Vorstand Thomas Kempf der Deutschen Presse-Agentur.

Die Stiftung habe als größter Aktionär des Stahl- und Industriekonzerns bereits drei Jahre ohne Dividendenausschüttung mitgetragen. In den Jahren dazwischen sei die Dividende mit 10 bis 15 Cent je Aktie sehr niedrig ausgefallen. „Natürlich haben wir weniger freies Geld für zusätzliche Vorhaben zur Verfügung als in Jahren mit Dividendenzahlungen. Da hat sich unser Spielraum verengt“, sagte Kempf, der die Förderabteilung der Stiftung leitet.

Die gemeinnützige Krupp-Stiftung ist mit rund 21 Prozent der Aktien der größte Einzelaktionär von Thyssenkrupp. Auf sie hatte der letzte Krupp-Alleininhaber, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, sein Vermögen übertragen. Seit 1968 hat die Stiftung, deren vollständige Bezeichnung Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung lautet, mehr als mehr als 680 Millionen Euro ausgeschüttet. Sie fördert Projekte aus den Bereichen Wissenschaft, Kunst und Kultur, Bildung, Gesundheit und Sport.

Die ausgefallenen und geringen Dividendenzahlungen machen sich in der Höhe der jährlichen Förderung bemerkbar. „In Jahren mit guten Dividenden konnten wir 25 bis 50 Millionen Euro an Fördermitteln bewilligen, im vergangenen Jahr waren es rund 8 Millionen Euro.“ Thyssenkrupp hat für das vergangene Geschäftsjahr keine Dividende gezahlt.

Ein großer Förderposten der Stiftung, der auch die Villa Hügel gehört, ist der mit einer Million Euro dotierte Preis für junge Wissenschaftler, der jährlich vergeben wird. Hier zeige sich der Auftrag der Stiftung, die Grundlagen für eine gute Entwicklung von Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern. „Wir haben nicht den Anspruch, eine massive gesellschaftliche Wirkung zu erzielen„, sagte Kempf.

Aktuell unterstützt die Stiftung die Forschungen des Kirchenhistorikers Hubert Wolf von der Universität Münster zur Rolle der katholischen Kirche während des Nationalsozialismus und zur Haltung von Papst Pius XII. zum Massenmord an den Juden. Sie finanziert die Sichtung der neu für die Forschung freigegebenen Akten aus dem Archiv des Vatikans. „Leider mussten die Mitarbeiter ihre Arbeiten wegen der Coronainfektionen schon nach einer Woche unterbrechen und nach Deutschland zurückkehren“, sagte Kempf.

Ein anderes Fördergebiet sei die Provenienzforschung, die mehr als die Forschungen zur Raubkunst umfasse, sagte der Stiftungsvorstand. „Wir fördern deshalb für fünf Jahre zwei Lehrstühle an der Universität Bonn - im Fach Kunstgeschichte und an der juristischen Fakultät.“ Das sei wie in vergleichbaren Fällen eine Anschubfinanzierung. Danach sei verabredet, dass die Hochschule die Lehrstühle finanziere.

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