Mit dem früheren Einbruch der Dunkelheit haben Einbrecher im November und Dezember Hochsaison. Es gibt aber wirksamen Schutz gegen die Täter. Der muss noch nicht mal teuer sein.

Selm, Olfen, Nordkirchen, Lünen

, 24.10.2020, 20:35 Uhr / Lesedauer: 4 min

Neben dem materiellen Schaden leiden Opfer von Wohnungs- und Hauseinbrüchen oft unter langfristigen psychischen Problemen. Daher haben die Verfolgung und Verhinderung von Einbrüchen nicht nur bei der Polizei eine hohe Priorität. Wir beantworten wichtige Fragen zu dem sensiblen Thema „Haus- und Wohnungseinbrüche in der dunklen Jahreszeit“.

? Sind alle Versuche, in ein Haus- oder eine Wohnung einzubrechen, erfolgreich?

Nein, sagt die Polizei NRW: „Immer mehr Eigentümer und Mieter treffen Sicherheitsvorkehrungen gegen Haus- und Wohnungseinbrüche. Als Folge bleibt festzustellen, dass fast jeder zweite Einbruch dank guter mechanischer Sicherung im Versuch stecken bleibt.“ Die Allgemeine Rechtsschutz-Versicherungs-AG (Arag ) zitiert aus einer Studie der Ruhr-Universität Bochum zur Einbruchsprävention. Sie zeige, „dass die ersten Minuten bei einem Einbruch entscheidend sind. Schafft es der Einbrecher nämlich nicht innerhalb von wenigen Minuten, in die Wohnung oder das Haus einzudringen, bricht er den Versuch ab und sucht sich ein einfacheres Ziel“.

? Kaum zu glauben, wo doch die Täter gefühlt immer professioneller werden.

Die wenigsten Einbrecher sind gut ausgerüstete Profis, sondern häufig Gelegenheitstäter, die sich durch einfache, aber wirkungsvolle Sicherungen aufhalten lassen“, erklärt die Polizei. Sicherheit beginne damit, Terrassentüren, Fenster und Wohnungstüren gut zu sichern – auch dann, wenn man nur für kurze Zeit das Haus verlässt, berichtet die Arag. Denn dies seien laut Kripo die drei beliebtesten Einstiegswege.

? Welches sind denn wirkungsvolle Sicherungen?

Die Verwendung von Türen und Fenstern mit nachgewiesener Einbruchschutzwirkung gemäß der Euronorm DIN EN1627, mindestens der Widerstandsklasse RC 2, verringere das Risiko eines Einbruchs von Anfang an, heißt es von Seiten der Polizei. Diese geprüften Türen und Fenster seien in sechs verschiedenen Widerstandsklassen (RC 1 - 6) erhältlich. Daher rät die Polizei, Sicherungsmaßnahmen von vornherein, möglichst bei einem Neubau oder einer Renovierung, zu berücksichtigen.

Ein wirksames Mittel gegen Einbrecher: der abschließbare Fenstergriff.

Ein wirksames Mittel gegen Einbrecher: der abschließbare Fenstergriff. © Polizeiliche Kriminalprävention

? Kann ich denn mein Haus oder meine Wohnung noch nachträglich sichern?

Der Einbruchschutz für vorhandene Türen und Fenster kann auch im Nachhinein noch deutlich und wirksam verbessert werden, so die Polizei. Alternativ zu einer Nachrüstung mit aufschraubbaren Zusatzsicherungen können in den meisten Türen und Fenstern die in den Rahmen vorhandenen Verschlüsse, die so genannten Beschläge, gegen Einbruchschutz-Beschläge ausgetauscht werden.

? Wie sieht es denn mit Überwachungsanlagen aus? Sind die erlaubt?

Die Arag teilt dazu mit, Überwachungsanlagen seien ein wirksamer Schutz vor unliebsamen Besuchern. Das Unternehmen gibt jedoch zu bedenken, dass die Überwachung per Kamera nur eingeschränkt erlaubt ist. Das eigene Haus und Grundstück stellen kein Problem dar. Auch das Sammeln von Beweisen per Überwachungskamera sei erlaubt. Allerdings haben entsprechende Aufnahmen in sozialen Medien nichts zu suchen. Statt Sherlock Holmes zu spielen und auf eigene Faust zu versuchen, den Einbrecher zu finden, solle man die Bilder der Polizei übergeben.

Videoüberwachung ist erlaubt, hat aber auch Grenzen.

Videoüberwachung ist erlaubt, hat aber auch Grenzen. © Polizeiliche Kriminalprävention

? Darf ich den Bereich rund um das ganze Haus überwachen?

Die Überwachung des Nachbargrundstückes oder dessen Zuwegung seien tabu, erklärt die Arag. In einer Pressemitteilung heißt es konkret: „Selbst wenn es sich um einen gemeinschaftlich genutzten Weg handelt, darf hier nicht einfach beobachtet und aufgezeichnet werden. Das verstößt gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das vom Grundgesetz geschützt ist. Das gleiche gilt für öffentliche Wege, beispielsweise den Bürgersteig vor der Haustür. Ist die Kamera auf diesen Bereich gerichtet, könnte sie Aufnahmen von Passanten machen, deren Persönlichkeitsrecht damit verletzt würde. Diese Zuwiderhandlung könnte teure Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen des unzulässig Gefilmten nach sich ziehen.“

? Nun posten ja manche Menschen in sozialen Medien, dass sie gerade im Urlaub im Urlaub und wo sie sind.

