Ehemaliges Steag-Kraftwerk in Lünen: Der Fortschritt lässt sich sehen

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Nach dem Knall ist vor dem Knall: Der Rückbau des ehemaligen Steag-Kraftwerks schreitet trotz Corona planmäßig voran. Dabei ist alles auf das nächste Etappenziel im Frühjahr 2021 ausgerichtet.

Lünen

, 31.10.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits Anfang Oktober hatte ein lauter Knall Lippholthausen und angrenzende Stadtteile aufgeschreckt: Die Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) am ehemaligen Steag-Kraftwerk an der Moltkestraße wurde mit Hilfe einer Sprengung zu Fall gebracht. Angekündigt wurde die Aktion nicht: „Gerade in Corona-Zeiten wäre der damit verbundene Menschenauflauf problematisch gewesen“, erläuterte Ingo Schäfer, Projektleiter für die Hagedorn-Gruppe aus Gütersloh, knapp einen Monat später noch einmal das Prozedere.

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Mittlerweile sind von der REA nur noch vereinzelte Trümmer zu sehen - die allerdings veranschaulichen, mit welcher Präzision die Sprengmeister vorgehen müssen. Denn im Gegensatz zur Sprengung von Beton, wo die Ladungen per Bohrung in das Material eingelassen werden, musste bei der REA dicker Stahl regelrecht durchschnitten werden. „Dazu werden mehrere Sprengladungen auf den Stahl aufgesetzt und innerhalb weniger Millisekunden gezündet“, so Ingo Schäfer. Dabei müssten die Sprengmeister auch darauf achten, dass nicht eine Ladung die andere wegsprengt, bevor diese gezündet wird.

Bei der ersten REA klappte das - im Idealfall soll dieser Erfolg bei der zweiten Anlage auf dem Gelände wiederholt werden. Wann das sein wird, verrät Ingo Schäfer nicht - aus den bekannten Gründen. Es sei aber „sehr wahrscheinlich“, dass es noch in diesem Jahr einen weiteren Knall geben wird.

Zweimal sechs 40-Tonner - pro Tag

Ziel der Hagedorn-Gruppe, die das Kraftwerk im Dezember 2019 der Steag abgekauft hatte, ist ein möglichst schnelles „Freischaufeln“ der großen Gebäude, darunter das Kesselhaus und der Schornstein. Diese Teile werden zusammen mit dem Kühlturm auf der Nordfläche voraussichtlich im Frühjahr 2021 gesprengt - dann mit Ankündigung und entsprechender großflächiger Absperrung des Geländes. Hagedorn erarbeitet dazu mit den zuständigen Behörden ein Sicherheitskonzept.

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Steag-Abriss schreitet voran

Die Hagedorn-Gruppe ist mit dem Abriss des alten Steag-Kraftwerks im Zeitplan.
31.10.2020
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Stück für Stück arbeiten sich die Bagger derzeit an der alten Maschinenhalle des ehemaligen Steag-Kraftwerks vor.© Claeßen
Teile des alten Generators liegen auf dem Gelände. Bei einem Gewicht von 140 Tonnen sind hier eher keine Metalldiebe zu fürchten.© Claeßen
Ein Abrissbagger steht vor den ehemaligen Kohlebunkern (r.). Hier befand sich die „Wiege der Steag“ - acht Kessel, die aus den Bunkern versorgt wurden und das erste Kraftwerk der Steag befeuerten.© Claeßen
Die Ummantelung ist bereits abgerissen. Darunter kamen zugemauerte Türen und Durchgänge zum Vorschein - offenbar wurde das Gebäude in der Vergangenheit mehrmals umgebaut.© Claeßen
Von der Rauchgasentschwefelungsanlage ist nicht mehr viel zu sehen. Der Gebäudeteil wurde Anfang Oktober gesprengt.© Claeßen
Die Sprengladungen haben den dicken Stahl regelrecht aufgeschnitten, wie die Schlitze an den Trümmerteilen zeigen.© Claeßen
Die alten Fensterscheiben des Werkstattgebäudes haben der Druckwelle nicht standgehalten.© Claeßen
Der Stahl wurde teilweise so heiß, dass er noch tagelang nachglüht.© Claeßen
Auch die zweite REA soll demnächst wohl gesprengt werden - die Vorbereitungen laufen.© Claeßen
Die Hagedorn-Gruppe und die DFI Partners AG wollen das Kraftwerksgelände in ein neue Gewerbe- und Industriegebiet umwandeln und vermarkten.© Claeßen

Bis es so weit ist, haben die aktuell 12 Bagger auf dem Gelände noch viel zu tun: Stück für Stück reißen sie derzeit die Maschinenhalle ab. Zweimal am Tag fahren jeweils sechs Lkw den anfallenden Schrott ab. „Leer wiegen die 23, 24 Tonnen“, sagt Polier Antonio Lanzar-Tore. „Jeder fährt dann 25, 26 Tonnen Schrott ab.“ Bauschutt verbleibt hingegen auf dem Gelände und wird für die künftige Einebnung der Fläche, die dann als Gewerbe- und Industriegebiet dienen soll und von der Düsseldorfer Firma DFI Partners AG vermarktet wird, benötigt.

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Um die Staubentwicklung beim Abriss so gering wie möglich zu halten, sind auch im Herbst hohe Wasserfontänen entlang der Moltkestraße zu sehen. Laut Ingo Schäfer sind für den gesamten Rückbau Wasserkosten von rund 200.000 Euro einkalkuliert - doppelt so viel wie für den Baustrom.

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