EU-Kommission kündigt Maßnahmen im Kampf gegen Kindesmissbrauch an

Kriminalität

Der Missbrauchsskandal von Münster erschüttert derzeit die Bundesrepublik. Die EU-Kommission plant nun Maßnahmen im Kampf gegen Kindesmissbrauch und ein Zentrum zum Schutz von Kindern.

Berlin

08.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die EU-Kommission plant ein Maßnahmenpaket zur besseren Prävention im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch.

Die EU-Kommission plant ein Maßnahmenpaket zur besseren Prävention im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch. © picture alliance/dpaDie EU-Kommission plant ein Maßnahmenpaket zur besseren Prävention im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch.

Im Kampf gegen sexuellen Kindesmissbrauch will die EU-Kommission in Kürze ein Maßnahmenpaket zur besseren Prävention und Strafverfolgung vorlegen. Geplant sei neben gesetzgeberischen Maßnahmen der Aufbau eines neuen EU-Zentrums zum besseren Schutz von Kindern, sagte die zuständige EU-Innenkommissarin Ylva Johansson der Zeitung „Die Welt“. Die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Kindesmissbrauch müsse innerhalb der EU und auf globaler Ebene verbessert werden.

Die Schwedin forderte auch künftig eine engere Zusammenarbeit mit Internet-Unternehmen. Das Internet sei „leider ein entscheidender Faktor“ für die Suche von Tätern nach Kindern als neue Opfer, sagte sie.

Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert bessere Ausstattung für Ermittlungen

Seit Beginn der Corona-Krise habe sich die Nachfrage nach Material, das sexuellen Kindesmissbrauch beinhalte, in einigen Mitgliedsländern um bis zu 30 Prozent erhöht, sagte die Brüsseler EU-Kommissarin weiter. Das US-Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder (US National Center for Missing & Exploited Children) habe zuletzt einen Anstieg von mehr als 400 Prozent bei verdächtigen Fällen des Kindesmissbrauchs registriert, von ungefähr einer Million Berichten im April 2019 bis hin zu 4,1 Millionen im April dieses Jahres.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter forderte unterdessen eine bessere personelle und technische Ausstattung für die Ermittlungen zu sexueller Gewalt gegen Kinder. Es fehle in der Praxis an Fachleuten, sagte der Vorsitzende des Verbands, Sebastian Fiedler, dem WDR in Köln. Notwendig seien mehr IT-Experten für Verschlüsselungstechnik und Menschen, die Erfahrung mit der Anhörung von Opfern hätten.

An diesem Wochenende hat die Polizei wegen schweren sexuellen Missbrauchs elf Beschuldigte aus Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Hessen und Niedersachsen festgenommen. Von ihnen sitzen sieben in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft und Polizei Münster am Samstag mitteilten. Hauptbeschuldigter sei ein 27-jähriger Mann aus Münster, der bereits strafrechtlich bekannt sei. Als Opfer seien drei Kinder im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren ermittelt worden.

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