Ein Jahr Hochzeits-Korsos: Fast 500 Einsätze für die Polizei

Seit knapp zwölf Monaten führt die Polizei in NRW Statistik über Hochzeits-Gesellschaften, die sich auf den Straßen daneben benehmen. Der Innenminister sieht eine positive Tendenz zu weniger Einsätzen. In Summe sind die Zahlen hoch.

25.03.2020, 06:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: David Young/dpa

Herbert Reul, Innenminister von Nordrhein-Westfalen, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: David Young/dpa

Leere Straßen, eine seltsame Stille: Vor genau einem Jahr erlebte NRW das genaue Gegenteil von dem, was gerade ist. Eskalierende Hochzeits-Korsos sorgten damals für Aufruhr. Seit dem 1. April 2019 wurde das Phänomen sogar statistisch vom Innenministerium erfasst. Das Ergebnis: Bis zum 2. März dieses Jahres kam es zu 496 Polizeieinsätzen mit dem „Anlass Hochzeit“. Zuletzt gingen die Zahlen laut Innenministerium aber zurück.

Erfasst werden die Einsätze weiter in einem sogenannten Lagebild. Und auch wenn das nach einem Jahr noch nicht repräsentativ sei, sind laut einem Sprecher des Innenministeriums „einige Tendenzen bereits jetzt aus den bisherigen Erfassungen erkennbar.“ So stellte die Polizei insgesamt einen „Rückgang der Einsatzanlässe im Zusammenhang mit Hochzeiten“ fest. Höhepunkte waren der April 2019 mit 104 Einsätzen, der Juni mit 105 Einsätzen und der September - nach einer Pause in den Sommerferien - mit 75 Einsätzen.

Die meisten Vorfälle (290) gab es im Schnitt samstags. Es folgten Sonntage (134) und weit abgeschlagen Freitage (41). An anderen Wochentagen gab es für die Polizei zu diesem Thema kaum etwas zu tun. Die allermeisten Vorkommnisse spielten sich mit 315 innerhalb geschlossener Ortschaften ab - 49 Mal auf Autobahnen. Hochzeits-Chaos-Hochburg war Duisburg mit bislang 64 Einsätzen, dicht gefolgt von Köln (53).

Allein in 218 Fällen waren der Einsatzgrund Autokorsos, 117 Mal wurden Schüsse gemeldet, zehn Mal Vollsperrungen oder Staus durch die Korsos. Apropos Vollsperrungen: Der erste bekannt gewordene Vorfall dieser Art, von Ermittlern auch „Mutter aller Hochzeitskorsos“ genannt, beschäftigt die Staatsanwaltschaft bis heute. Am 22. März 2019 hatten mehrere Luxusautos die A3 bei Ratingen blockiert. Vor dem künstlichen Stau drückte der Fahrer eines Cabrios runde Bremsspuren („Donuts“)in den Asphalt. Aus dem Wagen lehnte der selbst ernannte Hochzeitsfotograf - und dokumentierte alles.

Die Polizei gründete eine Ermittlungskommission. Bei Razzien sammelten die Beamten - mit Hilfe eines Spezialeinsatzkommandos - diverse Handys ein, um das Geschehen auf der A3 zu belegen. Die Auswertung der Datenträger brauchte Zeit, die polizeilichen Ermittlungen sind laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft inzwischen abgeschlossen. Elf Personen werden aktuell als Beschuldigte geführt. Ihnen wird unter anderem Nötigung vorgeworfen. Da die Anwälte der mutmaßlichen Blockierer laut Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragten, zieht sich das Verfahren noch hin.

Wieviele Ermittlungsverfahren wegen Hochzeits-Chaoten insgesamt bei den Staatsanwaltschaften anhängig sind, ist unklar. Tatsächlich wurden von der Polizei mehr als 140 Anzeigen ausgestellt. Dazu 122 Knöllchen, 181 Verwarngelder. 1697 Personalien wurden aufgenommen, sieben Autos beschlagnahmt.

Innenminister Herbert Reul (CDU) sieht in den Zahlen des Lagebilds einen positiven Trend. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Der Rechtsstaat lässt sich nicht auf der Nase rumtanzen, auch nicht von Hochzeitsgesellschaften. Dank konsequentem Eingreifen und harten Sanktionen scheint das inzwischen angekommen zu sein. Das legen die Zahlen nahe.“ Reul wiederholte seine Ansage aus dem vergangenen Jahr: „Die Autobahnen und Innenstädte in Nordrhein-Westfalen sind keine privaten Festsäle.“ Die Polizei werde daher „weiterhin wachsam sein und einschreiten, wo es nötig ist.“

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