Farid-Bang-Video: Düsseldorfer OB wehrt sich gegen Kritik

Farid Bang als Erzieher für feiernde Jugendliche in der Düsseldorfer Altstadt? Ein Video des Rappers mit einem Aufruf zur Einhaltung der Corona-Regeln droht zum Eigentor für Oberbürgermeister Thomas Geisel zu werden. Ob Farid Bang als Vorbild taugt, ist strittig.

22.07.2020, 13:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Trotz massiver Kritik hat Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) ein Video des umstrittenen Rappers Farid Bang veröffentlichen lassen, in dem dieser feiernde junge Leute zum Respekt vor den Corona-Regeln ermahnt. Geplant hatte Geisel zudem die Veröffentlichung eines gemeinsamen Videos mit dem wegen frauenfeindlicher und antisemitischer Texte kritisierten Düsseldorfer Rapper. Darauf verzichtete Geisel, der bei den NRW-Kommunalwahlen am 13. September um die Wiederwahl kämpft, allerdings.

Er wisse, dass Farid Bang eine „ausgesprochen kontroverse Figur“ sei, sagte Geisel am Mittwoch in Düsseldorf. „Ich halte manches, was er gemacht hat, für widerwärtig.“ Der Musiker habe aber seine früheren Texte bereut. Die Video-Kampagne wurde von Politikern und der jüdischen Gemeinde kritisiert.

Mit dem Farid-Bang-Video wolle die Landeshauptstadt eine Zielgruppe erreichen, die für andere Vertreter der Stadt nicht zugänglich sei, sagte Geisel. Konkret gehe es um junge Menschen, die nachts in der Altstadt am beliebten Rheinufer die Corona-Regeln nicht einhielten, viel Alkohol tränken, Anweisungen der Ordnungsdienste nicht befolgten, in Poser-Szenen die Automotoren aufheulen ließen und sogar ihre Notdurft auf der Straße verrichteten.

Überwiegend prägten dieses Bild junge Männer und unter ihnen vor allem Männer mit Migrationshintergrund, sagte Geisel. Es bestehe die Gefahr, dass sich eine Parallelgesellschaft entwickle. Jeder Beitrag, die Situation zu entschärfen, solle genutzt werden, um nicht Szenen wie in Köln, Stuttgart oder Frankfurt zu erleben.

Geisel hatte nach dpa-Informationen selber in einer Nacht die Altstadt besucht, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Da herrschen Zustände, die wir in Düsseldorf nicht haben wollen“, sagte Geisel. Auch wenn die Düsseldorfer Altstadt die „längste Theke der Welt“ sei, müssten dort trotzdem Regeln des Miteinanders gelten.

In dem Video wirbt Farid Bang für Respekt vor dem Ordnungsdienst und für die Einhaltung der Abstandsregeln. „Benehmt Euch, hört auf, Unfug zu machen, sonst ziehe ich Euch die Ohren lang“, sagt der 34-Jährige darin. Er hatte im Frühjahr auch 4400 Mund-Nasen-Masken für die Düsseldorfer Feuerwehr gespendet. Erst am vergangenen Wochenende hatte es nach Angaben der Stadt Flaschenwürfe gegen Polizisten und Spuckattacken auf Mitarbeiter des Ordnungsamts gegeben.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf zeigte zwar Verständnis für „die Bedeutung einer zielgerichteten Ansprache bestimmter Zielgruppen“ besonders beim Thema Coronavirus. „Eine Vorbildfunktion von Farid Bang in diesem Zusammenhang vor dem Hintergrund seiner Texte und Aussagen kann und muss jedoch sicherlich kontrovers diskutiert werden“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Die Rapper-Freunde Kollegah und Farid Bang hatten 2018 einen Skandal ausgelöst, als ihr Song „0815“ mit der Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ mit dem „Echo“ ausgezeichnet wurde. Der Musikpreis wurde nach Kritik an den als antisemitisch und als Verhöhnung von Opfern der Nazi-Diktatur bewerteten Rap-Texten der Preisträger abgeschafft.

In einer Pressemitteilung der Stadt bedauerte Farid Bang erneut den Text: „Das war ein großer Fehler, für den ich mich schon mehrfach entschuldigt habe. Nichts liegt mir ferner, als die Erinnerung an die Holocaust-Opfer zu verhöhnen. Ich habe mit Antisemitismus überhaupt nichts zu tun.“

Die FDP-Politikerin Agnes Strack-Zimmermann, eine der Herausforderinnen Geisels bei der OB-Wahl, erklärte, sie würde denen, die sich nicht an die Regeln eines zivilisierten und respektvollen Umgangs hielten, „die Kraft des Rechtsstaats entgegensetzen“. Der Grünen-OB-Kandidat Stefan Engstfeld forderte Geisel auf, das Video sofort zu stoppen. „Farid Bang darf kein Botschafter für die Stadt Düsseldorf sein oder in ihrem Auftrag zu Jugendlichen sprechen.“

Eine scharfe Reaktion kam auch von der Antisemitismusbeauftragten der NRW-Landesregierung, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Die Aktion sei ein Affront gegen alle, die sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzten, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Donnerstag). Leutheusser-Schnarrenberger hat eine Studie zum Antisemitismus in der deutschen Gangster-Rap-Szene in Auftrag gegeben. „Diese Studie wird einen Überblick geben, welche Auswirkungen die Musik auf antisemitische Einstellungen von Jugendlichen hat. Damit wollen wir aufklären und Augen öffnen.“

Kritik kam zudem aus den eigenen Reihen. Die SPD Düsseldorf und die Ratsfraktion der Sozialdemokraten erklärten, die Person Farid Bang sei für die Kampagne „ungeeignet“.

Das Video des Rappers ist Teil einer Aufklärungsaktion der Stadt, in dem prominente Düsseldorfer für Ordnung in der Altstadt in Corona-Zeiten werben. Dem Vernehmen nach wurden auch die Toten Hosen sowie die Antilopen Gang und die Broilers angefragt, sollen aber abgesagt haben.

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