Disneyverrückt war Familie Stolpe schon immer - heute führt sie den einzigen Disneyladen in der Region. Ihren Kopierladen hängten sie für ihre Leidenschaft an den Nagel.

Werne

, 10.06.2020, 14:23 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Keine Kopien und Drucke mehr“ steht an der Tür des ehemaligen Druck Zucks in der Bonenstraßestaße. Hinter der Tür verbirgt sich ein Raum voller Magie: Das Disney-Lädchen von Familie Stolpe lockt Kunden aus ganz Europa nach Werne. Über 800 Produkte sind auf den 85 Quadratmetern verteilt. „Ein bisschen verrückt waren wir schon immer“, gibt Ralf Stolpe schmunzelnd zu. Vor etwa sechs Jahren nahm die Familie Disneyprodukte ins Sortiment ihres Kopierladens auf. Von da an rückten Mickey und Co immer weiter in den Vordergrund. Von den Kopierern hat sich die Familie schon lange verabschiedet - nun geht es der Woll-Abteilung an den Kragen, um Platz für neue Disneyware zu schaffen.

„Vormittags werden Päckchen gepackt und Rechnungen geschrieben“

Ein Großteil des Geschäfts mit den Mäusen läuft über das Internet. Auf Facebook hat der Laden eine große Fangemeinde. „Heute früh haben wir 60 Pakete zur Post gebracht“, erzählt Ralf Stolpe. Im Laden herrscht häufig Ruhe.

„Es gibt Tage, da kommt gar keiner vorbei. Am Samstag ist der Laden aber proppevoll. Viele Stammkunden kommen von weiter weg, um unsere Figuren zu kaufen. Aus Tirol, aus Luxemburg oder Dänemark.“ Die Familie ist mit ihren Disneyprodukten auch auf Messen unterwegs - zum Beispiel auf der Dortmunder Comic Con.

Aber auch im eigenen Laden veranstalten die Stolpes Events. Im November kommt der Künstler Jim Shore und signiert Figuren. Auf Facebook haben sich bereits über 400 Besucher angemeldet. Es gibt dann auch eine Tombola für die Kinderkrebshilfe - im vergangenen Jahr sind dabei 2500 Euro zusammengekommen. Bei künftigen Events sind auch Cosplayer, also kostümierte Fans dabei. Ihren Innenhof hat die Familie farbenfroh gestaltet. Disneybilder zieren die Wände. Zu den Events werden im Hof Zelte aufgebaut und Würstchen verkauft.

Erst wichen die Kopierer, jetzt wird die Wolle ausverkauft: Familie Stolpe konzentriert sich nun voll auf ihre Disneyleidenschaft

Erst wichen die Kopierer, jetzt wird die Wolle ausverkauft: Familie Stolpe konzentriert sich nun voll auf ihre Disneyleidenschaft © Sylva Witzig

„Die alten Disneyfilme sind die Besten“

Andrea Stolpe hat fast alle Disneyfilme gesehen - ihre Lieblinge sind aber definitiv die älteren Streifen und die aktuellen Realverfilmungen. Ihre Lieblings-Disneyfigur ist Minnie Maus. Trotzdem würde sie zu Karneval nie in ein Minnie-Kostüm schlüpfen. „Ich hasse Karneval“, sagt sie.

Hündin Susi gehört zum Inventar. Freundlich begrüßt sie alle Besucher. „Wie lange die Kunden hier bleiben, ist ganz unterschiedlich. Viele bleiben eine ganze Weile, unterhalten sich und trinken Kaffee. Es gibt auch Kunden, die kommen morgens um 10 und bleiben bis kurz vor Ladenschluss.“ Umziehen wird der Laden erst einmal nicht. „Mehr Platz wäre zwar schön, aber uns gehört das Haus.“, erklärt Andrea Stolpe.

Figuren aus ganz Europa

Die Sammelfiguren kommen aus ganz Europa und kosten zwischen zwanzig und mehreren hundert Euro. Die Sammlergemeinde ist bunt gemischt - ein Durchschnittsalter können die Stolpes nicht nennen. „Meistens geht es mit einer Figur los und dann packt die Menschen die Sammelleidenschaft“, schildert Ralf Stolpe. Die Kunden haben häufig einen Lieblingscharakter, von dem sie dann alles sammeln. Manche spezialisieren sich aber auch auf ein Produkt und sammeln dann beispielsweise nur Schneekugeln.

Im Geschäft gibt es alles, was das Sammlerherz begehrt - von Tassen über Lunchboxen und Plüschtieren bis hin zu lizensierten Stoffen zum Selbernähen. Es wird ausschließlich Neuware verkauft. „Das Einzige, was wir nicht haben, sind Produkte, die nur für den amerikanischen Markt freigegeben sind. Die hätten wir sehr gerne und es gibt einen großen Schwarzmarkt dafür, aber da mischen wir nicht mit“, erzählt Ralf Stolpe. Ein ähnliches Sortiment hat in Deutschland sonst kein Geschäft.

Die Vitrinen sind prall gefüllt mit Disneyprodukten aus der ganzen Welt

Die Vitrinen sind prall gefüllt mit Disneyprodukten aus der ganzen Welt © Sylva Witzig

Druck Zuck wird zu Mickey&Co

Bevor die Familie sich ihrer Disney-Leidenschaft widmete, verkaufte sie in ihrem Geschäft unter anderem Textildrucke, Kopien, Modellautos, Stoffe und Wolle. 1991 eröffneten die Stolpes ihren ersten Laden. 2005 zogen sie in das jetzige Ladenlokal in der Bonenstraße um. Bis heute wurde in dem jetzigen Disneyparadies Wolle verkauft - aufgrund des neuen Handarbeitsgeschäfts gegenüber rentiere sich der Verkauf jedoch nicht mehr. Ein bisschen trauert Andrea Stolpe ihrer Ware schon hinterher, doch durch den Ausverkauf der Wolle entsteht neuer Platz für weitere Disneyprodukte, auf die sie sich freut.

Mickey, Cinderella und ihre Freunde lächeln die Kunden aus den Vitrinen an. Die typische fröhliche Disneymusik vermisst man hier jedoch. „Da bekämen wir Probleme mit den Lizenzen und müssten ordentlich Gema zahlen“, erklärt Ralf Stolpe. Im Büro hört die Familie Radio. „Man muss sich ja weiterbilden“, findet der Familienvater.

Fanträume werden wahr

So mancher Disneyfan wurde im kleinen Disneyparadies schon glücklich gemacht. Eine Anekdote blieb Ralf Stolpe besonders im Gedächtnis: „Kurz vor ihrer Hochzeit verliebte sich ein Paar in eine Uhr. Die kostete 400 Euro und war ihnen viel zu teuer. In den kommenden Tagen kamen geschätzt 20 Menschen in den Laden und schmissen ihr Geld zusammen, um dem Paar die Uhr zur Hochzeit zu schenken. Das kam nach der Hochzeit zu Tränen gerührt in den Laden und konnte sein Glück gar nicht fassen.“

Eine eigene Sammlung hat die Familie nicht. „Uns reicht das, was wir im Laden haben. Wenn wir selber anfangen würden, würde das bestimmt ausarten“, gibt Andrea Stolpe schmunzelnd zu.

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