Erster Prozess im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach - Anklage mit grausamen Details

Kindesmissbrauch

Die Polizei wertet noch immer riesige Datenmengen eines Missbrauchskomplexes aus, der von Bergisch Gladbach aus Kreise zog. 31 Opfer sind bislang identifiziert. Jetzt begann der erste Prozess.

Mönchengladbach

29.04.2020, 15:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Einer der beiden Angeklagten wird im Rollstuhl und mit einer Mappe vor dem Gesicht vor Beginn der Verhandlung im Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach in den Gerichtssaal des Landgerichts geschoben.

Einer der beiden Angeklagten wird im Rollstuhl und mit einer Mappe vor dem Gesicht vor Beginn der Verhandlung im Missbrauchskomplex Bergisch-Gladbach in den Gerichtssaal des Landgerichts geschoben. © picture alliance/dpa

Die Details aus der Anklage sind kaum zu ertragen - und geben einen Eindruck vom Leid der Opfer des bundesweiten Missbrauchskomplexes, der in Bergisch Gladbach seinen Anfang nahm.

Seit Monaten werten Ermittler riesige Datenmengen aus, um weitere Täter und Opfer des unfassbaren Kindesmissbrauchs zu finden. Der landesweit erste Prozess dazu begann am Mittwoch vor dem Landgericht Mönchengladbach. Zwei 39 Jahre alte Männer sind unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 79 Fällen angeklagt.

Opfer waren die eigene Tochter und eine Nichte

Zwischen 2015 und November 2019 sollen die beiden Deutschen aus Viersen und Krefeld immer wieder zwei Mädchen vergewaltigt haben - der eine seine Tochter, der andere seine Nichte.

Die Männer lernten sich laut Anklage über ein Internet-Forum für Pädophile kennen und sollen sich dann regelmäßig getroffen haben, um die Taten teilweise gemeinsam zu begehen. Der jahrelange Missbrauch habe zum Alltag der zur Tatzeit sechs bis elf Jahre alten Mädchen gehört.

„Die Angeklagten haben ein auf Belohnung und Gewöhnung ausgerichtetes System etabliert“, sagte die Staatsanwältin. Die Kinder hätten regelmäßig Geld und andere Geschenke erhalten, um sie gefügig zu machen. Bei den Taten sei manchmal auch der kleine Bruder eines der Mädchen dabei gewesen.

Anklageverlesung dauerte eine Stunde lang

Die aus Krefeld und Viersen stammenden Angeklagten verfolgten die mehr als einstündige Anklageverlesung mit gesenkten Köpfen, einer von ihnen weinte. Ob sie sich im Laufe des Prozesses zu den Vorwürfen äußern wollen, blieb am ersten Verhandlungstag offen.

Die Männer sind auch wegen der Herstellung, Verbreitung und des Besitzes kinderpornografischer Schriften angeklagt. Sie sollen Videos und Fotos von ihren Taten gemacht und - zum Teil mit weiteren Chat-Partnern - ausgetauscht haben. Die Ermittler fanden auf den Handys und Computern der Angeklagten zehntausende dieser Bilder und Filme. Solche Chats brachten die Polizei letztlich auch auf ihre Spur.

Der andere der beiden Angeklagten beim Betreten des Gerichtssaals.

Der andere der beiden Angeklagten beim Betreten des Gerichtssaals. © picture alliance/dpa

Im vergangenen Oktober hatten Beamten die Wohnung eines 42-Jährigen in Bergisch Gladbach durchsucht. Dort fanden sie riesige Mengen kinderpornografischen Materials, mit dessen Auswertung dutzende Spezialisten der Kölner Polizei bis heute beschäftigt sind.

Bilder entsetzten selbst erfahrende Ermittler

Mit den grässlichen Bildern hatten selbst erfahrene Ermittler zu kämpfen. Der Kölner Polizeipräsident Uwe Jacob sagte damals, er sei „fassungslos und bestürzt in Anbetracht der schrecklichen Taten“.

Der 42-Jährige war in zahlreichen Chat-Foren unterwegs, in denen sich Pädophile tummelten - und dabei teilweise auch Hinweise auf ihre Identität hinterließen. Akribisch suchen die Ermittler seitdem mit Hilfe von Spezial-Software nach weiteren Tätern und Opfern.

31 Opfer inzwischen identifiziert

Allein in Nordrhein-Westfalen ermittelt die Polizei inzwischen gegen mehr als 20 Beschuldigte, neun sitzen in Untersuchungshaft. Zudem wurden bisher fast 40 Verdächtige aus anderen Bundesländern ermittelt, wie aus einem kürzlich vorgelegten Bericht des NRW-Justizministeriums an den Rechtsausschuss des Landtags hervorging. 31 Opfer seien bislang identifiziert.

Die Zahlen könnten deutlich größer werden - noch sind längst nicht alle Daten ausgewertet.

dpa

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