Egal ob für den Job oder um einfach den Horizont zu erweitern: Das Lernen einer neuen Sprache ist nie verkehrt. Alles was es dafür braucht, sind ein guter Plan und die richtige App.

Dortmund

, 10.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, meinte der Philosoph Ludwig Wittgenstein bereits Anfang des 20. Jahrhunderts. Gerade in einer Zeit, in der die eigene Welt sehr begrenzt ist, kann deshalb das Lernen einer neuen Sprache ein toller Weg sein, seinen Horizont zu erweitern. Doch einfach von der Couch aufstehen und sich beim nächsten Sprachkurs anmelden, ist nun mal schwierig in einer Zeit in der man eher auf der Couch bleiben soll.

A1 oder doch schon C2? Das eigene Sprach-Level ermitteln

Der einzige Weg bleibt somit, die Sprache der Wahl größtenteils in Eigenregie zu lernen. Damit das aber auch klappt, braucht es zunächst einmal einen Plan, rät Axel Bolz. Und der Vertriebsleiter der Inlingua-Sprachschule weiß, wovon er spricht. Seit 10 Jahren berät der Schwerter Firmen und Privatpersonen in der Wahl ihrer Sprachkurse.

Der europäische Grenzrahmen für Sprachen (GER) ist eine europaweite Norm zur Feststellung des Sprachniveaus. Im GER-Rahmen gibt es folgende Stufen:
  • A1: Blutiger Anfänger, verfügt über keine oder kaum Vorkenntnisse
  • A2: Grundlegende Kenntnisse, man etwa nach dem Weg fragen
  • B1: Fortgeschrittene Kenntnisse, man kann sich im Alltag zu recht finden
  • B2: Selbständige Sprachverwendung, man kann über komplexe Dinge reden
  • C1: Fachkundige Kenntnisse, man kann spontan und fließend sprechen
  • C2: Niveau eines Muttersprachlers
„Zunächst, ist es wichtig, dass man sich einen Überblick über sein eigenes Sprach-Level verschafft“, meint der Experte. Nur so könne man sich die geeigneten Materialien beschaffen, um fordernd zu lernen. Um das Sprachniveau festzustellen, legt man in der Regel einen genormten Sprachtest ab. Das ist auch online möglich, man kann also weiterhin beruhigt auf der Couch liegen bleiben. Einzig ruhig sollte es sein, da auch das Hörverständnis während des Tests abgefragt wird.

Die richtigen Übungsbücher zum Lernen finden

Anhand des Sprach-Levels kann man sich dann Übungsbücher besorgen. Am Lernen kommt man nun einmal auch auf dem Sofa nicht vorbei, wenn es mit der neuen Sprache klappen soll.

Wörterbücher allein helfen nicht weiter. Um eine Sprach richtig zu lerne, braucht es Lernbücher. Welches das Richtige für einen ist, kommt ganz auf das Srach-Level und die Gründe fürs Lernen an.

Wörterbücher allein helfen nicht weiter. Um eine Sprach richtig zu lerne, braucht es Lernbücher. Welches das Richtige für einen ist, kommt ganz auf das Srach-Level und die Gründe fürs Lernen an. © picture alliance / Jens Kalaene/

Bei der Auswahl sollte beachtet werden, dass sich manche Bücher an eine bestimmte Klientel richten. Das heißt, wenn man nicht unbedingt in den ersten Lektionen lernen möchte, wie der eigene Studiengang heißt oder wie ich nach der Bibliothek frage, dann sollte man darauf achten, kein Übungsbuch für Studenten zu erwischen.

Englisch oder Spanisch als ideale Lernsprachen

Bolz empfiehlt außerdem, sich von Zuhause aus an einer eher einfach zu lernenden Sprache zu probieren. Englisch, Italienisch oder Spanisch wären perfekt, da man bei diesen Sprachen entspannt den Wortschatz auch passiv erweitern könne. Das bedeutet, dass man allein durch das Hören oder Lesen neue Wörter aufschnappt. So kann man etwa beim nächsten Streaming-Marathon einfach die Spracheinstellungen ändern und mit Untertiteln schauen, um das Hörverständnis zu verbessern.

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Alternativ gibt es eine ganz Reihe von Webseiten, die Lesestoff für Sprach-Anfänger anbieten. So hat etwa die BBC auf ihrer Homepage einen komplett eigenen Bereich, der sich an Englisch-Lernende richtet. Wer es hingegen ein wenig moderner haben möchte und ohne sein Smartphone ohnehin nicht mehr leben kann, für den bietet sich eine von zahlreichen Lern-Apps an:

Der App-Test: Babbel

Die bekannteste App zum Sprachen lernen im deutschsprachigen Raum ist sicherlich Babbel von der Lesson Nine GmbH aus Berlin. Seit 2008 auf dem Markt gibt es hier die Möglichkeit, von Englisch bis Indonesisch, seine Kenntnisse in bis zu 13 Sprachen zu erweitern.

Das Angebot ist jedoch je nach Sprache sehr begrenzt: So kann man nur in Englisch das Sprach-Level C1 erreichen, bei Niederländisch oder Dänisch ist hingegen bereits bei A2 Schluss. Jenseits der Sortierung nach den GES-Stufen werden noch informelle Kurse angeboten, etwa „Business-Englisch“ oder „Italienisch für den Urlaub“.

 „Babbel“ ist durch den großen Werbe-Auftritt sicherlich die bekannteste App zum Sprachen-Lernen im deutschsprachigen Raum.

