Eichenprozessionsspinner: Stadt Werne zieht durchmischtes Fazit für 2020

dzGift-Raupen in Werne

Nach der diesjährigen EPS-Saison zieht die Stadt Werne ein durchmisches Fazit. Während einige Dinge in der Bekämpfung gut funktionierten, müssten andere Dinge für das kommende Jahr überdacht werden.

Werne

, 30.07.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Ende der diesjährigen Saison der Eichenprozessionsspinner-Raupe (EPS) zieht die Stadt Werne ein gemischtes Fazit, was die Bekämpfung der Gift-Raupen in der Stadt angeht. Während die Bekämpfung stellen- und zeitweise gut geklappt habe, haben präventive Maßnahmen an anderer Stelle nicht ihre gewünschte Wirkung entfaltet.

„Wir haben verschiedene Sachen gemacht“, sagt Adrian Kerstin vom Fachbereich Straßen und Verkehr auf Anfrage. Zum einen hat die Stadt in dieser Saison in den ersten Raupenstadien prophylaktisch auf das Besprühen von Bäumen mit einem Bakterium gesetzt - dem sogenannten Bacillus thuringiensis.

Bakterien-Mittel und Pheromon-Ringe funktionierten mäßig

Wenn die EPS-Raupe dieses über den Blattfraß aufnimmt, soll das dazu führen, dass der Häutungsprozess verhindert wird und die Raupe dadurch bewegungsunfähig wird und stirbt. Kersting: „Das war semi-erfolgreich.

Mit einer großen Spritzkanone ging die Straßenmeisterei Unn an der Stockumer Straße gegen den Eichenprozessionsspinner vor. Möglicherweise fand die Aktion aber zu spät statt.

Mit einer großen Spritzkanone ging die Straßenmeisterei Unn an der Stockumer Straße gegen den Eichenprozessionsspinner vor. Möglicherweise fand die Aktion aber zu spät statt. © Jörg Heckenkamp

Grundsätzlich hat es gut funktioniert, aber phasenweise waren da ordentlich Nester an den Bäumen. Da müssen wir schauen, ob wir im kommenden Jahr früher starten oder ob wir das Mittel nochmal nehmen.“ Die Firma, die das Besprühen für die Stadt übernommen hatte, habe sauber gearbeitet, so Kersting.

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Zu den Pheromon-Ringen, die insbesondere an den Bäumen im Stadtwald angebracht worden waren, sagt Kersting: „Da bin ich noch nicht so überzeugt von.“ Über den Lockstoff im Ring sollen die Raupen angelockt und in der Folge in einen unterhalb platzierten Sack fallen, wo diese verenden. Auch hier könne das Problem sein, dass die Stadt möglicherweise ein paar Wochen zu spät reagiert habe, räumt Kersting ein. Für den Erfolg sei auch immer die entsprechende Witterung nötig. Gut sei, dass die Ringe einerseits nicht teuer seien und ihre Nutzung andererseits für mehrere Jahre garantiert ist, sodass es kein Problem sei, die Ringe dort weiter hängen zu lassen.

An zahlreichen Eichen im Stadtwald sind diese Fallen für Eichenprozessionsspinner angebracht. Ihre Wirkung ist umstritten.

An zahlreichen Eichen im Stadtwald sind diese Fallen für Eichenprozessionsspinner angebracht. Ihre Wirkung ist umstritten. © Jörg Heckenkamp

Dass in dieser Saison erstmalig zwei Mitarbeiter des Bauhofes durchgängig mit der Bekämpfung des EPS beauftragt worden seien, sei die richtige Entscheidung gewesen, so Kersting. Gleichzeitig hatte sich die Stadt einen Steiger geliehen. Auf dieses Standbein will man im kommenden Jahr erneut setzen. Für dieses Jahr sei die Prioritätsliste so weit abgearbeitet, dass derzeit nur noch Nester der Kategorie 4 (beispielsweise Wirtschaftswege) abgesaugt würden. In den vergangenen Wochen seien nach anfänglich vielen Meldungen kaum noch Nester gemeldet worden.

Gleichzeitig appelliert Kersting an das Verständnis der Bürger: Die Stadt arbeite strikt nach der Prioritätenliste des Landes NRW. Das Absaugen an stark frequentierten Stellen wie Bushaltestellen oder Kindertagesstätten hat hier Vorrang.

Stadt will ab dem Winter EPs-Prophylaxe ausschreiben

Um sich auf die kommende EPS-Saison vorzubereiten, will die Stadt im Winter oder Frühjahr die Ausschreibung der Prophylaxearbeiten angehen. Dafür wolle sich die Stadt gemeinsam mit Landwirten und dem Landesbetrieb Straßen NRW beraten, welche Lehren diese in Sachen EPS-Prophylaxe für diese Saison gezogen haben.

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Denn dort, wo Straßen NRW an der Stockumer Straße gesprüht habe, sei ebenfalls wieder ein Befall aufgetreten. Gleiches sei auch in Städten wie Bergkamen geschehen, wo sogar Gift zum Einsatz gekommen sei, so Kersting. Ob das Bakterium, auf das die Stadt bisher setzte, weiterhin das Mittel der Wahl bleibt, soll sich dann entscheiden. „Da muss man sich in Sachen Mittel noch rantasten“, so Kersting.

Auch ein sogenanntes Heißschaumverfahren, bei dem die Nester besprüht werden und wodurch die Härchen mit ihrem Eiweißgift neutralisiert werden sollen, will sich die Stadt anschauen. Einen Nachteil sieht Kersting hier aber bereits: Die Nester müssen dann immer noch entfernt werden. Und Experten zufolge sei diese Methode genauso effektiv wie das Absaugen, was umweltverträglicher sei, so Kersting.

Zur Bekämpfung des EPS hatte die Stadt im Haushalt 30.000 Euro zusätzlich bewilligt. Ob diese auch künftig nötig sind, soll sich im Herbst klären, wenn die Stadt eine entsprechende Kosten-Nutzen-Analyse durchführt.

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