Veranstaltungen unter 1000 Teilnehmern sollen unterbleiben

Köln verbietet alle Veranstaltungen - selbst Gottesdienste - ab Sonntag. Auch anderenorts werden jetzt die Erlasse der Landesregierung gegen die schnelle Ausbreitung des Coronavirus umgesetzt. Viele Menschen ziehen sich in die eigenen vier Wände zurück.

14.03.2020, 17:40 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, sollen in Nordrhein-Westfalen jetzt auch Veranstaltungen mit weniger als 1000 Teilnehmern unterbleiben. Das gut eine Million Einwohner zählende Köln - die größte Stadt des Bundeslandes - verbietet wegen der Coronavirus-Epidemie von Sonntag an alle Veranstaltungen. Auch anderorts gibt es nach einem Erlass des Gesundheitsministeriums schon Veranstaltungsverbote. Unterdessen berichten Lebensmittelhändler von einer deutlich erhöhten Nachfrage der Kunden. Ab Montag sind die Schulen in NRW geschlossen und auch viele Arbeitnehmer werden vorsichtshalber im Homeoffice in den eigenen vier Wänden bleiben. Die Landesregierungen weitet ihre Hilfsangebote für Unternehmen aus.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Domstadt stehe jetzt vor „einer der größten Herausforderungen in der jüngsten Geschichte“. Unterhaltung stehe für einige Zeit mal nicht mehr im Mittelpunkt. Das öffentliche Leben werde nun beruhigt. „Ich stelle fest, dass die Menschen, die heute mir gesagt haben, sie hätten den Krieg als Kind erlebt, wesentlich besser damit zurechtkommen als alle, die in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, wo immer alles möglich war.“ In Köln werden Veranstaltungen bis 10.4.2020 untersagt. Das gilt auch für Gottesdienste. Geschlossen würden auch alle Kinos und Theater sowie Discos, Clubs und Bars, die Musik und Tanzveranstaltungen anbieten.

Ausgenommen sind in der Köln etwa Wochenmärkte, die der Nahversorgung dienen und Veranstaltungen, die „aus Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses“ notwendig seien. „Was wir nicht untersagen an dieser Stelle ist der Besuch von Restaurants und Gaststätten, die mit einem Essensangebot auch eine Versorgungsfunktion wahrnehmen“, sagte Stadtdirektor Stephan Keller. Die bisherige Empfehlung, Veranstaltungen zu meiden, sei am Freitagabend in Köln eher nicht angenommen worden, es habe sogar „Corona-Partys“ gegeben. In der Stadt wird wegen der Schließung von Schulen und Kitas der Takt der Busse und Bahnen von Mittwoch an geändert, teilten die KVB am Samstag mit.

Im Kreis Düren dürfen keine Veranstaltungen mehr stattfinden, wie er am Samstag mit Verweis auf den Erlass des Landes mitteilte. Ausgenommen seien notwendige Veranstaltungen, insbesondere solche, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder der Daseinsfür- und -vorsorge dienten, heißt es in dem Erlass weiter.

Das Erzbistum Paderborn rät religiösen Menschen, wegen der Epidemie zu Hause zu beten. Die Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung seien ein schwerwiegender Grund, der die Gläubigen von der Sonntagspflicht entbinde, teilte das Erzbistum mit. Darunter fällt die Teilnahme an der Feier der Messe an Sonn- und kirchlichen Feiertagen. Die Entscheidung, ob Gottesdienste abgesagt werden, sollen Verantwortliche vor Ort in Absprache mit den Behörden treffen.

Der Lebensmittelhändler Rewe stellt seit Mittwoch eine deutlich erhöhten Nachfrage fest. Das betreffe vor allem Trockenlebensmittel wie Nudeln und Reis sowie Konserven und Drogerieartikel, teilte ein Sprecher mit. Es gebe aber kein Problem bei der Warenversorgung. Die Hersteller lieferten weiter und die Regale würden zügig nachgefüllt. „Die Mitarbeiter im Markt und in der Logistik machen einen großartigen Job“, sagte der Sprecher. „Es wäre nur sinnvoll, wenn die Leute, denen es möglich ist, den Einkauf auf die Woche verteilen, und nicht nur Freitagnachmittag und Samstagmorgen einkaufen.“ Dann hätten Mitarbeiter auch die Chance, die Regale schnell genug wieder zu befüllen. Zur Rewe-Gruppe gehört auch der Discounter Penny.

Der Discounter Aldi will nach eigenen Angaben alle Kunden mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs „so gut wie möglich“ versorgen. „Sollten dennoch bestimmte Artikel vorübergehend vergriffen sein, bitten wir dies zu entschuldigen - Nachschub ist unterwegs!“, versicherte ein Sprecher von Aldi Süd auf Anfrage.

Das Land Nordrhein-Westfalen weitet angesichts der Corona-Krise seine Hilfsangebote für in Not geratende Unternehmer, Gründer und Selbstständige aus. Um möglichst schnell wirksam zu sein, würden Expressbürgschaften bereitgestellt, die die Bürgschaftsbank binnen 72 Stunden bewilligen könne. Kleine Unternehmen, Neugründungen und Betriebe, die ausbilden, könnten ohne Hausbank und ohne Sicherheiten frisches Beteiligungskapital erhalten und so Lücken nachhaltig schließen. Das erklärte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP).

Die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen ist in Nordrhein-Westfalen weiter gestiegen. Am Samstag gab es (Stand 11.30 Uhr) 1636 bestätigte Erkrankungen mit dem Erreger Sars-CoV-2, wie das Gesundheitsministerium in Düsseldorf meldete. Am Freitagnachmittag (16.00 Uhr) waren es 1433 Fälle. Der Kreis Heinsberg bleibt mit 589 nachgewiesenen Infektionen mit großem Abstand am stärksten betroffen. In Aachen und der Städteregion Aachen gab es zusammen 85 Infektionen mit den neuartigen Coronavirus. In der größten Stadt des Bundeslandes, in Köln, waren es 83 Fälle. In der zweitgrößten Stadt Düsseldorf 23, in Dortmund 14 und in Essen 34.

Besuche in Alten- und Pflegeheimen in NRW sind nach einem Erlass der Landesregierung nicht grundsätzlich untersagt - aber wegen des Coronavirus eingeschränkt. Sie müssten auf das „Notwendigste“ beschränkt werden, hieß es in einem vom NRW-Gesundheitsministerium am Samstag vorgelegten Erlass. Jeder Bewohner dürfe im Regelfall einen Besucher pro Tag auf seinem Zimmer empfangen, aber nicht mehr in den Gemeinschaftsräumen. Der Besuch dürfe maximal eine Stunde dauern.

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