Fall Marvin: Verteidiger fordern maximal 60 Minuten Prozess pro Tag

dzGericht

Die Corona-Problematik könnte den Prozess um den Vermisstenfall „Marvin“ unendlich in die Länge ziehen. Zumindest, wenn es nach dem Wunsch der Verteidiger geht.

Bochum

, 26.10.2020, 17:40 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wenn dieser Antrag durchgeht, dann wird sich der Prozess um den Vermisstenfall „Marvin“ wohl noch weit bis ins nächste Jahr ziehen. Die Verteidiger haben am Montag beantragt, ab sofort nur noch eine Stunde pro Tag zu verhandeln. Grund ist die Corona-Krise.

„Es ist nicht zumutbar, länger in einem geschlossenen Raum zu sitzen“, so Rechtsanwalt Markus Kluck vor der 8. Strafkammer. Im Bochumer Landgericht gebe es keine Möglichkeit, die Sitzungssäle zu lüften – zumindest nicht so, wie es aus seiner Sicht erforderlich wäre.

Fenster lassen sich nicht öffnen

Tatsächlich lassen sich die Fenster im neuen Justizzentrum nicht öffnen. Die Klimaanlage des Hauses sei keine Alternative. „Sie unterstützt eher noch die Verbreitung von Aerosolen“, so Kluck. Ein ausreichender Schutz des Angeklagten und der übrigen Verfahrensbeteiligten sei deshalb nicht gegeben.

Dabei hatten die Richter zuvor erklärt, dass ab sofort auch wieder Mund-Nasen-Masken im Saal getragen werden dürften. Das gelte auch für den Angeklagten. Damit wurde eine frühere Entscheidung aufgehoben. Lars H. aus Recklinghausen war am zweiten Verhandlungstag per Gerichtsbeschluss gezwungen worden, seine Maske abzunehmen, die er zuvor getragen hatte. Damals war darauf bestanden worden, dass die Gesichtszüge des 45-Jährigen während des Prozesses zu sehen sind.

Angeklagter schweigt weiter

Lars H. wird vorgeworfen, den inzwischen 16-jährigen Marvin, der zweieinhalb Jahre lang als vermisst galt, in seiner Recklinghäuser Wohnung sexuell missbraucht zu haben. In der Anklage ist von 475 Fällen die Rede. Er selbst macht im Prozess von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Obwohl das Strafverfahren bereits seit Anfang Juni läuft, ist Marvin selbst noch nicht als Zeuge vernommen worden. Weil die Zeitplanung ohnehin schwierig ist, soll der Junge nun an zwei Samstagen angehört werden. Dafür wird das das Bochumer Justizzentrum extra öffnen müssen.

Verteidigt wird Lars H. ab sofort nur noch von zwei Anwälten. Einer musste gesundheitsbedingt ausscheiden.

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