Eon erwartet nach Innogy-Übernahme höheren Gewinn

Die beispiellose Coronavirus-Krise stürzt die Wirtschaft in die Rezession - und kein Unternehmen bleibt von den Folgen verschont. Gleichwohl rechnet der Versorger Eon für sich erst einmal nur mit begrenzten Folgen.

25.03.2020, 08:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Energiekonzern Eon will nach der Übernahme des Konkurrenten Innogy seinen Gewinn im laufenden Jahr steigern. Ein Unsicherheitsfaktor bleiben dabei jedoch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie. Zwar sei Eon nicht so hart getroffen wie andere Branchen, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Essen mit. Jedoch erwartet Konzernchef Johannes Teyssen „sichtbare Auswirkungen“ auf die Bilanz. Die Aktie lag vorbörslich deutlich im Plus.

Der Energieverbrauch bei Industrie und Gewerbe gehe spürbar zurück, erklärte er. „Das wirkt sich - zeitlich befristet - auf Netze und Vertrieb aus.“ Bei Projekten etwa im Bereich der Energieinfrastruktur könne es zu Verzögerungen kommen. Die Prognose für 2020 berücksichtigt die aktuellen Konjunktureffekte jedoch noch nicht. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) soll auf 3,9 bis 4,1 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr lag es bei 3,2 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss soll von 1,5 Milliarden auf 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro zunehmen.

Den für 2019 bereits bekannten Dividendenvorschlag von 46 Cent je Aktie bestätigte Eon. Die Zahlen von 2019 lagen im Rahmen der vom Management ausgegebenen Ziele. Das Ergebnis im Netzgeschäft lag auf Vorjahresniveau, während das Vertriebsgeschäft wegen des problematischen Marktes in Großbritannien zurückging. Hier hatte Eon im vergangenen Jahr eine groß angelegte Sanierung eingeleitet und will 2022 einen Ergebnisbeitrag von mindestens 100 Millionen britischen Pfund erzielen.

Die Zahlen von 2019 sind nur bedingt vergleichbar. So ist Innogy seit Ende September voll bei Eon konsolidiert. Jedoch wird noch der Teil der erneuerbaren Energien in diesem Jahr an RWE übertragen. Seine eigenen Geschäfte mit den Erneuerbaren hat Eon bereits zum 1. Oktober an RWE übergeben.

Die beiden Energieriesen haben Innogy unter sich aufgeteilt. Eon behält nach Abschluss der kompletten Transaktion das Netz- und das Endkundengeschäft. Der Konzern hält bereits mehr als 90 Prozent der Innogy-Aktien. Die verbliebenen Aktionäre sollen nun mit einer Barabfindung aus dem Unternehmen gedrängt werden.

Innogy steuerte im vergangenen Jahr - also seit September - einen Beitrag von 421 Millionen Euro zum Ergebnis bei. Dieser stammt überwiegend aus dem Netzgeschäft, vor allem in Deutschland. Der Beitrag von Innogy kompensierte den Wegfall der auf RWE übertragenen Geschäfte im Bereich Erneuerbare Energien teilweise.

90 Prozent der Investitionen in das Kerngeschäft will Eon künftig in lokale und regionale Energienetze sowie in dezentrale Infrastruktur stecken. Mit der Übernahme von Innogy steigt den Angaben zufolge der Anteil des regulierten Geschäfts am operativen Ergebnis von rund 65 Prozent auf rund 80 Prozent.

Seine Ziele für die Synergien von 740 Millionen Euro ab 2022 bestätigte der Konzern. Im Jahr 2024 sollen diese dann 780 Millionen erreichen. Für die Jahre 2020 bis 2022 stellte das Management ein jährliches Wachstum des bereinigten Ebit um 7 bis 9 Prozent in Aussicht. Eon geht dabei in allen Kernsegmenten von einem Gewinnzuwachs aus, während die Erträge im Nicht-Kerngeschäft mit der Abschaltung der Kernkraftwerke bis Ende 2022 zurückgehen werden.

Bereits am Vorabend hatte Eon seine neue Dividendenpolitik vorgestellt. Bis einschließlich 2022 soll die Dividende je Aktie um bis zu 5 Prozent jährlich steigen. Auch danach soll die Zahlung an die Aktionäre von Jahr zu Jahr zunehmen.

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