Fahrradwege in Lünen: Die Planung braucht viel Zeit und kostet Geld

dzFahrradfahren

Im zweiten Teil unserer Serie über das Fahrradfahren und Radwege in Lünen beschäftigen wir uns mit langen Planungszeiten, unterschiedlichen Zuständigkeiten und uneinsichtigen Autofahrern.

Lünen

, 26.10.2020, 11:05 Uhr

Es dauert mitunter 15 Jahre, eine Straße zu planen und umzubauen. Fast immer hat das nichts mit der Stadt zu tun, sondern vor allem mit komplizierten Vorgaben, langen Planungsphasen und unterschiedlichen Zuständigkeiten. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Kamener Str. in Niederaden. Sie verbindet Lünens Innenstadt mit Beckinghausen und Bergkamen.

Zwischen der Kreuzung Zwolle-Allee und der Kreuzung Hammer Str. gibt es nur einen sporadischen Radweg. Der Fahrradverkehr in beide Richtungen teilt sich einen schmalen Streifen und auf der Hammer Str. gibt es gar keinen Radweg. An der Landstraße fahren die Radfahrer direkt neben dem Autoverkehr, der mit 70 km/h über den Asphalt rauscht.

Wer ist zuständig?

Die Stadt kennt das Problem, erklärt der technische Beigeordnete Arnold Reeker: „Wir wissen, dass die Situation für Radfahrer schwierig ist. Hier gilt aber der unbefriedigendste Satz, den eine Verwaltung sagen kann: Wir sind leider nicht zuständig.“ Für Bundes- und Landesstraßen sind nicht die Städte, sondern der Landesbetrieb Straßen.nrw zuständig. Einmal im Jahr treffen sich die Stadt und Straßen.nrw für ein Planungsgespräch. Arnold Reeker: „Wir haben die Kamener Str. schon zur Sprache gebracht, aber für NRW stehen angesichts von Großprojekten solche Kreuzungen ganz unten auf der Prioritätenliste.“

Lange Planungszeiten machen aber auch der Stadt Lünen oft einen Strich durch die Rechnung. Von Seiten der Fahrradfahrer gab es an dem Kreisverkehr an der Preußenstraße viel Kritik, da kein eigener Radweg eingeplant wurde. Der Leiter der Abteilung Mobilität und Verkehrslenkung, Benjamin Köttendorf, erklärt: „Das würden wir heute sicherlich anders machen. Die Planungen zogen sich fast 15 Jahre lang hin, damals hat man noch anders gedacht.“ Wenn man immer wieder die Planung umwerfen würde, dann werde am Ende gar nicht gebaut. Immerhin hat die Stadt am neuen Kreisverkehrs nachgebessert und Markierungen für Radfahrer hinzugefügt.

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17 Prozent der Lüner nutzen das Fahrrad

Ein Problem kann aber auch die beste Behörde nicht lösen: Die Grundeinstellung der Verkehrsteilnehmer. Arnold Reeker: „Man kann den Verkehr nicht von einen auf den Anderen Tag ändern. Ohne einen Bewusstseinswandel der Menschen wird es nicht gehen.“ Man müsse auch bedenken, dass die Fahrradfahrer in Lünen nur 17 Prozent der Verkehrsteilnehmer ausmachen.

Lünen wollte zwar, so Reeker, die Zahl auf 25 Prozent erhören, aber die Mehrheit werden die Fahrradfahrer auch in einer utopischen Zukunft nicht bilden. Trotzdem sei er optimistisch, die Zahl der Fahrradfahrer weiter zu erhöhen.

Zum Vergleich: In Münster werden, nach Angaben der Stadt Münster, etwas 40 Prozent der gefahrenen Kilometer mit dem Fahrrad zurück gelegt. In diese Rechnung seien laut Benjamin Köttendorf die vielen Autopendler allerdings noch nicht eingerechnet.

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Fahrradfreundlich, aber mit Luft nach oben

Arnold Reeker: „Die Topografie stimmt und die Stadtwege sind ziemlich kurz. Lünen gehört zu den Fahrrad freundlichsten Städten im Ruhrgebiet. Das ist schon ganz beeindruckend, aber wir haben noch Luft nach oben und auch die Möglichkeiten, diese auszufüllen.“

Die Topografie ist übrigens, ganz vereinfacht, die landschaftliche Beschaffenheit einer Stadt. Wer schonmal im bergigen Siegen war, der weiß, dass es dort naturgemäß kaum Fahrradfahrer gibt.

Auch wenn sich der technische Beigeordnete optimistisch gibt, hat das Thema Verkehrspolitik natürlich auch eine finanzielle Komponente. Reeker: „Wir müssen unsere Haushaltssituation im Blick behalten. Manchmal sind es eher die vielen kleinen Maßnahmen, die den größten Effekt haben.“

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