Hauseinsturz: Höhenretter suchen Verschütteten

Zwei Tage nach dem Einsturz eines Hauses in Düsseldorf sucht die Feuerwehr weiter nach einem verschütteten Arbeiter. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Waren die Arbeiten an dem Haus eigentlich genehmigt?

28.07.2020, 18:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Tage nach dem Hauseinsturz mitten in Düsseldorf haben am Mittwoch Höhenretter vom Personenkorb eines Krans aus nach einem wahrscheinlich verschütteten Arbeiter gesucht - bis zum frühen Nachmittag vergeblich. „Das ist hier weiter eine Menschenrettung, auch wenn wir von Anfang an keine Hilferufe oder Klopfzeichen wahrgenommen haben“, sagte Feuerwehrsprecher Tobias Schülpen. Er rechne mit einem langen Einsatz bis in die Nacht. Zugleich wurden Fragen laut, ob der Umbau des Hauses, der am Montagmittag zu dem Zusammensturz über dreieinhalb Stockwerke geführt hatte, eigentlich komplett genehmigt war.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren, in dem mögliches Fremdverschulden geprüft wird, wie ein Sprecher der Behörde sagte. Die Stadt hatte am Dienstag mitgeteilt, dass für die Arbeiten an dem Haus zwar am Montag eine Genehmigung erteilt worden sei, es aber noch keine Baufreigabe gegeben habe. Dafür habe ein Standsicherungsnachweis gefehlt. Zahlreiche Arbeiten wie die Erneuerung von Fenstern und Türen seien allerdings auch ohne die Baufreigabe erlaubt. Es müsse geprüft werden, welche Arbeiten genau am Gebäude gemacht worden seien und wodurch der Einsturz verursacht worden sei.

Die am Krankorb schwebenden Höhenretter sicherten am Mittwoch Trümmer, die von einem anderen Kran hochgezogen werden sollten. So wollten sich die Rettungskräfte vorsichtig vorarbeiten, sagte der Feuerwehrsprecher. Der tote Bauarbeiter in dem Trümmerfeld sei immer noch nicht geborgen. Es liege tonnenweise Bauschutt und Stahl auf ihm, so dass eine Bergung bisher nicht möglich gewesen sei. Mithilfe einer DNA-Probe, die Retter von dem Toten genommen hätten, solle er zweifelsfrei identifiziert werden.

Die Suche nach der Einsturzursache werde schwierige „Detektivarbeit“, sagte der NRW-Landeschef der Vereinigung der Prüfingenieure für Baustatik, Alexander Pirlet, der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Bei Rückbauten von Gebäuden entstünden immer wieder statisch besondere Situationen, etwa, wenn Wände entfernt werden müssten.

Die etwa 50 Rettungskräfte hatten schon am frühen Mittwochmorgen wieder damit begonnen, den Schutt von oben nach unten abzutragen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Der zweite, vermisste Bauarbeiter wurde im Keller vermutet, dort habe er zum Zeitpunkt des Einsturzes wohl gearbeitet. Die Einsatzkräfte hätten mit winzigen Telekopkameras Hohlräume abgesucht und Wärmebildkameras eingesetzt - ohne Erfolg. „Alles negativ“, sagte Feuerwehrsprecher Schülpen. Aber es gebe immer wieder Berichte von Verschütteten, die nach langer Zeit lebend geborgen werden konnten.

Das Hinterhaus in der Düsseldorfer Innenstadt in der Nähe der Königsallee war am Montagnachmittag teilweise eingestürzt. Von einem mehrere Stockwerke hohen, leerstehenden Gebäudeteil blieb nur ein Trümmerberg mit Mauerteilen, Steinen, Latten und einem Rest vom Gerüst übrig. Notfallseelsorger und Psychologen betreuten mehr als 50 Menschen, darunter Arbeiter von der Baustelle, Angehörige der Vermissten und Anwohner, die aus ihren Wohnungen heraus mussten.

Weitere Meldungen