„Babbel“ ist durch den großen Werbe-Auftritt sicherlich die bekannteste App zum Sprachen-Lernen im deutschsprachigen Raum. © picture alliance / dpa

Das Prinzip von Babbel ist relativ simpel. Jede Sprache beinhaltet verschiedene Lektionen, um Wortschatz und Grammatik näher zu bringen. Die Lektionen dauern nie länger als 15 Minuten, lassen sich also entspannt nebenbei machen. Die behandelten Themengebiete sind dabei relativ alltagsnah gehalten. Eine Lektion dreht sich etwa um das Thema Reisen, eine andere ums Einkaufen.

Abwechslung in den Aufgaben überzeugt

Innerhalb jeder Lektion gibt es unterschiedliche Übungen die Hörverständnis, Leseverständnis und den Wortschatz fördern sollen. Diese sind sehr abwechslungsreich gestaltet und reichen von Lückentexten über die Zuordnung von Bildern zum richtigen Text bis zum Schreiben eigener Texte. Zudem gibt es regelmäßig Nachrichten, wenn es mal wieder Zeit für das Lernen von Vokabeln lernen.

Babbel:
  • Pro: große Auswahl an Sprachen
  • Lektionen dauern maximal 15 Minuten
  • abwechslungsreiche Übungen
  • Sprech-Übungen mit Spracherkennung
  • integriertes Vokabelprogramm
  • Kontra: schwankende Sprach-Level
  • Abo-Bezahlmodell
Ein besonderes Highlight sind aber die Sprech-Übungen. Die App hat eine integrierte Spracherkennungsfunktion, die auch auf älteren Smartphones gut funktioniert und die Aussprache mitunter sehr genau korrigiert - nicht nur ein korrektes „Th“ im Englischen wird von der App erkannt. Selbst nicht gerollte „R“s im Italienischen oder Spanischen werden gnadenlos, mit Abzügen bestraft.

Motivation durch Perfektionismus

Dabei bedient sich die App zum Erreichen von Lernerfolgen einem sehr simplen Bonus-Mechanismus. Am Ende jeder Lektion bekommt der Benutzer eine Prozentzahl angezeigt, wie erfolgreich er in den einzelnen Aufgaben jeweils war - mit der Möglichkeit, nicht perfekt gemeisterte Übungen noch mal zu wiederholen. Allein die Befriedigung 100 Prozent am Ende auf dem Bildschirm aufblinken zu sehen, motiviert jede Lektion perfekt abschließen zu wollen.

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Größtes Manko der App ist leider ihr Bezahlmodell. Zwar gibt es eine kostenlose Testversion, diese umfasst jedoch nur die ersten Lektionen und auch in diesen nicht alle verfügbaren Übungen, etwa den Großteil der Sprech-Übungen. Um in den vollen Genuss von Babbel zu kommen, muss man zunächst ein Abo abschließen. Die Kosten fallen sehr unterschiedlich aus: Drei Monate kosten 27 Euro, ein halbes Jahr 45 Euro und ein komplettes Jahr 85 Euro.

Der App-Test: Duolingo

Spielerisch geht auch die App Duolingo an das Lernen von Sprachen heran. Die amerikanische Plattform ist mit über 300 Millionen Nutzern laut Aussagen ihrer Webseite die erfolgreichste Plattform zum Lernen von Sprachen weltweit.

Die App Duolingo versucht mit Tageserfolgen und Cartoon-Optik die Langzeitmotivation der Nutzer anzuregen.

Die App Duolingo versucht mit Tageserfolgen und Cartoon-Optik die Langzeitmotivation der Nutzer anzuregen. © Kallenbach

Sogar Klingonisch im Angebot - aber nur auf Englisch

Doch gerade diese Internationalität stellt sich bereits beim Start der App als ein großer Negativpunkt heraus. Während man in der englischen Version aus mehr als 20 zu lernenden Sprachen wählen kann von Italienisch bis hin zu Klingonisch, sind es in der deutschen Version lediglich drei: Englisch, Spanisch und Französisch.

Bereits bei der Anmeldung lässt sich bei der App die Zeit bestimmen, die man pro Tag in das Lernen der neuen Sprache investieren möchte. Dabei ist aber selbst das Level „Verrückt“ mit maximal 20 Minuten noch sehr human gehalten. Die Lektionen bieten auch hier unterschiedliche Aufgaben an, von Lückentexten bis zu Sprechübungen - diese sind jedoch sehr nachsichtig, was die Aussprache angeht. Gerade im Französischen wird deutlich, dass es allein reicht die richtigen Vokale zu nennen.

Duolingo:
  • Pro: abwechslungsreiche Übungen
  • Langzeitmotivation wird gut gefördert
  • komplett kostenlos
  • Kontra: lediglich drei Sprachen auf Deutsch
  • Extras fehlen in der App
  • Spracherkennung bei Sprech-Übungen oft zu lax

Super Mario des Sprachen-Lernens

Die Langzeitmotivation wird hier durch das Freispielen immer neuer Lektionen erreicht. Für neue Lektionen muss man nämlich, ähnlich wie bei Super Mario, erst einmal vorherige Level abschließen. Desweiteren gibt es für das Abschließen von Leveln sogenannte Lingots, die man im Online-Shop gegen Extras eintauschen kann, etwa ein Tag Pause vom stressigen Sprachen lernen.

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Das alles ist komplett kostenlos. Zwar gibt es ein kostenpflichtiges Premium-Paket, darin befinden sich aber nur kleine Extras wie zusätzliche Boni beim Erspielen der Ingame-Währung. Nichts, was beim Lernen hindern würde. Schade ist, dass gewisse kostenfreie Zusatzangebote der Webseite - etwa Podcasts - nicht in der App enthalten sind.

Axel Bolz ist kein großer Fan der verschiedenen Apps: „Sie sind als Zusatz vielleicht ganz nett. Allein auf Apps würde ich aber nicht setzen, um eine Sprache zu erlernen.“

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