Fall Maddie: Anwälte von Christian B. schmeißen überraschend hin - so geht es ihm im Gefängnis

Maddie

Im Fall Maddie musste sich der Verdächtige Christian B. überraschend neue Anwälte suchen. Sein neuer Verteidiger spricht jetzt erstmals darüber, wie es dem 43-Jährigen im Gefängnis geht.

Kiel

11.06.2020, 09:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel.

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. © picture alliance/dpa

Die Anwälte des im Fall Maddie verdächtigen Christian B. (43) haben bereits nach wenigen Tagen ihr Mandat wieder niedergelegt. Eine Begründung nannten die Juristen Jan-Christian Hochmann und David Volke nicht. Sie waren nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche von dem Beschuldigten mit der Verteidigung beauftragt worden.

Christian B. wird jetzt vom Hamburger Anwalt Johann Schwenn und seinem Kieler Kollegen Friedrich Fülscher vertreten. Fülscher sagte gegenüber RTL/n-tv: „Christian B. macht momentan keine Angaben zur Sache und wir bitten um Verständnis, dass wir als Verteidiger auch keine Angaben machen“

Auf die Frage, wie es seinem Mandanten gehe, antwortete Fülscher: „Wie soll es einem Menschen gehen, der in einer Justizvollzugsanstalt isoliert ist und dem die halbe Weltbevölkerung schlimmste Verbrechen vorwirft?“ Der Jurist kündigte außerdem an, „zivil- oder strafrechtlich“ gegen Falschverdächtigungen seines Mandanten vorgehen zu wollen.

Fall Maddie: Tatverdächtiger im Gefängnis verlegt

Unterdessen ist B. in Kiel aus Sicherheitsgründen in einen anderen Trakt im Gefängnis verlegt worden. Er dürfe auch nur noch einzeln und in Begleitung von Wachpersonal aus der Zelle, sagte Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen (CDU) in Kiel im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. So wolle man verhindern, dass möglicherweise Mitgefangene den Häftling attackieren.

Im Kieler Landtag ging es Mittwoch um die Frage, ob der einschlägig vorbestrafte Mann im Jahr 2018 wegen einer Justizpanne der Flensburger Staatsanwaltschaft vorübergehend für etwa vier Wochen freigekommen war. Die Flensburger Behörde war nach eigenen Angaben aber nicht in den Fall Maddie eingebunden. Das betonten die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt und Minister Claussen.

Dass der mehrfach Vorbestrafte - nach dem vollständigen Absitzen einer Haftstrafe von 14 Monaten in Braunschweig wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Besitzes kinderpornografischer Schriften - 2018 für einige Wochen auf freiem Fuß war: Das ließ sich laut Stahlmann-Liebelt juristisch nicht vermeiden.

Vor einer Woche hatten das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend mitgeteilt, dass der wegen anderer Delikte inhaftierte Mann in dem Fall des vor 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine McCann unter Mordverdacht steht. Zur gleichen Zeit hatte es in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ einen erneuten Zeugenaufruf gegeben.

Verbindungen zu alten Vermisstenfällen?

Seitdem dieser als Hauptverdächtiger im Fall Maddie gelte, müsse mit Übergriffen gerechnet werden, sagte Claussen. Der Verdächtige sitzt zurzeit eine bereits 2011 vom Amtsgericht Niebüll verhängte Strafe von 21 Monaten wegen Drogenhandels ab.

Nach den neuen Erkenntnissen im Fall Maddie wurden auch anderswo Ermittlungen in Vermisstenfälle erneut geprüft. Etwa in Belgien, wo die Staatsanwaltschaft die 2016 eingestellten Untersuchungen zum Mord an einer deutschen Jugendlichen vor fast 25 Jahren wieder aufrollt.