FDP-Bürgermeisterkandidat wählt SPD - gegen die Empfehlung seiner Partei

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Als erste Selmer Partei hat die FDP eine Wahlempfehlung herausgegeben. Ihr Bürgermeisterkandidat Robin Zimmermann will den vorgeschlagenen Kandidaten aber nicht wählen. Aus mehreren Gründen.

Selm

, 22.09.2020, 16:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Sitze stellt die FDP im neugewählten Stadtrat in Selm. Den einen Sitz hat der Stadtverbandsvorsitzende Klaus Schmidtmann inne, den anderen Sitz der FDP-Bürgermeisterkandidat Robin Zimmermann.

Beide werden bei der Stichwahl ihr Kreuzchen für einen der beiden verbliebenen Bürgermeisterkandidaten machen, allerdings wirbt Schmidtmann für Michael Zolda (CDU) und Zimmermann will Thomas Orlowski (SPD) wählen.

Zimmermann konnte sich mit Wahlempfehlung nicht identifizieren

Eine Entscheidung, die nicht unbedingt zu erwarten war, schließlich hatte sich die FDP am Samstag als erste der Selmer Parteien auf einen Kandidaten festgelegt und eine Wahlempfehlung für Michael Zolda veröffentlicht. Zimmermann hatte hingegen am Montag sein Facebook-Profilbild unmissverständlich um einen Text ergänzt: „Ich wähle am 27.9. Thomas Orlowski zum Bürgermeister“, ist dort zu lesen.

Auf Facebook hat Robin Zimmermann unmissverständlich gezeigt, dass er Thomas Orlowski als Bürgermeister bevorzugt.

Auf Facebook hat Robin Zimmermann unmissverständlich gezeigt, dass er Thomas Orlowski als Bürgermeister bevorzugt. © Screenshot: Sabine Geschwinder

Zimmermann konnte sich mit dem Inhalt der FDP-Wahlempfehlung offensichtlich nicht identifizieren, wie es bei einem Gespräch mit unserer Redaktion durchklingt. „Ich finde die Empfehlung nicht ganz fair“, sagt Zimmermann am Dienstag. Zudem sei er bei dem Treffen, bei dem sich die FDP für eine Empfehlung ausgesprochen habe, nicht dabei gewesen.

Klaus Schmidtmann hatte darin für die Selmer FDP erklärt, dass für seine Partei die „Rückkehr zu einer soliden und nachhaltigen Haushaltspolitik“ hohe Priorität habe und „mit der SPD und Herrn Thomas Orlowski ist aus unserer Sicht ein solcher Neubeginn nicht möglich“.

Zimmermann sieht junge Menschen durch Orlowski besser vertreten

Das sieht Zimmermann anders: „Thomas Orlowski ist nicht Mario Löhr“, sagt der ehemalige Bürgermeisterkandidat für die FDP. Er sehe mehr Verständnis für die schwierige Haushaltslage gerade in der Corona-Krise bei Thomas Orlowski, das sei ihm gerade in den letzten Wochen immer wieder aufgefallen. Michael Zolda habe ihn dagegen in Bezug auf Ideen, um die Neuverschuldung zu bremsen, auch bei der RN-Podiumsdiskussion nicht überzeugt. Zudem sehe er die Interessen junger Leute bei Thomas Orlowski besser vertreten, den man zum Beispiel regelmäßig im Jugendzentrum Sunshine sehe. „Michael Zolda habe ich hingegen das erste Mal vor zwei Tagen auf Instagram in der Nähe von Kindern gesehen“, behauptet Zimmermann. Die CDU habe zudem kein Programm geboten, das die Interessen junger Menschen berücksichtige.

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Klaus Schmidtmann räumt ein, dass die Diskussion, ob und für wen man eine Wahlempfehlung herausgeben würde, bei der Selmer FDP „kontrovers diskutiert“ worden sei. Zu dem Treffen seien alle Mitglieder eingeladen gewesen. Letztlich habe man sich dann auf eine Empfehlung für die CDU geeinigt. „Die politische Richtung in Sachen Schulden gefällt uns nicht, auch nicht bei der CDU“, macht Schmidtmann noch einmal klar. Allerdings habe er bei Michael Zolda mehr das Gefühl, dass eine politische Richtungsänderung zu erreichen sei.

Klaus Schmidtmann hält Michael Zolda für den besseren Kandidaten.

Klaus Schmidtmann hält Michael Zolda für den besseren Kandidaten. © Foto: Sylvia vom Hofe (A)

„Wir haben die Wahl zwischen Pest und Cholera und haben uns für das kleinere Übel entschieden“, sagt Schmidtmann. Dass Robin Zimmermann auf Facebook öffentlich erklärt hat, dass er Thomas Orlowski seine Stimme geben wolle, obwohl die FDP eine andere Wahlempfehlung abgegeben habe, halte er für „nicht so glücklich“. Allerdings, so sagt es Schmidtmann: „Wir sind Liberale“, abweichende Meinungen seien da natürlich möglich.

Zimmermann sagt, sein Profilbild auf Facebook sei keine offizielle Wahlempfehlung: „Aber die Leute wissen jetzt zumindest, was ich wähle.“

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