Das kann von weniger freundlichen Zeitgenossen laut Arag als Aufforderung zu Straftaten verstanden werden. Darum sei das Vermeiden von genauen Angaben über den momentanen Aufenthaltsort und die Zeit, in der man nicht zu Hause ist, ganz wichtig. Das gelte auch und gerade für längere Abwesenheiten, zum Beispiel den Urlaub.

? Und wie verschleiere ich tatsächlich, dass ich im Urlaub bin, also das Haus menschenleer ist?

Der Tipp der Arag: „Mittlerweile gibt es viele Internetseiten, auf denen man professionelle und semi-professionelle Haussitter engagieren kann.“

? Geht es auch kostenlos?

Zeitschaltuhren können Lampen steuern und beispielsweise in den Abendstunden für gut sichtbare Wohnräume sorgen, führt die Arag aus. Außerdem sollte man einen Nachbarn bitten, regelmäßig den Briefkasten zu leeren, damit die angesammelte Post nicht verrät, dass der Besitzer schon längere Zeit abwesend ist. Auch ein in der Einfahrt oder vor der Garage geparktes Auto des Nachbarn könne über die Abwesenheit der eigentlichen Bewohner hinwegtäuschen. Möglicherweise reiche es aber auch schon, jemanden zu bitten, ob er oder sie in unregelmäßigen Abständen das Zuhause im Auge haben kann, egal, ob man länger verreist oder nur übers Wochenende unterwegs ist. Das genüge oftmals schon, um die Polizei bei einem Einbruch rechtzeitig zu rufen.

Telefonische Beratung am Sonntag, 25. Oktober
  • Am Sonntag (25.10.20) ist Kriminalhauptkommissarin Ulrike Twiehoff vom Kommissariat Prävention/Opferschutz der Kreispolizeibehörde Coesfeld unter Tel. (02541)14444 erreichbar.
  • Sie beantwortet von 10 bis 15 Uhr Fragen rund um die Möglichkeiten technischer Sicherungen von Häusern und Wohnungen.
  • Viele Informationen zum Thema gibt es auch unter https://www.k-einbruch.de/sicherheitstipps/interaktives-haus/

? Wer zahlt, wenn aber tatsächlich eingebrochen wurde und die Täter Beute gemacht haben?

„Die Hausratversicherung bietet in der Regel Versicherungsschutz gegen Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus; darüber hinaus sind Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel versichert“, erklärt die Arag. „Gute Hausratversicherungen warten mit einem ganzen Bündel an zusätzlichen Angeboten auf, bis hin zur psychologischen Soforthilfe nach einem Einbruch oder Raub. Aus gutem Grund: Die psychische Belastung nach einem Einbruch ist meist genauso schwerwiegend wie der materielle Schaden. Studien belegen, dass sich rund 88 Prozent der Einbruchsopfer vor einem weiteren Einbruch fürchten. 30 Prozent leiden sogar unter Angstzuständen.“

? Was sagt denn die Statistik über die Entwicklung von Haus- und Wohnungseinbrüchen?

Statistik Wohnungseinbruchsdiebstähle Kreis Unna gesamt:
Wohnungseinbruchsdiebstahl 2018: 484; 2019: 432. Aufgeklärt: 2018: 77; 2019: 37. In Prozent: 2018: 15,91%; 2019: 8,56%. Diebstahl in/aus Boden-,/Kellerräumen, Waschküchen 2018: 234; 2019: 172; Aufgeklärt: 2018: 20; 2019: 27. In Prozent: 2018: 8,55% ; 2019: 15,70%.

Selm:

Wohnungseinbruchsdiebstahl 2018: 28; 2019: 42. Aufgeklärt: 2018: 4, 2019: 1. Diebstahl in/aus Boden-,/Kellerräumen, Waschküchen: 2018: 9; 2019: 5. Aufgeklärt: 2018: 1; 2019: -.

Kreis Coesfeld insgesamt:
Wohnungseinbruch 2018: 202; 2019: 206; Aufgeklärt: 2018: 52; 2019: 54. In Prozent: 2018: 25,74; 2019: 26,21.

Olfen:
Wohnungseinbruch 2018: 20; 2019: 19. Aufgeklärt: 2018: 2; 2019: 3. In Prozent: 2018: 10,00; 2019: 15,79.

Nordkirchen:
Wohnungseinbruch 2018: 9; 2019: 17; Aufgeklärt: 2018: 2; 2019: 1. In Prozent: 2018: 22,22; 2019: 5,88.

Für Lünen spricht der Leitende Kriminaldirektor Walter Kemper von einem Rückgang der Fallzahlen beim Wohnungseinbruch. Die Einbruchszahlen seien in den vergangenen sieben Jahren um 88 Prozent gesunken - von 902 Einbrüchen in 2012 auf 104 im Jahr 2019.

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