Endlose Baustellen, priviligierte Häuslebauer und Abholzung: Es läuft was schief in Lünen

dzMeinung am Mittwoch

Verrottete Brücken, endlose Baustellen und eine Steag-Fläche, bei der die Wirtschaftsförderung außen vor bleibt: Das Getriebe der Stadt Lünen stottert, findet Gastautor Heinz Werner Kleine.

von Heinz Werner Kleine

Lünen

, 04.03.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Haben Sie auch das Gefühl, dass das Getriebe unserer Stadt ordentlich stottert? Da lässt man Brücken verrotten, dass nur noch der Abriss übrig bleibt. Diese Brücken sind Teil von wichtigen Verbindungswegen und dann jahrelang nur einspurig befahrbar, bis ein Neubau realisiert werden kann.

Es werden Baustellen eingerichtet und Baubeginn ist erst Wochen später. Wenn Straßen saniert werden, dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis sie fertig sind, und dann vergisst man den Radweg! Dafür baut man eine hässliche Mauer und erspart so den dahinter wohnenden priviligierten Häuslebauern die Anliegerkosten.

Spekulation mit Grundstücken

Die Grundstückspreise in Lünen steigen für den Normalverdiener in unerschwingliche Höhen. Die Stadt mischt kräftig mit und verkauft ebenfalls Grundstücke zum Höchstpreis ( Bergkampstraße ). Schaut man sich in Altlünen um, sieht man viele freie Baugrundstücke, die seit Jahrzehnten wohl aus Spekulationsgründen nicht bebaut werden. Hier empfehle ich das neue Buch des SPD-Politikers Hans Jochen Vogel: „Mehr Gerechtigkeit – Neue Bodenordnung“. Aber da lässt man lieber einen Stadtpark abholzen, um dort neue Wohnungen bauen zu lassen.

Heinz Werner Kleine.

Heinz Werner Kleine. © Quiring-Lategahn

Gastautor Heinz Werner Kleine ist Chemielaborant und Kunstsammler.

Wie finden Sie das neue Wohn-und Geschäftshaus direkt neben der Lippebrücke?

Hat der Ausschuss für Stadtentwicklung keinen Einwand erhoben, gegen diesen hässlichen Klotz? Wo blieb ein kreativer Ideenwettbewerb für das Filetstück Lünens, das Mercedesgelände? Das wurde schnell an den Bauverein verschachert. Dessen Pläne sind, gelinde gesagt, ziemlich provinziell.

Schauen Sie sich mal die Kreisverkehre in den Nachbarstädten an. Mit wieviel Fantasie und Kreativität hier gearbeitet wurde. In Lünen verweist man auf die Verkehrssicherheit und mögliche Ablenkung der Autofahrer. Das hält die Parteien aber nicht davon ab, während der Wahlkämpfe monströse Plakate an Hauptstraßen und Kreuzungsbereiche aufzustellen. Sind diese für die Kaninchen gedacht?

Paketzentrum statt Fachhochschule

Die Wirtschaftsförderung meldete fast Vollzug mit einer Fachhochschule im Gesundheitswesen auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes. Jetzt soll dort ein Paketverteilungszentrum der Post hinkommen. Prima: der Verkehr bricht dort schon jetzt ständig zusammen. Und eine Mitgestaltung durch die hiesige Wirtschaftsförderung des Steag-Geländes zum Top Standort für zukunftsorientierte Betriebe wird wohl auch nicht stattfinden. Die Forensik wird wohl jetzt ein paar hundert Meter weiter südlich gebaut. Das ist ja mal ein richtiger Erfolg, wenn man bedenkt, dass man sie ganz verhindern wollte. Nein, es ist nicht alles schlecht in Lünen. Aber es wird mehr.

Ich wünsche mir ein klares Zukunftskonzept für unsere Stadt.

An dieser Stelle schreiben jeden Mittwoch im Wechsel unserer Gastautoren. Es sind:
  • Kira Engel, Pfarrerin der Evengelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen
  • Maren Feldmann, Geschäftsführerin Küchen Schmidt
  • Marie Hirschberg, Studentin, ausgezeichnet mit dem Förderpreis Kultur der Stadt Lünen
  • Heinz Werner Kleine, Chemielaborant und Kunstsammler
  • Björn Schreiter, Architekt
  • Kevin Tigges, Studienreferendar und Akteur bei der „Abgedreht! Filmcrew“
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