Kürzere Betreuung: Kitas öffnen für alle Kinder

Desinfizieren, Fiebermessen und feste Gruppen: Wenn die Kinder am Montag endlich in die Kitas zurückkehren, wird manches anders sein. Für die Eltern ist die Öffnung zwar eine Erleichterung - aber die volle Betreuungszeit wird nicht geboten.

05.06.2020, 13:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach wochenlanger Zwangspause wegen der Corona-Pandemie geht es an diesem Montag für Kindergartenkinder wieder los: Die Kitas in NRW öffnen für alle Jungen und Mädchen - allerdings mit verkürzten Betreuungszeiten. „Für viele Eltern ist dann immer noch keine volle Erwerbstätigkeit möglich“, sagte Irina Prüm, Sprecherin des Landeselternbeirats NRW, am Freitag auf dpa-Anfrage.

Erschwerend komme hinzu, dass viele Kitas auch ihre Öffnungszeiten entsprechend verkürzen wollten. „Dadurch fehlt den Eltern dann auch jede zeitliche Flexibilität“, kritisierte Prüm. Nach den Vorgaben des Landes sollen die Kinder bis zum 31. August nur noch 15, 25 oder 35 Stunden betreut werden - statt wie vor der Corona-Krise 25, 35 oder 45 Stunden. Gleichzeitig endet ab dem 8. Juni auch die Notbetreuung, die Eltern mit systemrelevanten Berufen und berufstätigen Alleinerziehenden 45 Wochenstunden zur Verfügung stand.

Familienminister Joachim Stamp (FDP) betonte, alle Seiten müssten zu Zugeständnissen bereit sein. „Wir wissen, dass der eingeschränkte Regelbetrieb noch Improvisation erfordert.“ Er bitte Arbeitgeber um Flexibilität und Rücksichtnahme gegenüber Eltern. „Wir beobachten die Infektionslage weiterhin jeden Tag und begleiten den Öffnungsprozess wissenschaftlich. Sobald es möglich ist, werden wir in den regulären Vollbetrieb übergehen“, sagte Stamp.

Dennoch: Insgesamt sei es schön, dass endlich alle Kinder wieder in die Kitas dürften, meint Elternvertreterin Prüm. Seit Mitte März galt abseits der Notbetreuung ein Betretungsverbot für Kitas. Am 28. Mai wurden die Türen in einem ersten Schritt wieder für Vorschulkinder geöffnet.

Auf die Rückkehr der Jungen und Mädchen am Montag haben sich die Kitas ausführlich vorbereitet. „Die Kinder kommen über verschiedene Eingänge ins Gebäude, bei allen wird morgens Fieber gemessen, das Mittagessen dürfen sie sich nicht selbst auf die Teller tun - obwohl das pädagogisch wichtig wäre“, zählt Ulrike Bauer auf, Geschäftsführerin des Evangelischen Kindertagesstättenverbands, der im rechtsrheinischen Köln elf Kitas betreibt. „Das sind schon erhebliche Einschränkungen.“ Viele Kinder bräuchten wahrscheinlich eine Weile, um sich wieder an den Kita-Alltag und an die neuen Abläufe zu gewöhnen.

In den Kitas der Fröbel-Gruppe, eines bundesweit großen Trägers, haben die Erzieherinnen in den vergangenen Tagen viel umgeräumt und Möbel gerückt. Dort gebe es normalerweise ein offenes Konzept mit unterschiedlichen Spiel- oder Bastelangeboten in verschiedenen Räumen, erklärt Werner Pieper, Geschäftsleiter der Region Köln-Rhein/Berg mit 19 Kitas. „Jetzt müssen wir Gruppen bilden und haben alle Räume als Gruppenräume umgestaltet.“

Dass die Betreuungszeiten reduziert sind, findet er sinnvoll. „Ein Teil des Personals, das zu Risikogruppen gehört, wird weiterhin im Homeoffice arbeiten.“ Diese Mitarbeiter böten digitale Sprachförderung für Kinder an, fehlten aber im Präsenzbetrieb. Die Öffnungszeiten der Einrichtungen seien auf acht Stunden täglich verkürzt worden. „Es ist schwierig, die Einzelwünsche von Eltern damit zusammenzubringen“, sagt Pieper. „Wir schauen jetzt erst mal, wie es klappt - dann sehen wir weiter.“

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