Essen: Einsatz wegen Ruhestörung eskaliert - Ermittlungen gegen Polizisten

Polizei

Ein Einsatz wegen Ruhestörung in Essen eskalierte. Jetzt wird nicht nur gegen Vater und Sohn ermittelt, sondern auch gegen Polizisten.

Essen

von Jörg Maibaum

, 29.04.2020, 11:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gegen Polizisten des Essener Präsidiums wird nach einem Einsatz in Bochold ermittelt.

Gegen Polizisten des Essener Präsidiums wird nach einem Einsatz in Bochold ermittelt. © PP Essen

Nach dem Einsatz am Samstagabend gegen eine Familie wegen Ruhestörung an der Zinkstraße in Essen-Bochold ermittelt die Polizei nun in den eigenen Reihen: Das Präsidium Essen hat ein Strafverfahren gegen die die beteiligten Beamten eingeleitet, berichtete Polizeisprecherin Judith Herold am Dienstag. Die Polizei Bochum prüft nun die massiven Vorwürfe, die ein 23-Jähriger gegen Polizisten der Essener Behörde erhoben hat. Gegen wie viele Ordnungshüter genau ermittelt wird, konnte Herold nicht sagen. Es handele sich jedenfalls um „die Besatzung mehrerer Streifenwagen“.

Die Wohnung an der Zinkstraße sei von Polizisten gestürmt worden, nachdem er ihnen den Zugang verweigert und nach einem Durchsuchungsbeschluss gefragt habe, schildert der 23-Jährige den Ablauf. Danach sei er selbst, sein 50 Jahre alter Vater, seine schwangere Frau, seine 16 Jahre alte Schwester und „eine ältere Frau“ geschubst, getreten und mit Schlagstöcken traktiert worden, obwohl sie teils schon gefesselt am Boden lagen.

Bei Instagram kursiert ein zehnminütiges Video, in dem der 23-Jährige seine Verletzungen dokumentiert, die bei dem Polizeieinsatz am Samstag entstanden sein sollen. Das Video kam bis Dienstag (19.00 Uhr) auf rund 650 000 Aufrufe.

Ärzte diagnostizierten Blutergüsse, Prellungen und einen gebrochenen Finger

Die angeblich dabei erlittenen Verletzungen sind auf Untersuchungsbögen des St. Vincenz Krankenhauses dokumentiert, die dieser Zeitung vorliegen. Die Ärzte der Unfallchirurgie diagnostizierten Blutergüsse, Arm-, Schulter- und Rückenprellungen, Verstauchungen sowie einen Fingerbruch.

Angriffe der Familienmitglieder gegen Beamte erwähnt der 23-Jährige nicht. Die Polizei schildert aber, dass ihre Kräfte „massiv angegriffen“ worden seien und sich „mehrere Familienmitglieder solidarisierten“. Nur durch den Einsatz von Pfefferspray und dem „Einsatzmehrzweckstock“ sei es den Beamten gelungen, die Gruppe in die Wohnung zurückzudrängen, sich selbst in Sicherheit zu bringen, um mit massiver Verstärkung zurückzukehren, die die „Randalierer (23 und 50 Jahre alt) in Gewahrsam genommen“ haben, so die Darstellung der Behörde.

Die beiden Beamten blieben nach ambulanter Behandlung dienstfähig

Die beiden Beamten, die zunächst im Duo für Ruhe hatten sorgen wollen, seien durch Angriffe verletzt worden. Sie wurden - wie Mitglieder der Familie auch - ambulant in einem Krankenhaus behandelt und blieben dienstfähig.

Gegen Vater und Sohn der Familie läuft nun ein Strafverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Der 23-Jährige kündigte gegenüber dieser Zeitung an, ebenfalls Anzeige gegen die Beamten zu erstatten und sich einen Anwalt nehmen zu wollen.

Der Artikel erschien zuerst auf WAZ.de.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Coronavirus
Coronavirus in NRW – Ende der Geisterspiele in der Bundesliga nimmt Fahrt auf – Liveblog